Metaanalyseunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-INTA-02 Tiefenprüfung

Leben Teetrinkende kürzer oder länger?

Tea consumption and risk of all-cause, cardiovascular disease, and cancer mortality: a meta-analysis of thirty-eight prospective cohort data sets.

Kurzüberblick

Kim Y et al.. Epidemiology and health 2024 · PMID 38938012 · DOI 10.4178/epih.e2024056

Bei fast 2 Millionen Menschen hatten Teetrinkende etwa 10 % niedrigere Sterberaten als Menschen, die keinen Tee tranken.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Tee und Sterberisiko

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Metaanalyse von 38 Kohortendatensätzen

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

1.956.549 Teilnehmende

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Niedrigere Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit mit Tee

Wie groß war der beobachtete Effekt?

Gesamtsterblichkeit 0,90 (0,86–0,95); Herz-Kreislauf 0,86 (0,79–0,94)

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Üblicher Teekonsum ist nicht mit Schaden verbunden

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Beobachtend; hohe Heterogenität; Nutzen vor allem in asiatischen Studien sichtbar, nicht in europäischen

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht „zweitgefährlichstes Getränk“

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Mäßig (kein Zusammenhang in europäischen Kohorten, aber auch kein Schaden)

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Dass Tee selbst das niedrigere Risiko bewirkt

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Kim Y et al.
Fachzeitschrift
Epidemiology and health
Jahr
2024
Identifikator
PMID 38938012 DOI 10.4178/epih.e2024056
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

National Research Foundation of Korea (NRF-2021R1F1A1050847); die Geldgeber hatten keinen Einfluss; die Autorinnen und Autoren erklären, keine Interessenkonflikte zu haben.

2. Forschungsfrage

Zusammenhang zwischen Teekonsum und Gesamt-, Herz-Kreislauf- und Krebssterblichkeit

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Metaanalyse – Systematischer Review und Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien
Population

Erwachsene Allgemeinbevölkerung in prospektiven Kohorten (Studien, die auf Personen mit einer bestimmten Erkrankung beschränkt waren, ausgeschlossen); Kohorten aus Asien, Europa, USA und Ozeanien; mittlere Nachbeobachtung 12,3 Jahre (5-23 Jahre)

Land

Asien (u. a. Japan, China, Korea, Singapur), Europa (Vereinigtes Königreich, Niederlande, Finnland, Schottland), USA, Australien; keine Kohorten aus dem Nahen Osten oder Afrika

Zeitraum

PubMed, Web of Science, Scopus durchsucht bis April 2024 (nur Englisch); PROSPERO CRD42023400484

Stichprobengröße

38 Kohortendatensätze (27 Artikel), 1.956.549 Teilnehmende; 218.948 Todesfälle insgesamt, 53.234 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 56.049 durch Krebs

Ein- und Ausschlusskriterien

Prospektives Beobachtungsdesign; Exposition Tee; Gesamtsterblichkeit, Herz-Kreislauf- oder Krebssterblichkeit; RR/HR mit 95-%-KI je Aufnahmegruppe; je Kohorte der umfassendste/größte Bericht; reine Patientenkohorten ausgeschlossen; englischsprachige Publikationen.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Teekonsum (höchster vs. niedrigster; Dosis-Wirkungs-Beziehung)

Vergleichsgruppe

Niedrigster oder kein Teekonsum

Endpunkte

Gesamt-, Herz-Kreislauf- und Krebssterblichkeit

Statistische Methoden

Random Effects nach DerSimonian-Laird (höchste vs. niedrigste Kategorie); Q und I2; Subgruppen nach Geschlecht, Region, Nachbeobachtung, Stichprobengröße; Leave-one-out; Begg- und Egger-Tests; lineare Dosis-Wirkung und Restricted Cubic Spline (4 Knoten), 1 Tasse = 150 mL; Qualität nach Newcastle-Ottawa (alle Studien 7-9).

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Höchste vs. niedrigste Kategorie: Gesamtsterblichkeit 0,90 (0,86-0,95; I2 81,6 %; 33 Datensätze); Herz-Kreislauf-Sterblichkeit 0,86 (0,79-0,94; I2 74,6 %; 31 Datensätze); Krebssterblichkeit 0,90 (0,78-1,03; I2 78,8 %; 22 Datensätze). Gesamtsterblichkeit nach Region: Asien 0,84 (0,77-0,91); Europa 1,12 (0,88-1,42), P für Unterschied 0,05. Nichtlineare Dosis-Wirkung: größte Senkung der Gesamtsterblichkeit bei 2,0 Tassen/Tag (0,91, 0,88-0,94), der Krebssterblichkeit bei 1,5 Tassen/Tag (0,92, 0,89-0,96); Herz-Kreislauf-Sterblichkeit mit Plateau bei 1,5-3,0 Tassen/Tag mit einem um 27 % niedrigeren ES bis zu 8,0 Tassen/Tag. Kein Publikationsbias (Gesamtsterblichkeit Begg P=0,97, Egger P=0,75).

Absolute Risiken

im Volltext nicht berichtet

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Mäßiger täglicher Teekonsum (1,5-2,0 Tassen/Tag) war in der Allgemeinbevölkerung mit einem geringeren Risiko für Sterblichkeit aus allen Ursachen, durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und durch Krebs verbunden; gut angelegte Kohorten, die Teesorten analysieren, sind nötig.

6. Stärken

  • Vorab registriert (PROSPERO); drei Datenbanken sowie Literaturverzeichnisse
  • Große Zahl prospektiver Kohorten und Teilnehmender, u. a. UK Biobank und Asia Cohort Consortium
  • Dosis-Wirkungs-Modellierung; Leave-one-out stabil; kein Publikationsbias festgestellt

7. Schwächen

  • Beobachtungskohorten: Residual Confounding und Healthy-User-Effekte; die Adjustierungen unterscheiden sich
  • Hohe Heterogenität (I2 75-82 %)
  • Nur englischsprachige Suche; Auswahl nicht ausdrücklich doppelt (Extraktion schon); keine Liste ausgeschlossener Studien im Haupttext
  • Teesorte, Stärke, Zusätze (Milch, Zucker) und Tassengröße meist nicht angegeben
  • Kein Zusammenhang in europäischen Kohorten (Gesamtsterblichkeit ES 1,12, 0,88-1,42); keine Daten aus dem Nahen Osten/Afrika
  • Nur Newcastle-Ottawa (kein domänenbasiertes Instrument zum Biasrisiko); Finanzierung der eingeschlossenen Studien nicht berichtet

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
AMSTAR 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Gesamtbewertung unverändert (nach AMSTAR 2 etwa niedriges bis mäßiges Vertrauen; mehrere kritische Items nur teilweise erfüllt). Die Haupteinschränkung ist Residual Confounding in Beobachtungskohorten. Vereinfachte Beurteilung durch eine einzelne Person auf Basis des Volltexts; eine formale AMSTAR-2-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Item 1 PICOniedrigKlar definiert.
Item 2 (kritisch) ProtokollniedrigBei PROSPERO registriert (CRD42023400484).
Item 4 (kritisch) umfassende Literatursucheeinige BedenkenDrei Datenbanken sowie Literaturverzeichnisse; auf Englisch beschränkt; keine graue Literatur.
Items 5-6 doppelte Auswahl und Datenextraktioneinige BedenkenExtraktion doppelt; doppeltes Screening nicht beschrieben.
Item 7 (kritisch) ausgeschlossene Studieneinige BedenkenNur Flussdiagramm im Haupttext; keine Liste der ausgeschlossenen Volltexte ersichtlich.
Item 9 (kritisch) Biasrisiko der einzelnen Studieneinige BedenkenNewcastle-Ottawa-Skala (alle 7-9); Confounding nicht domänenweise bewertet.
Item 10 Finanzierung der eingeschlossenen StudienhochNicht berichtet.
Item 11 (kritisch) metaanalytische MethodenniedrigRandom Effects, angemessene Methoden für Dosis-Wirkungs-Analysen.
Item 13 (kritisch) Biasrisiko bei der Interpretationeinige BedenkenEinschränkungen aufgeführt, aber die Schlussfolgerung ist als Empfehlung von Verzehrmengen auf Basis von Beobachtungsdaten formuliert.
Item 14 Heterogenitäteinige BedenkenSubgruppen untersucht; hohe verbleibende Heterogenität ungeklärt.
Item 15 (kritisch) PublikationsbiasniedrigBegg-, Egger-Test und Funnel-Plots.
Item 16 Interessenkonflikte des ReviewsniedrigFinanzierung und Interessenkonflikte erklärt.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Zahl der Todesfälle, I2-Werte, regionale Subgruppen (Europa Gesamtsterblichkeit ES 1,12, 0,88-1,42 vs. Asien 0,84), PROSPERO-Registrierung, nur englischsprachige Suche, NOS-Werte, Finanzierung (NRF Korea). Bias-Gesamtbewertung unverändert mit itemweiser AMSTAR-2-Bewertung; Konsistenz auf gemischt geändert; Übertragbarkeit auf die EU präzisiert.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Etwa 10 % niedrigere Gesamtsterblichkeit und 14 % niedrigere Herz-Kreislauf-Sterblichkeit bei den Personen mit dem höchsten vs. niedrigsten Teekonsum (relativ, beobachtend); das KI für die Krebssterblichkeit schließt 1 ein. Der Zusammenhang wird von asiatischen Kohorten getragen; europäische Kohorten ohne Zusammenhang.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Prüft, ob Tee ein „gefährliches“ Getränk ist.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Beobachtungsdesign; Residual Confounding (verbleibende Störfaktoren) möglich.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Mäßig: Europäische Kohorten zeigten keinen signifikanten Zusammenhang (Gesamtsterblichkeit ES 1,12, 0,88-1,42); der inverse Zusammenhang stammt also hauptsächlich aus asiatischen Populationen (überwiegend grüner Tee); keine Kohorten aus dem Nahen Osten oder Ägypten.

13. Methodisches Gesamturteil

Konsistente Beobachtungsevidenz, dass regelmäßiges Teetrinken nicht mit einer höheren Sterblichkeit verbunden ist und, vor allem in asiatischen Kohorten, mit einer niedrigeren; Kausalität nicht belegt.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissehoch
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeitmoderat
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Kausalität; Wirkungen von sehr starkem oder sehr heißem Tee; dem Tee zugesetzter Zucker.

15. Verknüpfte Faktenchecks