Metaanalyseunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-EGG-09 Tiefenprüfung

Eier und hormonbezogene Krebsarten: Metaanalyse

Egg intake and cancers of the breast, ovary and prostate: a dose-response meta-analysis of prospective observational studies.

Kurzüberblick

Keum N et al.. Br J Nutr 2015 · PMID 26293984 · DOI 10.1017/S0007114515002135

Ein möglicher Zusammenhang mit tödlichem Prostatakrebs, den kleine Studien aber überzeichnen könnten; kein Zusammenhang mit Prostatakrebs insgesamt.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: niedrig

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Eierverzehr und geschlechtshormonbezogene Krebsarten

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Dosis-Wirkungs-Metaanalyse prospektiver Studien

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

18 prospektive Publikationen: Brust 16.023 Fälle, Eierstock 2.636, Prostata gesamt 3.655, tödlicher Prostatakrebs 609

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Pro 5 Eier/Woche: tödlicher Prostatakrebs RR 1,47 (1,01–2,14) aus 4 Studien, mit Anzeichen für Publikationsbias und unter einer alternativen Annahme nicht signifikant (1,23, 0,97–1,55); Prostatakrebs gesamt 1,00 (0,88–1,14); Brust 1,05 (0,99–1,11); Eierstock 1,09 (0,96–1,24).

Wie groß war der beobachtete Effekt?

Random-Effects-Modell; Egger-Test

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Nicht gesichert; mit Augenmaß einordnen.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Nur 4 Studien und 609 Fälle für tödlichen Prostatakrebs; Signal für Publikationsbias; keine Qualitätsbewertung der eingeschlossenen Studien; mehrere Studien nur altersadjustiert; schließt die Kohorte Richman 2011 ein.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Gemischt.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Mittel.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kann keine Kausalität beweisen.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Keum N et al.
Fachzeitschrift
Br J Nutr
Jahr
2015
Identifikator
PMID 26293984 DOI 10.1017/S0007114515002135
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Die Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben; im abgerufenen Text keine Angabe zur Finanzierung gefunden.

2. Forschungsfrage

Eierverzehr und geschlechtshormonbezogene Krebsarten

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Metaanalyse – Systematische Literatursuche mit linearer (Greenland-Longnecker) und nichtlinearer (restricted cubic spline) Random-Effects-Dosis-Wirkungs-Metaanalyse prospektiver Beobachtungsstudien
Population

Teilnehmende prospektiver Kohorten, eingebetteter Fall-Kontroll-/Fall-Kohorten-Studien und gepoolter Kohortenstudien (Nordamerika, Europa, Asien)

Land

Multinational

Zeitraum

PubMed und Embase bis April 2015 durchsucht

Stichprobengröße

18 Publikationen (2 gepoolte Studien): Brust 6 (16.023 Fälle), Eierstock 2 (2.636 Fälle), Prostata gesamt 6 (3.655 Fälle), tödlicher Prostatakrebs 4 (609 Fälle)

Ein- und Ausschlusskriterien

Prospektive Beobachtungs- oder gepoolte Studien zu Eieraufnahme und Inzidenz von Brust-, Prostata- (gesamt, tödlich) oder gynäkologischen Krebserkrankungen mit >=3 Expositionskategorien oder einer linearen Schätzung; nur Englisch; Abstracts/unveröffentlichte Arbeiten ausgeschlossen; retrospektive Fall-Kontroll-Studien ausgeschlossen. 7.378 Datensätze gesichtet; 67 Volltexte mit Gründen im Flussdiagramm ausgeschlossen.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Eierverzehr

Vergleichsgruppe

pro 5 Eier/Woche

Endpunkte

Brust-, Eierstock-, Prostatakrebs (gesamt und tödlich)

Statistische Methoden

DerSimonian-Laird Random Effects; RR pro 5 Eier/Woche; Spline-Modelle bei >=5 Studien; Cochran-Q und I2; Egger-Test und Funnel-Plots; Leave-one-out- und Portionsgrößen-Sensitivitätsanalysen (1 vs. 2 Eier); keine Subgruppen/Metaregression; kein formales Instrument zum Biasrisiko einzelner Studien.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Brust: RR 1,05 (0,99–1,11) pro 5 Eier/Woche, I2 0 %, P Egger 0,62; nichtlinear: 1,04 (1,01–1,07) bei 5 Eiern/Woche und 1,09 (1,03–1,15) bei ~9 Eiern/Woche vs. keine. Eierstock: 1,09 (0,96–1,24), I2 3 %. Prostata gesamt: 1,00 (0,88–1,14), I2 0 %, P Egger 0,72. Tödlicher Prostatakrebs (4 Studien einschl. Richman 2011 = A-EGG-11): 1,47 (1,01–2,14), I2 40 %, P Egger 0,04 (kleinere Studien zeigen stärkere Zusammenhänge); die Annahme von 2 Eiern pro Portion für 3 Studien schwächte dies auf 1,23 (0,97–1,55) ab, I2 70 %.

Absolute Risiken

im Volltext nicht berichtet

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Die Schlussfolgerung wird durch möglichen Publikationsbias und Confounding relativiert; ein positiver Zusammenhang mit tödlichem Prostatakrebs kann nicht ausgeschlossen werden.

6. Stärken

  • Dosis-Wirkungs-Modellierung (linear und nichtlinear) statt nur hoch vs. niedrig
  • Nur prospektive Designs, was Erinnerungsbias verringert
  • Unabhängiges dreifaches Screening/Extraktion; Sensitivitätsanalysen zu Annahmen über die Portionsgröße

7. Schwächen

  • Schätzung für tödlichen Prostatakrebs beruht auf nur 4 Studien und 609 Fällen, mit Effekten kleiner Studien (P Egger 0,04)
  • Der Zusammenhang mit tödlichem Prostatakrebs verliert unter der alternativen Portionsgrößenannahme die Signifikanz (RR 1,23, 0,97–1,55)
  • Drei Prostatastudien nur für Alter adjustiert; keine formale Bewertung des Biasrisikos auf Studienebene
  • Suche nur auf Englisch in zwei Datenbanken; keine Protokollregistrierung berichtet
  • Überwiegend einmalige Ernährungserhebungen zu Studienbeginn; Confounding durch zusammen mit Eiern verzehrte Lebensmittel eingeräumt
  • Schließt die vom Archiv zitierte Kohorte Richman 2011 ein und ist daher keine unabhängige Bestätigung dieses Ergebnisses

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
AMSTAR 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
hoch
Begründung

AMSTAR-2-Gesamtvertrauen: kritisch gering (kritische Mängel bei den Punkten 2 und 9). Insgesamt von some_concerns (auf Basis des Abstracts) auf high angehoben. Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne begutachtende Person; eine formale Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
1 PICO-KomponentenniedrigKlare Exposition, Endpunkte und Studiendesigns.
2 Protokoll a priori festgelegt (kritisch)hochKein registriertes oder veröffentlichtes Protokoll berichtet; MOOSE-Leitlinien befolgt.
3 Begründung der eingeschlossenen StudiendesignsniedrigBeschränkung auf prospektive Designs begründet.
4 Umfassende Literatursuche (kritisch)einige BedenkenPubMed und Embase plus Literaturverzeichnisse; nur Englisch; keine graue Literatur.
5 Studienauswahl in DoppelbegutachtungniedrigDrei Autoren unabhängig voneinander.
6 Datenextraktion in DoppelbegutachtungniedrigDrei Autoren unabhängig voneinander.
7 Liste ausgeschlossener Studien mit Gründen (kritisch)einige BedenkenDas Flussdiagramm nennt Ausschlusskategorien (67 ausgeschlossen), keine Einzelliste.
8 Beschreibung der eingeschlossenen StudienniedrigErgänzende Tabelle mit Studienmerkmalen.
9 Biasrisiko der einzelnen Studien (kritisch)hochKein Instrument zu Qualität/Biasrisiko auf Studienebene angewendet; nur der Adjustierungsstatus vermerkt.
10 Finanzierung der eingeschlossenen StudienhochNicht berichtet.
11 Angemessene metaanalytische Methoden (kritisch)niedrigStandardmethoden der Dosis-Wirkungs-Analyse mit Random Effects.
12 Einfluss des Biasrisikos auf die ErgebnissehochNicht bewertet (kein Instrument zum Biasrisiko).
13 Biasrisiko bei der Interpretation berücksichtigt (kritisch)einige BedenkenConfounding und Effekte kleiner Studien eingeräumt; Schlussfolgerungen zurückhaltend formuliert.
14 Heterogenität erklärteinige BedenkenÜberwiegend geringe Heterogenität; keine Subgruppenanalysen möglich.
15 Publikationsbias (kritisch)niedrigEgger-Tests und Funnel-Plots berichtet; Signal für tödlichen Prostatakrebs offengelegt.
16 Interessenkonflikte des Reviewseinige BedenkenKeine Konflikte erklärt; Finanzierung im abgerufenen Text nicht angegeben.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Details zu Suche/Auswahl, Studienzahlen je Krebsart, Prostatakrebs gesamt RR 1,00 (0,88–1,14), Sensitivitätsanalyse tödlicher Prostatakrebs RR 1,23 (0,97–1,55), I2-Werte, Fehlen von Biasrisiko-Bewertung auf Studienebene und Protokoll, Überschneidung mit A-EGG-11; AMSTAR 2 aufgeschlüsselt, Gesamtbewertung some_concerns -> high.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Das RR für tödlichen Prostatakrebs hat eine untere Grenze knapp über 1, reagiert empfindlich auf analytische Annahmen und zeigt Signale für Publikationsbias; die Schätzung für Prostatakrebs insgesamt liegt präzise bei null. Das Signal für Brustkrebs ist klein (4–9 %).

10. Relevanz für die konkrete Aussage

C-EGG-06.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Kein Zusammenhang mit Prostatakrebs insgesamt.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Mittel.

13. Methodisches Gesamturteil

Schwaches, von Annahmen abhängiges Signal für tödlichen Prostatakrebs, kein Zusammenhang mit Prostatakrebs insgesamt und kleine, nicht signifikante oder grenzwertige Zusammenhänge für Brust- und Eierstockkrebs. Nicht ausreichend, um zu belegen, dass Eier tödlichen Prostatakrebs verursachen.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätniedrig
Biasrisikohoch
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeitmoderat
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Größere prospektive Studien mit wiederholten Ernährungserhebungen und Endpunkten zu aggressivem Prostatakrebs; Confounding durch das Ernährungsmuster.

15. Verknüpfte Faktenchecks