Kohortenstudieunabhängige GegenprüfungAbstract geprüft I-SUG-103 Standardprüfung

Zu viel Zucker mit früherem Tod verbunden

Association between added sugar intake and mortality is nonlinear and dependent on sugar source in 2 Swedish population-based prospective cohorts.

Kurzüberblick

Ramne S et al.. Am J Clin Nutr 2019 · PMID 30590448 · DOI 10.1093/ajcn/nqy268

In zwei schwedischen Kohorten hatten Menschen, die mehr als 20 % ihrer Kalorien als zugesetzten Zucker aufnahmen, eine etwa 30 % höhere Sterblichkeit; das niedrigste Risiko lag bei 7,5–10 %.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Untersuchen, wie Zuckeraufnahme und Zuckerquellen mit Sterberaten zusammenhängen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Etwa 48.700 Erwachsene in Schweden wurden viele Jahre lang beobachtet.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

Zwei schwedische Bevölkerungskohorten.

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Sehr hohe Zuckeraufnahme ging mit höherer Sterblichkeit einher; mäßige Aufnahme hatte das niedrigste Risiko.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

+30 % Sterblichkeit bei >20 % der Energie; +23 % bei <5 % in einer Kohorte.

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Mäßige Zuckermengen sind nicht eindeutig schädlich, aber große Mengen sind mit früherem Tod verbunden.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Beobachtungsstudie; der Befund bei niedriger Aufnahme könnte auf anderen Faktoren beruhen.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerlegt „jede Menge ist nützlich“ und „ein Kilogramm pro Tag“.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Europäische Daten.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kann nicht belegen, dass Zucker selbst die Todesfälle verursacht.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Ramne S et al.
Fachzeitschrift
Am J Clin Nutr
Jahr
2019
Identifikator
PMID 30590448 DOI 10.1093/ajcn/nqy268
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-26 + Crossref 2026-10-26
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
nur Abstract
Interessenkonflikte und Finanzierung

Im Abstract-Eintrag nicht angegeben

2. Forschungsfrage

Wie hängen die Aufnahme zugesetzter und freier Zucker sowie bestimmter Zuckerquellen mit der Sterblichkeit zusammen?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Zwei prospektive bevölkerungsbasierte Kohorten mit Cox-Regression
Population

Erwachsene in Schweden (Malmö Diet and Cancer Study; Northern Swedish Health and Disease Study)

Land

Schweden

Zeitraum

Ausgangserhebung in den 1990er-Jahren; lange Nachbeobachtung

Stichprobengröße

24.272 (MDCS) und 24.475 (NSHDS)

Ein- und Ausschlusskriterien

Bevölkerungsbasierte Kohorten; Einzelheiten im Volltext

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Aufnahme zugesetzter/freier Zucker (% der Energie) und Zuckerquellen (zuckergesüßte Getränke, Süßigkeiten, Toppings)

Vergleichsgruppe

Aufnahmekategorien, niedrigstes Risiko bei 7,5–10 % der Energie

Endpunkte

Gesamtsterblichkeit sowie Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

Statistische Methoden

Multivariable Cox-Modelle mit proportionalen Hazards

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Die niedrigste Sterblichkeit zeigte sich in beiden Kohorten bei einer Aufnahme zugesetzter Zucker von 7,5–10 % der Energie. Aufnahmemengen >20 % der Energie waren mit 30 % höherer Sterblichkeit verbunden; Aufnahmemengen <5 % der Energie waren ebenfalls mit höherem Risiko verbunden (23 % in MDCS; 9 %, nicht signifikant, in NSHDS). In MDCS ähnliche U-förmige Zusammenhänge für die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die Aufnahme zuckergesüßter Getränke war positiv mit der Sterblichkeit verbunden; die Aufnahme von Süßigkeiten war umgekehrt verbunden.

Absolute Risiken

im Abstract nicht berichtet

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Eine hohe Zuckeraufnahme ist mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden; das Risiko ist auch bei Personen mit niedrigem Zuckerkonsum erhöht; die Zusammenhänge hängen von der Zuckerquelle ab.

6. Stärken

  • Zwei unabhängige Kohorten
  • Detaillierte Ernährungserhebung in MDCS
  • Quellenspezifische Analyse

7. Schwächen

  • Beobachtungsstudie; Residual Confounding und umgekehrte Kausalität bei niedriger Aufnahme möglich
  • Nur eine Ausgangsmessung der Ernährung
  • Nur Abstract geprüft

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Die Gruppe mit niedriger Aufnahme könnte Personen enthalten, die Zucker wegen einer Erkrankung reduziert haben.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Die U-Form ist ein Zusammenhang; das Mehrrisiko bei niedriger Aufnahme ist kausal schwer zu erklären und könnte umgekehrte Kausalität oder Messprobleme widerspiegeln. Das obere Ende (>20 % der Energie) stützt die Begrenzung von Zucker.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Die fairste unterstützende Evidenz, die für C-SUG-01 gefunden wurde: Eine mäßige Zuckeraufnahme (7,5–10 % der Energie) war nicht mit Schaden verbunden. Sie stützt weder „jede Menge ist nützlich“ noch den Verzehr eines Kilogramms: Aufnahmemengen über 20 % der Energie waren mit 30 % höherer Sterblichkeit verbunden.

11. Unabhängige Gegenbefunde

WHO 2015, EFSA 2022 und Umbrella-Reviews (I-SUG-02, I-SUG-104) stützen die Begrenzung freier Zucker.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Unmittelbar europäische Daten.

13. Methodisches Gesamturteil

Zeigt, dass der Schaden von Zucker von Dosis und Quelle abhängt; widerlegt „unbegrenzter Zucker ist gut“ und räumt zugleich ein, dass mäßige Mengen nicht mit höherer Sterblichkeit verbunden waren.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Warum niedrige Aufnahmemengen mit höherer Sterblichkeit verbunden waren.

15. Verknüpfte Faktenchecks