Kohortenstudieunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-GRN-03 Tiefenprüfung

Weißer Reis und Diabetes in 21 Ländern

White Rice Intake and Incident Diabetes: A Study of 132,373 Participants in 21 Countries.

Kurzüberblick

Bhavadharini B et al.. Diabetes Care 2020 · PMID 32873587 · DOI 10.2337/dc19-2335

Sehr hohe Aufnahme von weißem Reis (>=3 Tassen/Tag) mit 20 % höherem Diabetesrisiko verbunden.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: hoch

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Reis und Diabetes

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Kohorte

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

132.373

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Zusammenhang bei hoher Aufnahme

Wie groß war der beobachtete Effekt?

HR 1,20

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Sehr große Reisportionen erhöhen das Risiko mäßig

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Beobachtend; einmaliger Ernährungsfragebogen; keine Daten zur Reisart; in China nicht signifikant

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht unbegrenztem Reis

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Mittel

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Ursache

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Bhavadharini B et al.
Fachzeitschrift
Diabetes Care
Jahr
2020
Identifikator
PMID 32873587 DOI 10.2337/dc19-2335
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Die von den Forschenden initiierte PURE-Studie wird finanziert durch PHRI, CIHR, die Heart and Stroke Foundation of Ontario, das Gesundheitsministerium von Ontario und nicht zweckgebundene Zuschüsse von Pharmaunternehmen (AstraZeneca, Sanofi, Boehringer Ingelheim, Servier, GSK, Novartis, King Pharma) sowie nationale Einrichtungen, darunter Dairy Farmers of Canada/National Dairy Council, Unilever Health Institute (Brasilien) und die South Africa Sugar Association. Mitautor V.M. ist an der Förderung gesünderer Reissorten beteiligt. Die Geldgeber hatten keinen Einfluss auf Design, Analyse oder Berichterstattung.

2. Forschungsfrage

Weißer Reis und neu auftretender Diabetes

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Multinationale prospektive Kohorte (PURE)
Population

PURE-Teilnehmende im Alter von 35-70 Jahren ohne Diabetes zu Studienbeginn, mit vollständigen Ernährungsdaten und >=1 Nachbeobachtungsbesuch (148.858 mit Ernährungsdaten abzüglich 16.485 mit Diabetes zu Studienbeginn); mittleres Alter 50 Jahre; Südasien n=26.419, China n=41.727, übrige Welt n=64.227

Land

21 Länder: Argentinien, Bangladesch, Brasilien, Kanada, Chile, China, Kolumbien, Indien, Iran, Malaysia, besetztes palästinensisches Gebiet, Pakistan, Philippinen, Polen, Südafrika, Saudi-Arabien, Schweden, Tansania, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Simbabwe (Ägypten nicht enthalten)

Zeitraum

Aufnahme ab 2005 (PURE-Baseline); Endpunktereignisse bis 3. Juli 2019; mittlere Nachbeobachtung 9,5 Jahre

Stichprobengröße

132.373; 6129 Fälle

Ein- und Ausschlusskriterien

Eingeschlossen: vollständige FFQ-Daten, mindestens ein Nachbeobachtungsbesuch; ausgeschlossen: Diabetes zu Studienbeginn (n=16.485).

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Gekochter weißer Reis aus länderspezifischen validierten FFQ nur zu Studienbeginn (gemischte Gerichte aufgeschlüsselt); Kategorien <150, 150-<300, 300-<450, >=450 g/Tag (1 Tasse = 150 g). Reisart (z. B. Parboiled, Basmati) nicht erfasst; brauner Reis nicht im FFQ.

Vergleichsgruppe

<150 g/Tag

Endpunkte

Neu aufgetretener Diabetes: ärztliche Diagnose, Einnahme oraler Antidiabetika oder Insulin oder Nüchternplasmaglukose >=7,0 mmol/L; 90,7 % der 6.129 Fälle dokumentiert, 9,3 % nur Selbstangabe

Statistische Methoden

Multivariables Cox-Frailty-Modell mit zufälligem Achsenabschnitt für das Studienzentrum; adjustiert für Alter, Geschlecht, BMI, Taille-Hüft-Verhältnis, Familienanamnese, Rauchen, Stadt/Land, Bildung, Wohlstandsindex, körperliche Aktivität, Energieaufnahme, Vollkorn und raffiniertes Getreide, Obst und Gemüse; regionale Stratifizierung; gepoolte regionale Heterogenität (I2).

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Vollständig adjustierte HRs vs. <150 g/Tag, insgesamt: 150-<300 g 1,12 (1,01-1,24); 300-<450 g 1,25 (1,10-1,43); >=450 g 1,20 (1,02-1,40); P für Trend 0,003. Südasien >=450 g: 1,61 (1,13-2,30), P für Trend 0,02. Übrige Welt >=450 g: 1,41 (1,08-1,86), P für Trend 0,01 (nur 108 Ereignisse in der obersten Kategorie). China >=450 g: 1,04 (0,77-1,40), P für Trend 0,38 (300-<450 g: 1,34, 1,05-1,70). Naher Osten, Südostasien und Südamerika getrennt: gleiche Richtung, nicht signifikant. Regionale Heterogenität I2 7,7 % (P=0,369).

Absolute Risiken

Rohe kumulative Inzidenz über durchschnittlich 9,5 Jahre, insgesamt: 4,1 % (<150 g/Tag; 2.960 Ereignisse) vs. 5,5 % (>=450 g/Tag; 1.619 Ereignisse); Südasien 4,8 % vs. 8,0 %; China 2,91 % vs. 2,3 %. Keine adjustierten absoluten Risikodifferenzen berichtet.

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Ein höherer Verzehr von weißem Reis ist mit einem erhöhten Risiko für neu auftretenden Diabetes verbunden, am deutlichsten in Südasien; in anderen Regionen war der Zusammenhang gering (China: kein Zusammenhang). Der Ersatz von stark poliertem weißem Reis durch gesündere Reissorten oder andere Getreide oder die Ergänzung durch Hülsenfrüchte könnte in Bevölkerungen mit Reis als Grundnahrungsmittel hilfreich sein.

6. Stärken

  • Größte prospektive Studie zu Reis und Diabetes; 21 Länder auf 5 Kontinenten mit großer Spannweite der Verzehrmengen
  • Überwiegend dokumentierte Diabetesdiagnosen (90,7 %); Nüchternglukose bei 97,3 % getestet
  • Umfangreiche Adjustierung, u. a. für Wohlstand, Bildung, andere Getreide; zufällige Effekte für das Studienzentrum
  • Geringe Heterogenität zwischen den Regionen

7. Schwächen

  • Ernährung nur einmal zu Studienbeginn per FFQ erfasst; keine Daten zur Reisart (Parboiled, Basmati usw.)
  • Residual Confounding möglich (die Autorinnen und Autoren nennen nicht gemessenen Alkoholkonsum, Luftverschmutzung, Pestizide; südasiatische Vielverzehrende unterscheiden sich deutlich: niedrigerer BMI, Ballaststoffe 10,8 vs. 24,2 g/Tag, 71 % der Energie aus Kohlenhydraten)
  • Kein OGTT/HbA1c: nicht diagnostizierter Diabetes und Fehlklassifikation des Endpunkts möglich
  • Nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung insgesamt und in China; oberste Kategorie in der „übrigen Welt“ nur 108 Ereignisse
  • Die Schlussfolgerung im Abstract bezeichnet die anderen Regionen als „modest, nonsignificant“, obwohl die gepoolte HR für die übrige Welt von 1,41 (1,08-1,86) signifikant war (interne Widersprüchlichkeit)
  • Tippfehler in einer Tabelle: Median der obersten Kategorie in Südasien als „379 (694-1,099)“ angegeben
  • Ägypten nicht enthalten; Subgruppe Naher Osten mit zu geringer Teststärke
  • Zur Finanzierung gehören Pharma-, Milch- und Zuckerorganisationen; ein Autor fördert gesündere Reissorten

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Gesamtbewertung unverändert. Vereinfachte Beurteilung durch eine einzelne Person auf Basis des Volltexts; eine formale ROBINS-E-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende und das Protokoll.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Confoundingeinige BedenkenBreite Adjustierung, u. a. für sozioökonomischen Status, BMI, andere Getreide und Studienzentrum; ein hoher Reisverzehr ist mit Region, Armut und dem gesamten Ernährungsmuster verflochten; Residual Confounding eingeräumt.
Messung der Expositioneinige BedenkenValidierte länderspezifische FFQ, aber nur eine Messung zu Studienbeginn, Standardportionsgrößen, keine Angabe der Reisart.
Auswahl der Teilnehmendeneinige BedenkenErfordert vollständige Ernährungsdaten und >=1 Nachbeobachtung; gemeindebasierte, aber nicht national repräsentative Stichproben.
Interventionen nach der Expositioneinige BedenkenVeränderungen von Ernährung und Lebensstil über 9,5 Jahre nicht erfasst.
Fehlende Dateneinige BedenkenDie Zahl der wegen fehlender Ernährungs-/Nachbeobachtungsdaten Ausgeschlossenen wird über den Ausschluss wegen Diabetes zu Studienbeginn hinaus nicht näher angegeben.
Messung des Endpunktseinige BedenkenÜberwiegend dokumentierte Diagnosen, aber keine systematischen Glukose-/HbA1c-Tests bei der Nachbeobachtung; je nach Region unterschiedliche Entdeckungsraten möglich.
Auswahl des berichteten ErgebnissesniedrigAlle Kategorien, minimal und vollständig adjustierte Modelle sowie Regionen berichtet, einschließlich der Nullergebnisse für China.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: HRs aller Kategorien (nicht monoton), Länderliste (Ägypten fehlt), Endpunktdefinition, rohe kumulative Inzidenz nach Kategorie (4,1 % vs. 5,5 %), Finanzierung (Pharma, Milchwirtschaft, Zuckerverband; ein Autor fördert gesünderen Reis), fehlende Daten zur Reisart, interne Widersprüchlichkeit im Abstract. Bias-Gesamtbewertung unverändert mit vollständigen ROBINS-E-Domänen.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Die HR von 1,20 für >=450 vs. <150 g/Tag ist ein mäßiger relativer Zusammenhang; die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist nicht monoton (300-<450 g/Tag HR 1,25). Die regionalen Schätzungen sind unpräzise; die Ergebnisse speziell für den Nahen Osten sind nicht signifikant. Rohe 9,5-Jahres-Inzidenz insgesamt 4,1 % vs. 5,5 %.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Widerspricht unbegrenztem Reis (C-GRN-05).

11. Unabhängige Gegenbefunde

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Mittel.

13. Methodisches Gesamturteil

Starke, große multinationale Kohorte; stützt einen mäßigen Zusammenhang zwischen sehr hohem Verzehr von weißem Reis (>3 Tassen gekocht/Tag) und neu auftretendem Diabetes, vor allem in Südasien; schwach oder nicht vorhanden in China; keine Angaben zur Reisart.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitäthoch
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeitmoderat
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Wirkung bei typischen ägyptischen Verzehrmengen und mit ägyptischen Reissorten; Parboiled- vs. unbehandelter vs. Basmatireis; ob der Ersatz von Reis durch andere Grundnahrungsmittel das Risiko verändert.

15. Verknüpfte Faktenchecks