Risikobewertungunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft I-FSH-19 Tiefenprüfung
EFSA: PFOS und PFOA (2018)
Risk to human health related to the presence of perfluorooctane sulfonic acid and perfluorooctanoic acid in food.
Kurzüberblick
EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) et al.. EFSA J 2018 · PMID 32625773 · DOI 10.2903/j.efsa.2018.5194
Fisch und Meeresfrüchte waren wichtige Quellen für PFOS und PFOA in der Ernährung; viele Menschen in Europa überschritten die wöchentlichen Grenzwerte der EFSA von 2018 (13 und 6 ng/kg).
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Unklar · Methodische Qualität: hoch
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Sichere Aufnahme festlegen.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Risikobewertung der EFSA (BMD- und PBPK-Modellierung; EU-Vorkommensdaten).
- Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?
20.019 Ergebnisse.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
TWIs 13 (PFOS) und 6 (PFOA) ng/kg bw/Woche; Vielverzehrende überschreiten die PFOS-TWI bis zum 13-Fachen; Fischfleisch trug bei älteren Menschen bis zu 79 % zur Lower-Bound-Exposition gegenüber PFOS bei.
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Fisch trägt zu PFAS bei.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Abgelöst (2020); die meisten Daten unter der Nachweisgrenze; 62 % aus Deutschland.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Kontext.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Hoch.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Unterschiede zwischen Zucht- und Wildfisch; das individuelle Gesundheitsrisiko.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM) et al.
- Fachzeitschrift
- EFSA J
- Jahr
- 2018
- Identifikator
- PMID 32625773 DOI 10.2903/j.efsa.2018.5194
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- Volltext
- Interessenkonflikte und Finanzierung
Wissenschaftliches Gutachten der EFSA auf Ersuchen der Europäischen Kommission; CONTAM-Gremium und Arbeitsgruppe gemäß der Interessenerklärungspolitik der EFSA; im Volltext keine spezifischen Interessenkonflikte berichtet
2. Forschungsfrage
Risiken von PFOS/PFOA in Lebensmitteln
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Risikobewertung – Wissenschaftliches Gutachten des CONTAM-Gremiums der EFSA (Mandat der Europäischen Kommission): Gefahrencharakterisierung anhand epidemiologischer Humanstudien mit Benchmark-Dosis- und PBPK-Modellierung sowie Abschätzung der Aufnahme über die Nahrung anhand von EU-Vorkommensdaten
- Population
EU-Bevölkerung
- Land
EU
- Zeitraum
Vorkommensproben aus den Jahren 2000-2015 (überwiegend nach 2007), Daten eingegangen bis Ende Oktober 2016; Gutachten 2018
- Stichprobengröße
21.411 Ausgangsergebnisse (16 europäische Länder; Deutschland 62 %); 20.019 im endgültigen Datensatz (PFOS 10.191; PFOA 9.828); linkszensiert 74 % (PFOS) und 91 % (PFOA)
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
PFOS und PFOA in Lebensmitteln und Trinkwasser
- Vergleichsgruppe
TWIs: 13 ng/kg bw pro Woche (PFOS), 6 ng/kg bw pro Woche (PFOA)
- Endpunkte
Kritische Effekte: erhöhtes Gesamtcholesterin im Serum (Erwachsene; PFOS und PFOA) und verminderte Antikörperantwort auf Impfungen bei Kindern (PFOS); außerdem Geburtsgewicht und ALT berücksichtigt
- Statistische Methoden
BMD-Modellierung (BMDL5: PFOS 21-25 ng/mL Plasma; PFOA 9,2-9,4 ng/mL), PBPK-Umrechnung in Aufnahmemengen (PFOS 1,8, PFOA 0,8 ng/kg bw pro Tag), Exposition als Lower und Upper Bound
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
TWI 13 ng/kg bw/Woche (PFOS) und 6 ng/kg bw/Woche (PFOA). PFOS mittlere LB-Exposition 1,3-20,9, P95 3,5-165,9 ng/kg bw/Woche (TWI überschritten bis zum 1,6-Fachen beim Mittelwert und 13-Fachen beim P95 LB); PFOA mittlerer LB 1,5-18,3, P95 3,4-37,6 (bis zum 3- bzw. 6-Fachen). Fisch und andere Meeresfrüchte trugen bei beiden wesentlich bei; „Fischfleisch“ hatte unter den Untergruppen der Meeresfrüchte den höchsten Beitrag zur mittleren LB-Gesamtexposition gegenüber PFOS (bis zu 79 % bei älteren Menschen). Fischfleisch mittlerer PFOS-Gehalt LB-UB 2,2-2,8 ug/kg (max. UB 211); Fischinnereien 4,51 ug/kg; am höchsten in Barbe, Flussbarsch, Sardelle, Plötze, Brasse. Kein Vergleich zwischen Zucht- und Wildfisch.
- Absolute Risiken
nicht berichtet (Exposition vs. TWI)
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Ein beträchtlicher Teil der europäischen Bevölkerung überschreitet die TWIs für PFOS und PFOA, was Anlass zur Sorge gibt; die Expositionsabschätzung ist sehr unsicher, wobei die tatsächliche Exposition näher an den Lower-Bound-Schätzungen vermutet wird.
6. Stärken
- Gesundheitsbezogene Richtwerte aus Humandaten abgeleitet
- Großer EU-Datensatz; ausdrückliche Diskussion der Unsicherheit
7. Schwächen
- Hoher Anteil linkszensierter Daten und unempfindliche Methoden; große Lücke zwischen LB und UB
- Daten von Deutschland dominiert (62 %)
- Kausalität des Zusammenhangs mit Cholesterin umstritten (Beobachtungsstudien)
- 2020 durch die Gruppen-TWI von 4,4 ng/kg bw/Woche abgelöst (I-FSH-18)
- Kein Vergleich zwischen Zucht- und Wildfisch
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- No standard tool fits (regulatory risk assessment); structured judgement of validity threats
- Art der Einschätzung
- strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- einige Bedenken
- Begründung
Strukturierte Beurteilung durch eine einzelne Person auf Basis des Volltexts; nicht formal (dafür wären zwei unabhängige Begutachtende nötig). Geändert von not_assessable zu some_concerns.
| Domäne | Urteil | Begründung |
|---|---|---|
| Gefahrencharakterisierung | einige Bedenken | Kritische Effekte aus beobachtenden Humanstudien (mögliches Confounding, umgekehrte Kausalität beim Cholesterin); Annahmen zu BMD/PBPK dokumentiert. |
| Repräsentativität der Vorkommensdaten | einige Bedenken | 62 % aus Deutschland; hoher Anteil linkszensierter Daten. |
| Expositionsmodellierung | einige Bedenken | Große Unterschiede zwischen LB und UB; LB als näher an der Wirklichkeit beurteilt. |
| Transparenz und Verfahren | niedrig | Vollständige Dokumentation der Datenbereinigung und der Unsicherheiten. |
Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Datenbereinigung (21.411 auf 20.019 Ergebnisse; Linkszensierung 74 %/91 %), BMDLs und PBPK-Aufnahmemengen, Expositionsbereiche und Überschreitungsfaktoren, Beitrag von Fischfleisch (bis zu 79 % bei älteren Menschen) und Gehalte; vermerkt, dass kein Vergleich zwischen Zucht- und Wildfisch erfolgt; Bias-Gesamtbewertung von not_assessable zu some_concerns geändert.
9. Bewertung der statistischen Interpretation
10. Relevanz für die konkrete Aussage
Kontext (Fisch als PFAS-Quelle).
11. Unabhängige Gegenbefunde
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Hoch.
13. Methodisches Gesamturteil
Durch das Gutachten von 2020 (I-FSH-18) abgelöst, bestätigt aber, dass Fischfleisch in Europa eine wichtige Quelle für PFOS in der Ernährung ist und dass die Aufnahme häufig gesundheitsbezogene Richtwerte überschreitet; es unterscheidet nicht zwischen Zucht- und Wildfisch.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | hoch |
| Biasrisiko | einige Bedenken |
| Präzision der Ergebnisse | nicht anwendbar |
| Direkte Relevanz | indirekt |
| Reproduzierbarkeit | unbekannt |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | unbekannt |
| Regionale Übertragbarkeit | hoch |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | nicht anwendbar |
14. Offene Fragen
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Natürlicher wilder Meeresfisch ist das sauberste Lebensmittel, das man bekommen kann; wilder Meeresfisch (einschließlich großer Raubfische wie Zackenbarsch/Hamour, Thunfisch und geräucherte Makrele) ist erlaubt, während Zuchtfisch verboten ist. – Studien, die der Behauptung widersprechen oder sie einschränken