Labor-/Zellstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft★ wichtige Studie A-PPI-18 Tiefenprüfung

Ranitidin und NDMA im Labor

Analysis of Ranitidine-Associated N-Nitrosodimethylamine Production Under Simulated Physiologic Conditions.

Kurzüberblick

Braunstein LZ et al.. JAMA Netw Open 2021 · PMID 33512515 · DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.34766

In simulierter Magenflüssigkeit mit sehr viel Nitrit erzeugte eine Tablette bis zu 320.000 ng NDMA.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: niedrig

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Bedingungen der NDMA-Bildung.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Laborexperiment.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

Tabletten in simulierter Magenflüssigkeit.

Was wurde tatsächlich festgestellt?

NDMA stieg mit Nitrit und Säuregrad an.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

947–320.000 ng (150 mg).

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Chemisch möglich, Bedeutung für Menschen unklar.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

In vitro; extremes Nitrit; Interessenkonflikt.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt den Rückruf, nicht die Werte im Körper.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Medikament in der EU nicht im Handel.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

NDMA-Werte im menschlichen Magen.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Braunstein LZ, Kantor ED, O'Connell K, Hudspeth AJ, Wu Q, Zenzola N, Light DY
Fachzeitschrift
JAMA Netw Open
Jahr
2021
Identifikator
PMID 33512515 DOI 10.1001/jamanetworkopen.2020.34766 · PMC7846938
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen

PubMed führt: ErratumIn (JAMA Netw Open. 2022 Mar 1;5(3):e227178. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.7178.)

Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

im Abstract nicht angegeben; Förderungen: NCI NIH HHS

2. Forschungsfrage

Unter welchen simulierten Magenbedingungen entsteht aus Ranitidin NDMA?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Labor-/Zellstudie – In-vitro-Laborstudie (Research Letter): NDMA-Bildung aus Ranitidin-Tabletten in simulierter Magenflüssigkeit
Population

Handelsübliche Ranitidin-Tabletten zu 150/300 mg

Land

USA

Zeitraum

Juni 2019–Aug. 2020

Stichprobengröße

Laborproben

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Variierender pH (1,2–5,5) bei 50 mmol/L Nitrit; variierendes Nitrit (1–50 mmol/L) bei pH 2,5; 2 h bei 37 °C

Vergleichsgruppe

Direkt verdünnte Tabletten (Kontrollen)

Endpunkte

NDMA-Menge mittels LC-HRMS (FDA-Methode)

Statistische Methoden

Deskriptiv

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Bei pH 2,5, 150-mg-Tablette: 947 ng NDMA bei 1 mmol/L Nitrit bis zu 320.000 ng bei 50 mmol/L; bei 50 mmol/L Nitrit: 198.000 ng bei pH 1,2 und 3.310 ng bei pH 5,5; 300-mg-Tablette unter „optimal reaktiven“ Bedingungen 612.000 ng (Volltext).

Absolute Risiken

nicht anwendbar (in vitro)

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Ranitidin könnte unter einer Reihe physiologisch relevanter Bedingungen eine bedeutende NDMA-Quelle sein; die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass einige Reaktionsbedingungen über das übliche Magenmilieu hinausgehen; die Daten stützen regulatorische Maßnahmen.

6. Stärken

  • Validierte FDA-Analysemethode
  • Dosis-Wirkungs-Beziehung mit Nitrit und pH

7. Schwächen

  • Nur in vitro
  • Sehr hohe Nitritkonzentrationen
  • Vier von sieben Autorinnen und Autoren mit Valisure LLC verbunden (dem Labor, das die Bürgerpetition eingereicht hat)
  • Korrektur (Erratum) wegen eines Abbildungsfehlers (2022)

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
none applicable
Art der Einschätzung
vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
nicht beurteilbar
Begründung

Laborstudie; die Übertragbarkeit auf die Exposition im Körper (in vivo) ist die zentrale Einschränkung; mögliches kommerzielles Interesse des Unternehmens der Mitautorinnen und Mitautoren.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Keine Messung der menschlichen Exposition; ein Nachweis unter extremen Bedingungen ≠ schädliche Exposition bei Patientinnen und Patienten.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

C-PPI-08.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Florian 2021, RCT (I-PPI-07).

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Ranitidin in der EU vom Markt genommen; heute kaum relevant.

13. Methodisches Gesamturteil

Laborbeleg für eine chemische Möglichkeit; kein Beleg für eine Exposition im menschlichen Magen.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätniedrig
Biasrisikonicht beurteilbar
Präzision der Ergebnissenicht anwendbar
Direkte Relevanzsehr indirekt
Reproduzierbarkeitnicht repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzinkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert

14. Offene Fragen

Langfristige Krebsepidemiologie bei Ranitidin-Anwendenden.

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

Unter simulierten physiologischen Magenbedingungen erzeugte eine einzige Ranitidin-Tablette bis zu 320.000 ng NDMA – weit über dem täglichen Aufnahmegrenzwert von 96 ng; dies stützte den weltweiten Rückruf.

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

NDMA-Bildung in simulierter Magenflüssigkeit.

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

Bis zu 320.000 ng bei 50 mmol/L Nitrit.

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Könnte eine bedeutende Quelle sein; stützt regulatorische Maßnahmen.

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

Als das dargestellt, was im Magen geschieht.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Teilweise: Die Zahl wird korrekt wiedergegeben, aber das Archiv lässt weg, dass sie bei der höchsten Nitritstufe auftritt, die nach Angaben der Autorinnen und Autoren die üblichen Magenbedingungen übersteigen kann, und dass eine RCT am Menschen keinen Anstieg der NDMA-Ausscheidung fand.

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert