Kohortenstudieunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-DRY-01 Tiefenprüfung
US-Kohorten: Milchprodukte senken die Sterblichkeit weder, noch erhöhen sie sie eindeutig
Associations of dairy intake with risk of mortality in women and men: three prospective cohort studies.
Kurzüberblick
Ding M et al.. BMJ 2019 · PMID 31776125 · DOI 10.1136/bmj.l6204
Nur die höchste Aufnahme (etwa 4,2 Portionen/Tag) zeigte eine um 7 % höhere Sterblichkeit.
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: hoch
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Milchprodukte und Sterblichkeit.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Drei Kohorten, bis zu 32 Jahre.
- Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?
217.755 Erwachsene.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
Überwiegend neutral; leicht erhöhte Sterblichkeit bei sehr hoher Aufnahme (etwa 4 Portionen/Tag) und bei Vollmilch; Käse und Joghurt ohne Zusammenhang.
- Wie groß war der beobachtete Effekt?
HR 1,07 (1,04–1,10) höchste vs. niedrigste Kategorie.
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Ein mäßiger Verzehr von Milchprodukten scheint neutral zu sein.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Beobachtungsstudie; Beschäftigte in US-Gesundheitsberufen; der Zusammenhang verschwand, wenn die jüngste Aufnahme verwendet wurde.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Stützt keine starken Schadensbehauptungen.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Mäßig.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Ursächliche Effekte.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- Ding M et al.
- Fachzeitschrift
- BMJ
- Jahr
- 2019
- Identifikator
- PMID 31776125 DOI 10.1136/bmj.l6204
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- Volltext
- Interessenkonflikte und Finanzierung
Finanziert durch NIH-Förderungen (UM1 CA186107, P01 CA87969, R01 CA49449, R01 HL034594, R01 HL088521, UM1 CA176726, R01 CA67262, UM1 CA167552, R01 HL35464, R01 HL60712); die Geldgeber hatten keine Rolle. FBH: Forschungsunterstützung durch die California Walnut Commission und Honorare von Metagenics, Standard Process und Diet Quality Photo Navigation, außerhalb der eingereichten Arbeit; sonst keine.
2. Forschungsfrage
Verzehr von Milchprodukten und Gesamt- sowie ursachenspezifische Sterblichkeit.
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Kohortenstudie – Drei prospektive Kohorten mit wiederholten Ernährungserhebungen (NHS, NHS II, HPFS).
- Population
168.153 Frauen (NHS 74.805; NHS II 93.348) und 49.602 Männer (HPFS), Beschäftigte in US-Gesundheitsberufen (~95 % europäischer Abstammung), zu Beginn frei von Herz-Kreislauf-Erkrankung und Krebs (1984 NHS, 1989 NHS II, 1986 HPFS)
- Land
USA
- Zeitraum
Ausgangserhebung 1984–1989; Nachbeobachtung bis 31. Dezember 2016 (29–32 Jahre)
- Stichprobengröße
217.755 Teilnehmende; 51.438 Todesfälle (12.143 Herz-Kreislauf, 15.120 Krebs)
- Ein- und Ausschlusskriterien
Ausgeschlossen: Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs zu Beginn; unplausible Energieaufnahme (<500 oder >3.500 kcal bei Frauen; <800 oder >4.200 kcal bei Männern).
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
Kumulativer Mittelwert der Gesamtaufnahme von Milchprodukten und Untergruppen (Mager-/fettarme Milch, Vollmilch, Käse, Joghurt, sonstige) aus validierten FFQs alle 4 Jahre; Butter nicht eingeschlossen; Aktualisierung der Ernährung bei Diagnose von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs beendet.
- Vergleichsgruppe
Niedrigstes Fünftel der Gesamtaufnahme von Milchprodukten (im Mittel 0,8 Portionen/Tag); niedrigste Portionskategorie für Untergruppen; Ersatz durch andere Lebensmittel.
- Endpunkte
Gesamt-, Herz-Kreislauf- und Krebssterblichkeit (Totenscheine/Krankenakten, von verblindeten Ärztinnen und Ärzten geprüft; >98 % Erfassung).
- Statistische Methoden
Altersstratifizierte Cox-Modelle mit multivariabler Adjustierung (Familienanamnese, BMI, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, körperliche Aktivität, AHEI-2010, Energie, Rauchen, Alkohol, Menopausen-/Hormonstatus); Fixed-Effect-Pooling über die Kohorten; Restricted Cubic Splines; Substitutionsanalysen; Bonferroni-Korrektur (alpha 0,001 für 60 Tests); Sensitivitätsanalysen (zeitvariable Aufnahme, ohne die ersten 4 Jahre).
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
Gesamtsterblichkeit, höchstes (4,2 Portionen/Tag) vs. niedrigstes Fünftel: HR 1,07 (1,04–1,10), pro Portion/Tag 1,03 (1,02–1,04), P-Trend <0,001 (signifikant nach Bonferroni). Herz-Kreislauf-Sterblichkeit höchstes vs. niedrigstes 1,02 (0,95–1,08); Krebssterblichkeit 1,05 (0,99–1,11), aber pro Portion/Tag 1,03 (1,01–1,05). Nichtlineare Kurve: etwa 2 Portionen/Tag mit der niedrigsten Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit verbunden. Vollmilch pro 0,5 Portion/Tag: Gesamtsterblichkeit 1,11 (1,09–1,14), Herz-Kreislauf 1,09 (1,03–1,15), Krebs 1,11 (1,06–1,17). Mager-/fettarme Milch pro 0,5 Portion/Tag: Gesamtsterblichkeit 1,01 (1,00–1,02). Käse pro 0,5 Portion/Tag: gesamt 1,00 (0,99–1,02), Herz-Kreislauf 0,99 (0,96–1,03), Krebs 1,02 (0,99–1,05); Joghurt als nicht assoziiert berichtet (Schätzungen nicht gezeigt). Ersatz von 1 Portion/Tag Milchprodukte durch Nüsse/Hülsenfrüchte HR 0,86 (0,78–0,95), Vollkorn 0,89 (0,84–0,93), rotes/verarbeitetes Fleisch 1,05 (1,01–1,09). Zeitvariable (jüngste) Aufnahme: keine signifikanten Zusammenhänge; ohne die ersten 4 Jahre: unverändert. Zusammenhang bei nicht adipösen Personen vorhanden, bei adipösen nicht (P Interaktion 0,03).
- Absolute Risiken
Todesfallzahlen nach Fünftel je Kohorte sind tabelliert (z. B. NHS 4.755 Todesfälle im niedrigsten vs. 5.035 im höchsten Fünftel), aber es werden keine absoluten Raten oder Risikodifferenzen berichtet.
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Die Daten stützen keinen inversen Zusammenhang zwischen hoher Gesamtaufnahme von Milchprodukten und Sterblichkeit; etwa 2 Portionen/Tag waren mit der niedrigsten Herz-Kreislauf-Sterblichkeit verbunden, eine höhere Aufnahme mit leicht höherer Sterblichkeit, insbesondere Krebssterblichkeit; die gesundheitlichen Wirkungen hängen davon ab, durch welche Lebensmittel Milchprodukte ersetzt werden.
6. Stärken
- Sehr große Kohorten, 51.438 Todesfälle, 29–32 Jahre Nachbeobachtung
- Wiederholte validierte FFQs mit kumulativer Mittelung; Aktualisierung der Ernährung bei zwischenzeitlichen Diagnosen beendet
- Klassifikation der Todesursachen durch verblindete Ärztinnen und Ärzte; >98 % Erfassung der Todesfälle
- Bonferroni-Korrektur für multiples Testen; mehrere Sensitivitätsanalysen; Substitutionsanalysen
7. Schwächen
- Beobachtungsstudie; Residual Confounding eingeräumt (Vollmilch könnte einen ungesunden Lebensstil anzeigen)
- Überwiegend weiße Beschäftigte in US-Gesundheitsberufen; begrenzte Übertragbarkeit
- Der positive Zusammenhang für die Gesamtaufnahme von Milchprodukten verschwand bei zeitvariabler Aufnahme (die Autorinnen und Autoren vermuten umgekehrte Kausalität)
- Ergebnisse zu Joghurt nicht gezeigt; Ergebnisse nach Krebslokalisation (z. B. Prostata) nur in einer Zusatztabelle
- Selbst berichtete Aufnahme per FFQ; Butter ausgeschlossen
- Keine absoluten Risiken
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- ROBINS-E
- Art der Einschätzung
- strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- einige Bedenken
- Begründung
Vereinfachte Einschätzung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; eine formale ROBINS-E-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende und ein Protokoll.
| Domäne | Urteil | Begründung |
|---|---|---|
| Confounding | einige Bedenken | Umfangreiche Adjustierung einschließlich Ernährungsqualität; Gruppen mit höherem Milchproduktkonsum rauchten weniger und bewegten sich mehr; Residual Confounding möglich, besonders bei Vollmilch. |
| Messung der Exposition | einige Bedenken | Wiederholte validierte FFQs; Fehler durch Selbstauskunft; Ergebnis empfindlich gegenüber der Expositionsdefinition (kumulativ vs. zeitvariabel). |
| Auswahl der Teilnehmenden | niedrig | Herz-Kreislauf-Erkrankung/Krebs zu Beginn ausgeschlossen; unplausible Energieaufnahme ausgeschlossen. |
| Interventionen nach der Exposition / Veränderungen der Exposition | einige Bedenken | Ernährungsänderungen nach Diagnosen durch Beenden der Aktualisierung behandelt; die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass umgekehrte Kausalität fortbestehen kann (z. B. Magermilch). |
| Fehlende Daten | niedrig | >98 % der Todesfälle erfasst; hohe Nachbeobachtungsrate. |
| Messung des Endpunkts | niedrig | Sterblichkeit aus Personenstandsregistern/NDI; Todesursache von verblindeten Ärztinnen und Ärzten klassifiziert. |
| Auswahl des berichteten Ergebnisses | einige Bedenken | Bonferroni-Korrektur angewandt und viele Ergebnisse berichtet, aber Schätzungen für Joghurt zurückgehalten und lokalisationsspezifische Krebsergebnisse nur im Supplement. |
Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Schätzungen pro Portion (Gesamtsterblichkeit 1,03, Krebssterblichkeit 1,03 pro Portion/Tag, signifikant trotz n. s. Vergleich der Extremfünftel), Ergebnisse nach Untergruppen (Vollmilch 1,11/1,09/1,11 pro 0,5 Portion; Käse ohne Zusammenhang; Joghurt nicht gezeigt), Substitutions-HR, Bonferroni-Korrektur, Verschwinden des Zusammenhangs bei zeitvariabler Aufnahme, BMI-Interaktion, Kohortengrößen und vollständige NIH-Förderliste. Bias insgesamt unverändert (einige Bedenken).
9. Bewertung der statistischen Interpretation
Kleine relative Zusammenhänge (3 % pro Portion/Tag für die Gesamtsterblichkeit; 7 % bei ~4,2 Portionen/Tag), präzise, aber nicht robust gegenüber einer alternativen Expositionsdefinition; Vollmilch zeigt den konsistentesten positiven Zusammenhang (11 % pro halbe Portion/Tag); Käse und Joghurt neutral. Absolute Effekte nicht berichtet.
10. Relevanz für die konkrete Aussage
Uneinheitlich für C-DRY-03 (geringer Überschuss bei sehr hoher Aufnahme); einschränkend für C-DRY-04 (Krebssterblichkeit nicht signifikant).
11. Unabhängige Gegenbefunde
I-DRY-02 neutral.
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Mäßig.
13. Methodisches Gesamturteil
Milchprodukte sind bei üblichen Aufnahmemengen für die Sterblichkeit weder schützend noch eindeutig schädlich; ein kleiner Überschuss zeigt sich bei sehr hoher Aufnahme und bei Vollmilch, wobei Residual Confounding und die Empfindlichkeit gegenüber der Expositionsdefinition die kausale Interpretation einschränken; die Ersatzlebensmittel spielen eine Rolle.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | hoch |
| Biasrisiko | einige Bedenken |
| Präzision der Ergebnisse | hoch |
| Direkte Relevanz | direkt |
| Reproduzierbarkeit | teilweise repliziert |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | gemischt |
| Regionale Übertragbarkeit | moderat |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | nicht anwendbar |
14. Offene Fragen
Schätzungen für Joghurt; Details zur Prostatakrebssterblichkeit (Supplement); Übertragbarkeit auf Bevölkerungen außerhalb der USA; kausale Schlussfolgerung (z. B. Mendelsche Randomisierung).
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Ein hoher Milchkonsum erhöhe die Sterblichkeit (Frauen, die 3 oder mehr Gläser/Tag tranken, hatten eine um 93 % höhere Sterblichkeit) und fördere Hüftfrakturen, statt ihnen vorzubeugen. – Studien mit gemischten oder unklaren Ergebnissen
- Der Verzehr von Milchprodukten erhöhe das Prostatakrebsrisiko (7 % pro 400 g/Tag; 34 % bei mehr als 2,5 Portionen/Tag). – Studien mit gemischten oder unklaren Ergebnissen