Kohortenstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft A-ORG-05 Tiefenprüfung

Blinddarmentfernung und Darmkrebs

Risk of Gastrointestinal Cancers among Patients with Appendectomy: A Large-Scale Swedish Register-Based Cohort Study during 1970-2009.

Kurzüberblick

Song H et al.. PLoS One 2016 · PMID 26959234 · DOI 10.1371/journal.pone.0151262

Kein erhöhtes Risiko für Magen-, Dickdarm- oder Rektumkrebs nach Blinddarmentfernung.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Krebsrisiko

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Register

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

480.382

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Kein erhöhtes Risiko

Wie groß war der beobachtete Effekt?

SIR EAC 1,32

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Die Appendektomie erhöhte die meisten GI-Krebsarten nicht

Welche Einschränkungen hat die Studie?

SIR-Design

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht der Zusammenfassung des Archivs

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Europäisch

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kleine Risiken

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Song H, Abnet CC, Andrén-Sandberg Å, Chaturvedi AK, Ye W
Fachzeitschrift
PLoS One
Jahr
2016
Identifikator
PMID 26959234 DOI 10.1371/journal.pone.0151262 · PMC4784880
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Die Autorinnen und Autoren erklären keine konkurrierenden Interessen. Keine Angabe zur Finanzierung in der Volltextdatei.

2. Forschungsfrage

GI-Krebsrisiko nach Appendektomie

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Landesweite registerbasierte Kohorte (schwedisches Nationales Patientenregister verknüpft mit Krebs-, Todes- und Auswanderungsregister) mit standardisierten Inzidenzraten (SIR) im Vergleich zur schwedischen Allgemeinbevölkerung; zusätzlich Analyse der Inzidenztrends 1987–2009
Population

Alle vor 2003 geborenen Patientinnen und Patienten mit Appendektomie in Schweden 1970–2009 (mittleres Alter 32,5 Jahre; 54,7 % Frauen); 327.496 Appendizitis, 152.886 andere Diagnosen (negative oder beiläufige Appendektomie)

Land

Schweden

Zeitraum

1970-2009

Stichprobengröße

501.160 identifiziert; 480.382 geeignet nach Ausschluss von 20.778 mit widersprüchlichen Daten; 269.185 für die Inzidenztrends 1987–2009

Ein- und Ausschlusskriterien

Appendektomie-Codes 1970–2009; ausgeschlossen wurden widersprüchliche Datensätze und, je Teilkohorte, eine frühere Diagnose der jeweiligen Krebsart; erstes Jahr der Nachbeobachtung ausgeschlossen (umgekehrte Kausalität/Entdeckung)

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Appendektomie

Vergleichsgruppe

Allgemeinbevölkerung

Endpunkte

Speiseröhrenkrebs (Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom), Magenkrebs (Kardia, Nicht-Kardia), Dickdarmkrebs (rechts, links) und Rektumkrebs; Inzidenz der Appendektomie

Statistische Methoden

SIRs (beobachtet/erwartet, standardisiert nach Alter, Geschlecht, Kalenderzeitraum) mit Poisson-95-%-KIs; Stratifizierung nach Diagnose, Geschlecht, Alter, Nachbeobachtungsdauer; Poisson-Trendtests; Sensitivitätsanalyse beschränkt auf 1987–2009; SIRs für Lungen- und Leberkrebs als Stellvertreter für Confounding durch Rauchen/Alkohol

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Mittlere Nachbeobachtung 18,6 Jahre. Die Inzidenz der Appendektomie sank von 189,3 auf 105,6 pro 100.000 (jährlicher Rückgang 2,5 %, 95-%-KI 2,0–3,0 %); im Alter von 0–19 Jahren von 236,2 auf 96,4 pro 100.000; negative Appendektomien sanken bis 2009 auf 5 pro 100.000; Perforationsanteil konstant (18–23 %). SIRs (erstes Jahr ausgeschlossen): Adenokarzinom der Speiseröhre 1,32 (1,09–1,58; 118 Fälle), Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre 0,79 (0,65–0,95), Magen 1,00 (0,93–1,07), Dickdarm 1,03 (0,99–1,07), Rektum 0,98 (0,93–1,04). Nach Zeit seit der Operation: Kardiakarzinom 1,63 (1,12–2,31) nur nach 1–4 Jahren; rechter Dickdarm 1,15 (1,05–1,26) nach 5–14 Jahren; Adenokarzinom der Speiseröhre 1,50 (1,06–2,07) nach >=25 Jahren. Stellvertreter-Krebsarten: Lunge 1,03 (0,98–1,09), Leber 0,84 (0,70–0,98).

Absolute Risiken

Nur beobachtete Fallzahlen (z. B. 118 Adenokarzinome der Speiseröhre, 2473 Dickdarmkrebsfälle, 1280 Rektumkarzinome); keine absoluten Risikodifferenzen berichtet.

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Die Inzidenz der Appendektomie in Schweden sank 1987–2009; kein erhöhtes Risiko für Magen-, Dickdarm- oder Rektumkrebs; mögliche Veränderung der Speiseröhrenkrebsrisiken (wahrscheinlich durch Confounding, z. B. durch Adipositas).

6. Stärken

  • Landesweite, sehr große Kohorte mit langer Nachbeobachtung (im Mittel 18,6 Jahre)
  • Vollständige Krebs- und Zensierungsregister
  • Einjährige Verzögerung zur Begrenzung umgekehrter Kausalität
  • Analyse von Stellvertreter-Krebsarten für Confounding durch Rauchen/Alkohol
  • Sensitivitätsanalyse für den vollständig landesweiten Zeitraum

7. Schwächen

  • SIR-Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung; keine Adjustierung für BMI, Rauchen, Ernährung, sozioökonomischen Status (Autorinnen und Autoren)
  • Überwachungs-/Entdeckungsbias (Autorinnen und Autoren; z. B. früher Überschuss an Kardiakarzinomen)
  • Abdeckung des Patientenregisters vor 1987 unvollständig
  • Viele stratifizierte Tests ohne Korrektur für multiples Testen
  • Keine Schätzungen des absoluten Risikos

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
hoch
Begründung

Herabgestuft von some_concerns: Das SIR-Design kann Störfaktoren des Lebensstils nicht kontrollieren, daher sind die kleinen positiven/negativen Signale (Speiseröhrenkrebs) nicht ursächlich interpretierbar. Die hauptsächlichen Nullbefunde für Magen- und Darmkrebs dürften durch ein solches Confounding kaum umgekehrt werden. Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; eine formale Bewertung würde zwei unabhängige Begutachtende und ein Protokoll erfordern.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
ConfoundinghochNur Alter, Geschlecht und Kalenderzeitraum standardisiert; keine Daten zu Adipositas, Rauchen, Alkohol, sozioökonomischem Status; die Autorinnen und Autoren führen die Speiseröhrensignale auf wahrscheinliches Confounding zurück.
Messung der ExpositionniedrigOperationscodes aus dem nationalen Register.
Auswahl der Teilnehmendeneinige BedenkenRegisterabdeckung vor 1987 <100 %; 20.778 Datensätze wegen widersprüchlicher Daten ausgeschlossen.
Interventionen nach der Expositionnicht anwendbarFür diese Fragestellung nicht relevant.
Fehlende DatenniedrigVollständige Nachbeobachtung über Register.
Messung des EndpunktsniedrigVollständigkeit des Krebsregisters 98 %; Überwachungsbias kurz nach der Operation möglich.
Auswahl des berichteten Ergebnisseseinige BedenkenMehrere Strata und Subtypen ohne Korrektur berichtet; vereinzelte signifikante SIRs.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Herleitung der Kohorte, Nachbeobachtung (18,6 J.), alle SIRs einschließlich Subtypen und Zeitstrata, Inzidenztrends nach Alter und Diagnose, Analyse von Stellvertreter-Krebsarten, Interessenkonflikte; Bias auf hoch herabgestuft (keine Adjustierung für Störfaktoren im SIR-Design).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Präzise Null-SIRs für Magen-, Dickdarm- und Rektumkrebs; der Überschuss an Adenokarzinomen der Speiseröhre (SIR 1,32) zeigt keinen Zeit-Wirkungs-Trend und ist plausibel durch Adipositas verzerrt; die entgegengesetzte Richtung beim Plattenepithelkarzinom spricht eher für Zufall/Confounding als für einen ursächlichen Effekt.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Widerspricht C-ORG-16 in Bezug auf die Appendektomie.

11. Unabhängige Gegenbefunde

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Europäisch.

13. Methodisches Gesamturteil

Beruhigender Nullbefund für Magen- und Darmkrebs nach Appendektomie, vom Archiv selbst zitiert; dokumentiert zudem einen starken Rückgang der Appendektomien und der negativen Appendektomien in Schweden.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikohoch
Präzision der Ergebnissehoch
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitunbekannt
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Absolute Risiken; für Störfaktoren adjustierte Vergleiche (Geschwister- oder gematchte Designs); Auswirkung auf mikrobiombezogene Endpunkte.

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

Nur im Literaturverzeichnis des Archivs aufgeführt; das Archiv gibt keine spezifische Interpretation.

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

GI-Krebs nach Appendektomie

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

Kein erhöhtes Risiko außer grenzwertigem EAC

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Kein erhöhtes Risiko

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

Im Text nicht verwendet.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Diese vom Archiv zitierte Studie widerspricht weitgehend dem in der Zusammenfassung hergestellten Zusammenhang zwischen Organentfernung und GI-Krebs (für die Appendektomie).

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
nicht anwendbar