Randomisierte kontrollierte Studieunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-EGG-10 Tiefenprüfung

Erhöhen Eier TMAO? Eine Studie

Dietary Choline Supplements, but Not Eggs, Raise Fasting TMAO Levels in Participants with Normal Renal Function: A Randomized Clinical Trial.

Kurzüberblick

Wilcox J et al.. Am J Med 2021 · PMID 33872583 · DOI 10.1016/j.amjmed.2021.03.016

Vier Eier täglich über vier Wochen erhöhten den Nüchtern-TMAO-Wert nicht; Cholin-Tabletten schon.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Erhöhen Eier TMAO und die Thrombozytenreaktivität?

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Randomisierte Interventionsstudie mit 5 Armen, 4 Wochen

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

82 (18+20+16+18+10); Gesunde Freiwillige mit normaler Nierenfunktion (Medianalter 28; 41 % männlich; 81 % weiß)

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Das Nüchtern-Plasma-TMAO stieg mit 4 Eiern/Tag (Median 2,0 auf 2,3 uM; P=0,20) oder mit Phosphatidylcholin-Kapseln (P=0,27) nicht signifikant an, stieg aber in allen drei Armen mit Cholinbitartrat-Tabletten stark an (z. B. 1,9 auf 11,1 uM; P<0,0001). Die Thrombozytenreaktivität stieg nur in den Armen mit Cholintabletten; Eier P=0,10.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

Vergleiche innerhalb der Arme

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Eier scheinen diesen Marker für Herzrisiko bei gesunden Menschen nicht zu erhöhen.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Kleine Arme (10–20); fünfter Arm später hinzugefügt (nicht gleichzeitig randomisiert); kein Placeboarm; Ernährung nicht kontrolliert; nur Nüchternproben; 4 Wochen; gesunde junge Erwachsene mit normaler Nierenfunktion

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Nicht regionsspezifisch.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kann einen kleinen oder postprandialen TMAO-Anstieg nicht ausschließen, ebenso wenig Effekte bei Menschen mit Nierenerkrankung, und sagt nichts über Herzinfarkte oder Schlaganfälle aus.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Wilcox J et al.
Fachzeitschrift
Am J Med
Jahr
2021
Identifikator
PMID 33872583 DOI 10.1016/j.amjmed.2021.03.016
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Finanzierung: NIH und Office of Dietary Supplements (R01HL103866, R01HL126827, P01 HL147823); Auszeichnung des Shimadzu Center of Excellence (Geräteausstattung); SLH teilweise unterstützt durch den Leonard Krieger Fund und die Foundation Leducq. Interessenkonflikte: SLH Miterfinder von Patenten der Cleveland Clinic zu kardiovaskulärer Diagnostik/Therapie, bezahlter Berater von und Forschungsmittel von Procter & Gamble, Forschungsmittel von Roche Diagnostics, Anspruch auf Lizenzgebühren von Cleveland Heart Lab und Procter & Gamble; WT Berater für Sequana Medical AG (ohne Bezug); übrige keine.

2. Forschungsfrage

Erhöhen Eier TMAO und die Thrombozytenreaktivität?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Randomisierte kontrollierte Studie – Randomisierte, offene (Teilnehmende nicht verblindet; Laboranalysen hinsichtlich des Arms verblindet) Interventionsstudie mit parallelen Armen, 4 Arme randomisiert plus ein später eingeschlossener fünfter Phosphatidylcholin-Arm; 28 Tage; registriert NCT03039023
Population

Gesunde Freiwillige aus dem Raum Cleveland, Ohio, mit normaler Nierenfunktion (medianes Alter 28,0 [IQR 24,0–38,8]; 41,5 % männlich; 81,7 % weiß; medianer BMI 26,9)

Land

USA

Zeitraum

Im Volltext nicht angegeben

Stichprobengröße

89 eingewilligt; 82 (92 %) abgeschlossen und ausgewertet (Arm 1 Eier 18; Arm 2 Cholinbitartrat 20; Arm 3 Eier + Cholin 16; Arm 4 Eiklar + Cholin 18; Arm 5 Phosphatidylcholin 10); Teilgruppe Thrombozytenaggregometrie N=50 (Korrelationen N=49)

Ein- und Ausschlusskriterien

Alter >=18, eGFR >60, normales Serumkreatinin, keine Mikroalbuminurie; ausgeschlossen: bekannte chronische Erkrankung, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Adipositaschirurgie, Antibiotika oder Probiotika im Monat vor dem Einschluss

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Täglich über 28 Tage zusätzlich zur gewohnten Ernährung: 4 große hart gekochte Eier (467 mg Gesamtcholin, praktisch vollständig verestert); 2 x 500 mg Cholinbitartrat (411 mg freies Cholin); Eier + Cholinbitartrat (etwa doppelte Cholindosis); Eiklar von 4 Eiern (2,80 mg Cholin) + Cholinbitartrat; 6 x 420 mg Phosphatidylcholin-Kapseln (410 mg Gesamtcholin)

Vergleichsgruppe

Innerhalb der Arme Ausgangswert vs. Tag 28; Vergleiche zwischen den Armen (Kruskal-Wallis). Kein Placebo-/Kontrollarm ohne Intervention

Endpunkte

Nüchtern-Plasma-TMAO (Hauptfokus), TMAO im 24-h- und Spontanurin, Plasma-Cholin/-Betain/-Carnitin, ADP-induzierte Thrombozytenaggregation, Lipidprofil

Statistische Methoden

Nichtparametrisch: Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test (innerhalb der Arme), Kruskal-Wallis (zwischen den Armen), Spearman-Korrelation; p<0,05; nur Studienabschließende; keine Fallzahlberechnung oder Adjustierung für Multiplizität berichtet

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Plasma-TMAO Median [IQR] Ausgangswert vs. Tag 28: Eier 2,0 [1,4–3,5] vs. 2,3 [1,9–3,7] uM, P=0,20; Cholintabletten 1,9 [1,4–3,4] vs. 11,1 [7,1–25,4] uM, P<0,0001; Eier + Cholin 2,3 [1,5–2,8] vs. 12,3 [5,1–26,5] uM, P<0,0001; Eiklar + Cholin 2,6 [1,8–5,3] vs. 28,1 [9,2–44,1] uM, P<0,0001; Phosphatidylcholin 2,8 [2,0–5,1] vs. 3,4 [2,6–7,1] uM, P=0,27. TMAO im 24-h-Urin: Anstieg in den Armen mit Cholintabletten (jeweils P<0,001), nicht bei Eiern (P=0,28) oder PC (P=0,11). Die Thrombozytenreaktivität stieg in den Armen mit Cholintabletten (alle P<0,01), nicht bei Eiern (P=0,10) oder PC (P=0,79). Die Thrombozytenaggregation korrelierte mit dem Plasma-TMAO (r=0,51, P<0,0001, N=49). Plasma-Cholin stieg in allen Armen an (Eier P=0,005), was auf Adhärenz hinweist. Keine Veränderungen des Lipidprofils in irgendeinem Arm. Keine Konfidenzintervalle für Unterschiede zwischen den Armen berichtet.

Absolute Risiken

nicht anwendbar (Biomarkerstudie; keine klinischen Ereignisse)

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Vier Eier täglich über vier Wochen erhöhten bei gesunden Teilnehmenden mit normaler Nierenfunktion das Nüchtern-TMAO oder die Thrombozytenreaktivität nicht wesentlich; Phosphatidylcholin-Kapseln ergaben ähnliche Ergebnisse; eine äquivalente Menge Cholin als Cholinbitartrat erhöhte TMAO und Thrombozytenaggregation erheblich; die Form des Cholins ist entscheidend. Die Autoren warnen vor Cholin-Supplementen und vor einer Übertragung auf Nierenerkrankungen.

6. Stärken

  • Randomisierte Zuteilung der ersten vier Arme; Studie registriert
  • Laboranalysen hinsichtlich der Gruppenzuteilung verblindet
  • Cholingehalt jeder Intervention mittels LC/MS/MS überprüft
  • Plasma, 24-h-Urin und Spontanurin übereinstimmend
  • Adhärenz durch Anstieg des Plasma-Cholins in allen Armen gestützt
  • 92 % Studienabschluss

7. Schwächen

  • Kleine Arme (10–20); keine Powerberechnung; die fehlende Signifikanz bei Eiern (P=0,20) schließt einen kleinen Anstieg nicht aus
  • Fünfter (PC-)Arm später eingeschlossen, d. h. nicht gleichzeitig randomisiert
  • Kein Placebo-/Kontrollarm ohne Eier; die Schlussfolgerung beruht auf Veränderungen innerhalb der Arme
  • Ungleichgewicht zu Studienbeginn von den Autoren eingeräumt (Arm 3 94 % weiblich; Unterschiede bei Alter, BMI)
  • Hintergrundernährung nicht kontrolliert
  • Nur Nüchternproben; postprandiales TMAO nicht gemessen (Miller et al. berichteten Anstiege 24 h nach Eiern)
  • Nur 4 Wochen; gesunde junge Erwachsene mit normaler Nierenfunktion (laut Autoren die wichtigste Limitation)
  • Auswertung nur der Studienabschließenden; Gründe für 7 Ausfälle in einer im Text nicht verfügbaren Abbildung
  • Der Seniorautor hat TMAO-bezogene Patente/Lizenzinteressen (was, wenn überhaupt, den Nachweis von TMAO-Effekten begünstigen würde)

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
RoB 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Strukturiertes RoB 2 durch eine einzelne begutachtende Person auf Basis des Volltexts (Supplement mit Details zur Randomisierung nicht verfügbar). Keine formale Bewertung: Diese erfordert zwei unabhängige Begutachtende und das Studienprotokoll.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
D1 Randomisierungsprozesseinige BedenkenArme 1–4 randomisiert (Details nur im Online-Supplement, nicht verfügbar); Arm 5 später eingeschlossen und nicht gleichzeitig randomisiert; kleine Arme führten zu Ungleichgewichten zu Studienbeginn (Arm 3 94 % weiblich).
D2 Abweichungen von den vorgesehenen Interventioneneinige BedenkenOffene Lebensmittel-/Supplement-Interventionen zusätzlich zu einer nicht kontrollierten gewohnten Ernährung; Adhärenz durch den Anstieg des Plasma-Cholins gestützt, aber sonst nicht quantifiziert.
D3 Fehlende Endpunktdatenniedrig82/89 (92 %) abgeschlossen; geringer Verlust, verändert die Ergebnisse wahrscheinlich nicht wesentlich.
D4 Messung des EndpunktsniedrigObjektive LC/MS/MS-Biomarker und Aggregometrie durch hinsichtlich der Gruppenzuteilung verblindete Untersuchende.
D5 Auswahl des berichteten Ergebnisseseinige BedenkenRegistriert (NCT03039023), registrierte Endpunkte hier aber nicht abgeglichen; mehrere Matrizes und Zeitpunkte nur mit Tests innerhalb der Arme; das konsistente Muster über die Matrizes verringert die Bedenken.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): P-Wert für Plasma-TMAO im Eier-Arm auf 0,20 korrigiert (0,28 war 24-h-Urin); ergänzt: Mediane/IQRs, Details zu Finanzierung und Interessenkonflikten, Registrierung, Ein-/Ausschluss, Abschluss 82/89, Thrombozyten-Teilgruppe N=50; vermerkt, dass der fünfte Arm später eingeschlossen wurde und ein Placeboarm fehlt; vollständige RoB-2-Domänen (insgesamt unverändert: some concerns).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Für die Eier-Frage nur Tests innerhalb der Arme; P=0,20 für Plasma-TMAO bei Eiern (n=18) ist eine nicht signifikante Veränderung bei kleiner Stichprobe, kein Beweis für das Fehlen eines Effekts, aber die Mediane (2,0 auf 2,3 uM) liegen weit unter den etwa 5- bis 10-fachen Anstiegen mit freiem Cholin. Keine Effektgrößen mit KI für Unterschiede zwischen den Armen.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

C-EGG-05.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Klein; A-EGG-13 zeigt einen akuten Anstieg nach Belastung.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Nicht regionsspezifisch.

13. Methodisches Gesamturteil

Direkte, recht gut durchgeführte kleine Studie: Ganze Eier (4/Tag, 4 Wochen) erhöhten bei gesunden Erwachsenen weder das Nüchtern-TMAO noch die Thrombozytenreaktivität, freies Cholin dagegen schon. Widerspricht der Ableitung des Archivs, dass Phosphatidylcholin aus Eiern TMAO erhöht, für die Nüchternwerte bei gesunden Menschen; behandelt keine postprandialen Werte, Nierenerkrankungen oder klinischen Ereignisse.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Postprandiales TMAO nach Eiern; Effekte bei chronischer Nierenerkrankung oder bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung; längere Exposition; ausreichend gepowerter Vergleich zwischen Armen mit einer Kontrolle ohne Eier.

15. Verknüpfte Faktenchecks