Metaanalyseunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-INTA-01 Tiefenprüfung

Verursacht Tee Sodbrennen?

Association between tea consumption and gastroesophageal reflux disease: A meta-analysis.

Kurzüberblick

Cao H et al.. Medicine 2019 · PMID 30681584 · DOI 10.1097/MD.0000000000014173

Über 30 Studien hinweg hatten Teetrinkende insgesamt nicht signifikant häufiger eine Refluxkrankheit (OR 1,12; 0,98–1,27).

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: niedrig

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Zusammenhang zwischen Tee und Refluxkrankheit

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Metaanalyse von Beobachtungsstudien

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

30 Studien aus 23 Artikeln

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Kein signifikanter Gesamtzusammenhang; höhere Odds in Ostasien, niedrigere im Nahen Osten; Kohortenstudien ohne Zusammenhang

Wie groß war der beobachtete Effekt?

OR 1,12 (0,98–1,27)

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Tee ist keine nachgewiesene allgemeine Ursache von Reflux

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Überwiegend Querschnittsstudien, überwiegend nicht adjustiert; hohe Heterogenität; kein Protokoll; Widersprüche in der Berichterstattung

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht „Tee bedeutet Reflux“ als allgemeiner Regel

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Mittel

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Ob Tee bei einer bestimmten Person Beschwerden auslöst

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Cao H et al.
Fachzeitschrift
Medicine
Jahr
2019
Identifikator
PMID 30681584 DOI 10.1097/MD.0000000000014173
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen

Korrektur (Erratum) veröffentlicht (PMID 30855514); Inhalt des Erratums nicht gelesen.

Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Die Autorinnen und Autoren erklären, keine konkurrierenden Interessen zu haben; keine Angabe zur Finanzierung im Volltext.

2. Forschungsfrage

Ist Teekonsum mit der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) verbunden?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Metaanalyse – Systematischer Review und Metaanalyse von Beobachtungsstudien
Population

Teilnehmende von 23 Beobachtungsstudien (30 Schätzungen), veröffentlicht 2004-2017: 17 Schätzungen aus Ostasien, 5 aus Europa, 5 aus dem Nahen Osten, 2 aus Nordamerika, 1 aus Südasien

Land

Multinational (Ostasien, Europa, Naher Osten, Nordamerika, Südasien)

Zeitraum

PubMed und Embase laut Methodenteil bis 20. Dezember 2017 durchsucht (im Abstract März 2018 angegeben)

Stichprobengröße

23 Artikel, 30 Schätzungen (18 Querschnitts-, 9 Fall-Kontroll-, 3 Kohortenstudien)

Ein- und Ausschlusskriterien

Eingeschlossen: Fall-Kontroll-, Kohorten- oder Querschnittsstudien mit OR/RR und 95-%-KI (höchste vs. niedrigste Teeaufnahme) für GERD, NERD, Reflux-/erosive Ösophagitis oder Barrett-Ösophagus, mit einem Newcastle-Ottawa-Wert >=6. Ausgeschlossen: Reviews, Fallberichte, Duplikate, unzureichende Daten und kein reiner Tee (Tee mit Salz oder Milch, Tee kombiniert mit Kaffee). 7365 Datensätze, 98 Volltexte, 23 eingeschlossen.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Teetrinken (höchste vs. niedrigste Kategorie; Menge, Teesorte, Stärke und Temperatur uneinheitlich)

Vergleichsgruppe

Kein oder geringer Teekonsum

Endpunkte

GERD und verwandte Diagnosen (symptombasiert in 13 Schätzungen, per Endoskopie in 17)

Statistische Methoden

Gepoolte ORs; Random Effects bei I2 >50 %, sonst Fixed Effects; Q und I2; Metaregression und Subgruppen (Region, Design, Expositionserhebung, Diagnose, Beschwerden); Egger- und Begg-Tests; Leave-one-out-Sensitivitätsanalyse.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Gesamt-OR 1,12 (0,98-1,27), I2 79,3 %. Ostasien OR 1,27 (1,07-1,51); Naher Osten OR 0,78 (0,63-0,93) im Ergebnisteil (Abstract: „Middle Asia“ 0,77, 0,63-0,95). Querschnittsstudien OR 1,18 (1,02-1,36); Fall-Kontroll-Studien 1,04 (0,74-1,46); Kohortenstudien 1,02 (0,82-1,27). Erhebung per Interview 1,29 (1,02-1,62); per Fragebogen 1,07 (0,91-1,24). Nur symptombasierte Diagnose 1,02 (0,87-1,20); Endoskopie 1,19 (0,99-1,43). Subgruppe ohne Beschwerden OR 1,47 (1,11-1,93) (Abstract). Region und Beschwerden erklärten etwa 25 % bzw. 15 % der Heterogenität. Egger P=0,674; Leave-one-out stabil.

Absolute Risiken

im Volltext nicht berichtet

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Kein signifikanter Gesamtzusammenhang zwischen Teekonsum und GERD; Tee könnte das Risiko in Ostasien erhöhen und im Nahen Osten („Middle Asia“) senken; bei manchen Menschen mit GERD kann eine Begrenzung des Teekonsums erwogen werden; besser angelegte (prospektive) Studien sind nötig.

6. Stärken

  • Erste Metaanalyse zu Tee und GERD; zwei Datenbanken
  • Doppelte Datenextraktion; Qualitätsschwelle (NOS >=6)
  • Subgruppen- und Metaregressionsanalysen; Analysen zu Publikationsbias und Sensitivität

7. Schwächen

  • Überwiegend Daten aus Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien; nur 3 Kohortenschätzungen (alle ohne Zusammenhang)
  • Die Mehrheit der eingeschlossenen Studien adjustierte nicht für Störfaktoren (Angabe der Autorinnen und Autoren)
  • Hohe Heterogenität (I2 79,3 %); Modellwahl anhand von I2
  • Uneinheitliche Definitionen der Exposition (Menge, Teesorte, Stärke, Temperatur)
  • Mehrere Schätzungen aus denselben Artikeln als separate Studien behandelt
  • Interne Widersprüche (Suchdatum; Zahlen für „Middle Asia“ vs. Naher Osten); kein Protokoll, keine Liste ausgeschlossener Studien, keine Angabe zur Finanzierung
  • Mehrere Subgruppentests ohne Korrektur

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
AMSTAR 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
hoch
Begründung

Strenges AMSTAR 2: kritisch niedriges Vertrauen (kritische Items 2 und 7 nicht erfüllt, andere teilweise), und die Primärstudien sind größtenteils Querschnittsstudien und nicht adjustiert. Das insgesamt fehlende Ergebnis ist dennoch über die Designs hinweg konsistent (Kohorten ohne Zusammenhang). Vereinfachte Beurteilung durch eine einzelne Person auf Basis des Volltexts; eine formale AMSTAR-2-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Item 1 PICOniedrigExposition und Endpunkte definiert.
Item 2 (kritisch) ProtokollhochKein Protokoll und keine Registrierung berichtet.
Item 4 (kritisch) umfassende Literatursucheeinige BedenkenNur PubMed und Embase; keine graue Literatur und keine Durchsicht von Literaturverzeichnissen beschrieben; widersprüchliche Suchdaten.
Items 5-6 doppelte Auswahl und DatenextraktionniedrigZwei unabhängige Autorinnen bzw. Autoren.
Item 7 (kritisch) ausgeschlossene StudienhochNur ein Flussdiagramm; keine Liste der ausgeschlossenen Volltexte.
Item 9 (kritisch) Biasrisiko der einzelnen Studieneinige BedenkenNewcastle-Ottawa-Skala als Einschlussschwelle verwendet; kein Biasrisiko auf Domänenebene berichtet.
Item 10 Finanzierung der eingeschlossenen StudienhochNicht berichtet.
Item 11 (kritisch) metaanalytische Methodeneinige BedenkenPoolung überwiegend nicht adjustierter, heterogener Schätzungen; Wahl zwischen Fixed und Random Effects anhand von I2; mehrere Schätzungen pro Artikel.
Item 13 (kritisch) Biasrisiko bei der Interpretationeinige BedenkenEinschränkungen diskutiert, aber Subgruppenbefunde als mögliche Effekte dargestellt.
Item 14 HeterogenitätniedrigPer Metaregression und Subgruppen untersucht.
Item 15 (kritisch) PublikationsbiasniedrigEgger- und Begg-Tests berichtet.
Item 16 Interessenkonflikte des Reviewseinige BedenkenKeine konkurrierenden Interessen erklärt; Finanzierung nicht berichtet.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Studienanzahlen nach Design/Region, Einschlusskriterien (NOS >=6; kein reiner Tee ausgeschlossen), I2 79,3 %, Subgruppen nach Design/Exposition/Diagnose (Kohorten-OR 1,02), Egger P=0,674, Widersprüche in der Berichterstattung (Suchdatum; „Middle Asia“ vs. Naher Osten), Hinweis, dass die meisten Primärstudien nicht adjustiert waren. AMSTAR 2 itemweise: Bias-Gesamtbewertung von some_concerns auf high angehoben (kritisch niedriges Vertrauen); methodische Qualität auf niedrig herabgestuft.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Das Gesamt-KI schließt keinen Effekt ein; die regionalen Subgruppen weisen in entgegengesetzte Richtungen (Ostasien höhere, Naher Osten niedrigere Odds); die einzigen prospektiven Schätzungen (Kohorten) zeigen keinen Zusammenhang (1,02, 0,82-1,27). Die Subgruppenergebnisse sind explorativ und dem Problem des multiplen Testens unterworfen.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Prüft die Behauptung, dass Tee sauren Reflux verursacht.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Zusammenhänge in regionalen Untergruppen in Ostasien.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Mäßig; 5 europäische und 5 Schätzungen aus dem Nahen Osten eingeschlossen (die Subgruppe Naher Osten zeigte niedrigere Odds); keine ägyptischen Daten berichtet.

13. Methodisches Gesamturteil

Evidenz geringer Sicherheit; kein konsistenter Zusammenhang zwischen Tee und GERD auf Bevölkerungsebene. Stützt „Tee verursacht Reflux“ nicht als allgemeine Regel; individuelle Auslöser von Beschwerden bleiben möglich.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätniedrig
Biasrisikohoch
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzinkonsistent
Regionale Übertragbarkeitmoderat
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Einfluss von Stärke, Temperatur und Menge des Tees; ägyptische Trinkgewohnheiten.

15. Verknüpfte Faktenchecks