Kohortenstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft★ wichtige Studie A-UPF-03 Tiefenprüfung

Hochverarbeitete Lebensmittel und Sterblichkeit bei spanischen Hochschulabsolventen

Association between consumption of ultra-processed foods and all cause mortality: SUN prospective cohort study.

Kurzüberblick

Rico-Campà A et al.. BMJ 2019 · PMID 31142450 · DOI 10.1136/bmj.l1949

Mehr als vier Portionen am Tag waren mit einem um 62 % höheren Sterberisiko verbunden.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Ja · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Ist der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel mit der Gesamtsterblichkeit verbunden?

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Prospektive Kohorte spanischer Hochschulabsolventinnen und -absolventen; FFQ alle 2 Jahre.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

19.899; 335 Todesfälle; Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Alter von 20–91

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Höchstes vs. niedrigstes Viertel HR 1,62 (1,13–2,33); P für Trend 0,005; pro zusätzlicher Portion HR 1,18 (1,05–1,33).

Wie groß war der beobachtete Effekt?

HR 1,62 (1,13–2,33)

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Zusammenhang mit Unsicherheit.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Nur 335 Todesfälle, daher ungenaue Schätzungen; der Ernährungsfragebogen war nicht für Verarbeitungsgrade konzipiert; wer am meisten UPF aß, rauchte auch mehr und hatte zu Studienbeginn mehr Erkrankungen; die Ergebnisse für Herz- und Krebstodesfälle waren nicht signifikant.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt C-UPF-03.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Hoch (Spanien).

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kausalität.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Rico-Campà A, Martínez-González MA, Alvarez-Alvarez I, Mendonça RD, de la Fuente-Arrillaga C, Gómez-Donoso C, Bes-Rastrollo M
Fachzeitschrift
BMJ
Jahr
2019
Identifikator
PMID 31142450 DOI 10.1136/bmj.l1949 · PMC6538973
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Finanziert vom Instituto de Salud Carlos III, dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE/FEDER), der Regionalregierung Navarras und der Universität Navarra; die Geldgeber hatten keine Rolle. ICMJE: keine konkurrierenden Interessen angegeben.

2. Forschungsfrage

Ist der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel mit der Gesamtsterblichkeit verbunden?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Prospektive dynamische Kohorte (SUN, spanische Hochschulabsolventinnen und -absolventen; registriert NCT02669602); validierter FFQ mit 136 Items zu Studienbeginn, nach NOVA klassifiziert (34 UPF-Items), Ernährung in einem Sensitivitätsmodell nach 10 Jahren aktualisiert.
Population

Spanische Hochschulabsolventinnen und -absolventen von 20–91 Jahren (mittleres Alter 37,6, SD 12,3); 12.113 Frauen, 7786 Männer; Teilnehmende mit bestehenden Erkrankungen wurden eingeschlossen und dafür adjustiert

Land

Spanien

Zeitraum

Rekrutierung Dezember 1999 bis März 2014; Nachbeobachtung bis Februar 2018 (Median 10,4 Jahre)

Stichprobengröße

19.899 (von 22.279 Rekrutierten; 2215 in der Nachbeobachtung verloren, 165 Ausreißer bei der Energie); 335 Todesfälle in 200.432 Personenjahren

Ein- und Ausschlusskriterien

Rekrutiert vor März 2014 (mindestens 2 Jahre Nachbeobachtung); ausgeschlossen wurden Energieaufnahmen unter dem 1. oder über dem 99. Perzentil und Personen mit Verlust in der Nachbeobachtung (Haltequote 90 %).

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Energieadjustierte Portionen hochverarbeiteter Lebensmittel (Viertel)

Vergleichsgruppe

Niedrigstes Viertel

Endpunkte

Gesamtsterblichkeit

Statistische Methoden

Cox-Modelle mit dem Alter als Zeitskala; energieadjustierte UPF-Portionen in Vierteln; multivariable Adjustierung (Geschlecht, Familienstand, Aktivität, Rauchen, Packungsjahre, Snacken, spezielle Diät, BMI, Energie, Alkohol, Bildung, familiäre Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs, Depression zu Studienbeginn), stratifiziert nach Rekrutierungszeitraum, Altersdezilen, Sitzindex und Fernsehkonsum; Propensity-Score- und Messwiederholungsmodelle; E-Wert; Splines; Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen; Simes-Korrektur.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Gesamtsterblichkeit, höchstes (>4 Portionen/Tag) gegenüber niedrigstem (<2/Tag) Viertel: HR 1,62 (1,13–2,33), P-Trend 0,005; pro zusätzlicher Portion HR 1,18 (1,05–1,33). Propensity-Score-Modell 1,89 (1,34–2,67); wiederholte Ernährungserhebungen 1,44 (1,01–2,05). Kardiovaskuläre Todesfälle (n=71): HR 2,16 (0,92–5,06), nicht signifikant. Krebstodesfälle (n=164): HR 1,22 (0,70–2,12), nicht signifikant. E-Wert 2,62 für die Punktschätzung, 1,51 für die untere KI-Grenze. Der Zusammenhang wurde nicht signifikant, wenn Bluthochdruck oder Depression zu Studienbeginn ausgeschlossen wurden; keine Abschwächung durch Adjustierung für gesättigte/Trans-Fettsäuren, zugesetzten Zucker oder Natrium.

Absolute Risiken

335 Todesfälle in 200.432 Personenjahren. Todesfälle nach Viertel (niedrigstes bis höchstes): 108/49.814, 74/50.322, 80/49.971, 73/50.323 Personenjahre; die rohen Raten sind im obersten Viertel nicht höher (jüngere Teilnehmende), daher hängt die HR von der Altersadjustierung ab. Absolute Risikodifferenzen nicht berichtet.

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Ein höherer Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (>4 Portionen täglich) war unabhängig mit einem relativ um 62 % erhöhten Hazard für die Gesamtsterblichkeit verbunden; jede zusätzliche Portion mit einem um 18 % höheren Hazard. Eine Eindämmung des UPF-Konsums sollte in der Gesundheitspolitik erwogen werden.

6. Stärken

  • Prospektives Design; 90 % Haltequote; mediane Nachbeobachtung von 10,4 Jahren
  • Validierter FFQ (aber nicht für NOVA konzipiert)
  • Breite Adjustierung für Störfaktoren; Propensity Score, E-Wert, Messwiederholungen und viele Sensitivitätsanalysen
  • Ein einheitliches Bildungsniveau begrenzt sozioökonomisches Confounding
  • Öffentliche Finanzierung; keine Interessenkonflikte

7. Schwächen

  • Wenige Todesfälle (335), daher ungenaue Schätzungen; ursachenspezifische Analysen mit zu geringer Power und nicht signifikant
  • FFQ nicht für NOVA konzipiert; einige UPF-Items fehlen; Portionszählungen können fehlklassifizieren
  • Die Gruppe mit hohem UPF-Konsum war jünger, rauchte mehr, snackte mehr, war bewegungsärmer und hatte zu Studienbeginn häufiger Bluthochdruck, Depression und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Residual Confounding plausibel
  • Teilnehmende mit bestehenden Erkrankungen wurden eingeschlossen (adjustiert), daher ist umgekehrte Kausalität möglich; der Zusammenhang verlor die Signifikanz beim Ausschluss von Bluthochdruck oder Depression zu Studienbeginn
  • Nicht repräsentative Kohorte von Hochschulabsolventinnen und -absolventen
  • Im Hauptmodell nur die Ernährung zu Studienbeginn

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; eine vollständige formale ROBINS-E-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende und ein Protokoll.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Confoundingeinige BedenkenViele Störfaktoren und Propensity Score; starke Bündelung des Lebensstils mit UPF; E-Wert 2,62.
Messung der Expositioneinige BedenkenValidierter FFQ, der nicht für NOVA konzipiert war; Portionen als Maßeinheit; Fehlklassifikation wahrscheinlich nicht differenziell.
Auswahl der Teilnehmendeneinige BedenkenBestehende Erkrankungen eingeschlossen; 10 % mit Verlust in der Nachbeobachtung ausgeschlossen.
Interventionen nach der Expositioneinige BedenkenErnährungsänderungen im Zeitverlauf; ein Modell mit Messwiederholungen schwächte die HR auf 1,44 ab.
Fehlende DatenniedrigWenig fehlende Kovariatendaten; multiple Imputation ergab unveränderte Ergebnisse.
Messung des EndpunktsniedrigGesamtsterblichkeit über Angehörige und den National Death Index bestätigt.
Auswahl des berichteten ErgebnissesniedrigRegistrierte Kohorte; ursachenspezifische Nullergebnisse ebenfalls berichtet; mehrere Modelle gezeigt.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Zentrale Zahlen bestätigt. Ergänzt: Registrierung, Ausschlüsse, Todesfallzahlen je Viertel (rohe Raten im obersten Viertel nicht höher), nicht signifikante kardiovaskuläre (HR 2,16, 0,92–5,06) und Krebssterblichkeit (1,22, 0,70–2,12), Propensity-Modell (1,89) und Modell mit Messwiederholungen (1,44), E-Wert 2,62, Verlust der Signifikanz beim Ausschluss von Bluthochdruck/Depression zu Studienbeginn, Einschluss bestehender Erkrankungen, Finanzierung. ROBINS-E auf Domänenebene (insgesamt some_concerns, unverändert).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Ungenaue Schätzung für das oberste Viertel auf Basis von 73 gegenüber 108 Todesfällen; robust über mehrere Modelle, aber Verlust der Signifikanz in zwei Sensitivitätsanalysen. Kardiovaskuläre und Krebssterblichkeit waren nicht signifikant damit verbunden. Relatives, nicht absolutes Risiko; die rohen Sterberaten waren in der (jüngeren) Gruppe mit hohem UPF-Konsum niedriger.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Stützt C-UPF-03.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Keine.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Hoch (Spanien).

13. Methodisches Gesamturteil

Stützend für die Gesamtsterblichkeit in einer einzigen Kohorte mit wenigen Ereignissen; stützt für sich allein keine Wirkungen auf kardiovaskuläre oder Krebssterblichkeit.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)im Wesentlichen korrekt, aber unvollständig

14. Offene Fragen

Kausalität.

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

Spanische SUN-Kohorte mit 19.899 Personen – mehr als vier tägliche Portionen waren mit einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit um 62 % verbunden; jede Portion +18 %.

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

Hochverarbeitete Lebensmittel und Sterblichkeit.

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

HR 1,62 und 1,18 pro Portion.

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Wie angegeben.

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

„62 % höheres Sterberisiko“ wird ohne das breite KI dargestellt.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Zahlen korrekt; die Ungenauigkeit wird nicht erwähnt; die Studie fand keinen signifikanten Zusammenhang mit kardiovaskulären oder Krebstodesfällen für sich genommen.

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
im Wesentlichen korrekt, aber unvollständig