Systematischer Reviewunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-SUG-02 Tiefenprüfung

Zucker und Gesundheit: Umbrella-Review

Dietary sugar consumption and health: umbrella review.

Kurzüberblick

Huang Y et al.. BMJ 2023 · PMID 37019448 · DOI 10.1136/bmj-2022-071609

In 73 Metaanalysen war eine hohe Zuckeraufnahme mit 45 ungünstigen Endpunkten verbunden; die Autorinnen und Autoren raten zu weniger als 25 g zugesetztem Zucker pro Tag.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: hoch

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Qualität und Validität der Evidenz zu Zucker und gesundheitlichen Endpunkten.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Umbrella-Review von 73 Metaanalysen.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

73 Metaanalysen; 83 Endpunkte; Menschen ohne akute/chronische Erkrankung

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Signifikante schädliche Zusammenhänge mit 45 Endpunkten; mittlere Qualität: zuckergesüßte Getränke und Körpergewicht, zugesetzter Zucker und ektopes Fett; niedrige Qualität: +4 % Gicht pro Portion zuckergesüßter Getränke/Woche, +17 % KHK und +4 % Gesamtsterblichkeit pro 250 mL/Tag zuckergesüßter Getränke; empfiehlt freie/zugesetzte Zucker <25 g/Tag und zuckergesüßte Getränke <1 Portion/Woche.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

KHK +17 % pro 250 mL/Tag zuckergesüßter Getränke

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Eine hohe Zuckeraufnahme ist eher schädlich als nützlich.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Die meiste Evidenz stammt aus Beobachtungsstudien, hat eine niedrige Evidenzsicherheit und betrifft eher zuckerhaltige Getränke als Zucker in Lebensmitteln; die Aufnahme von Saccharose ging in einigen Kohorten sogar mit einem etwas niedrigeren Diabetesrisiko einher; die Empfehlungen gehen über die Stärke der Evidenz hinaus.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt C-SOD-01/03/05; widerspricht C-SUG-01.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Hoch.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Sie kann nicht zeigen, dass Zucker in jeder Form oder in kleinen Mengen schädlich ist, und liefert keine genauen Effektgrößen; Honig, Obst oder Zucker in festen Lebensmitteln deckt sie nicht gut ab.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Huang Y et al.
Fachzeitschrift
BMJ
Jahr
2023
Identifikator
PMID 37019448 DOI 10.1136/bmj-2022-071609
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Finanziert von der National Natural Science Foundation of China (82000721) und dem Sichuan Province Department of Science and Technology (2020YJ0054); die Geldgeber hatten keine Rolle. ICMJE: keine relevanten finanziellen Beziehungen.

2. Forschungsfrage

Qualität und Validität der Evidenz zu Zucker und gesundheitlichen Endpunkten.

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Systematischer Review – Umbrella-Review (PROSPERO CRD42022300982) von 73 Metaanalysen (67 zu Beobachtungsstudien, 6 zu RCTs) mit Neuanalyse, wo möglich, Original-AMSTAR, GRADE und Evidenzklassen (I, II, III, IV, NS).
Population

Menschen ohne akute oder chronische Erkrankung (Kinder und Erwachsene)

Land

Multinational

Zeitraum

Datenbanken von Beginn bis Januar 2022 durchsucht

Stichprobengröße

73 Metaanalysen; 83 eindeutige Endpunkte (74 beobachtend, 9 RCT); 58 der 73 betrafen zuckergesüßte Getränke

Ein- und Ausschlusskriterien

SR/MA von RCTs, Kohorten-, Fall-Kontroll- oder Querschnittsstudien zu Gesamtzuckern, Zuckerbestandteilen oder SSB/zuckerhaltigen Lebensmitteln; ausgeschlossen: Süßstoffe ohne Nährwert/ASB, kurzfristige Supplementierung, erkrankte Populationen, RCTs mit isoenergetischem Ersatz von Zuckern, Lebensmittel ohne extrahierbare Zuckerdaten (z. B. Honig, Schokolade, 100-%-Saft), nicht englischsprachige Studien; pro Expositions-Endpunkt-Paar wurde die neueste/größte Metaanalyse beibehalten.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Zuckerkonsum über die Nahrung (überwiegend SSB; außerdem Fruktose, Saccharose, zugesetzte, freie und Gesamtzucker)

Vergleichsgruppe

Geringerer Konsum

Endpunkte

83 gesundheitliche Endpunkte

Statistische Methoden

Neuanalyse mit Random-/Fixed-Effects-Modellen, I2, Egger-Test (23 % der Endpunkte), AMSTAR, GRADE, Evidenzklassen

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

45 signifikante schädliche und 4 günstige Zusammenhänge unter 83 Endpunkten; kein Endpunkt erreichte hohe Qualität nach GRADE oder Evidenzklasse I. Moderate Qualität: SSB und Körpergewicht in RCTs (WMD 0,85 kg, 0,50–1,20; Klasse IV); zugesetzte Zucker und Leberfett (SMD 0,93) sowie Muskelfett (SMD 0,63) (Klasse IV). Niedrige Qualität: pro 250 mL/Tag SSB koronare Herzkrankheit RR 1,17 (1,11–1,23; Klasse II) und Gesamtsterblichkeit HR 1,04 (1,02–1,06; Klasse III); pro 1 Portion/Tag SSB Typ-2-Diabetes RR 1,27 (1,15–1,41); höchste vs. niedrigste SSB-Aufnahme Gicht RR 1,35 (1,18–1,55); pro 25 g/Tag Fruktose Bauchspeicheldrüsenkrebs +22 % (Klasse III). Günstig/invers: Saccharose pro 25 g/Tag und Typ-2-Diabetes RR 0,92 (0,85–0,99); Saccharose und kardiovaskuläre Sterblichkeit (invers). Kein Zusammenhang: zugesetzter Zucker und kardiovaskuläre Sterblichkeit; Fruktose und Harnsäure, Körpergewicht, T2D; viele Krebslokalisationen. Publikationsbias bei mehreren Endpunkten festgestellt (z. B. T2D, Krebs insgesamt, Bluthochdruck). Median des AMSTAR-Scores 8 (Spanne 3–11).

Absolute Risiken

im Volltext nicht berichtet

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Ein hoher Zuckerkonsum über die Nahrung ist für die Gesundheit im Allgemeinen eher schädlich als nützlich, besonders bei kardiometabolischen Erkrankungen; die Autorinnen und Autoren empfehlen freie/zugesetzte Zucker <25 g/Tag und zuckergesüßte Getränke (SSB) <1 Portion/Woche (etwa 200–355 mL/Woche).

6. Stärken

  • Vorab registriert; umfassende Suche; doppelte Auswahl (Kappa 0,906) und Datenextraktion
  • Deckt 83 Endpunkte ab; Evidenz aus RCTs und Beobachtungsstudien getrennt
  • Drei Bewertungsrahmen; berichtet Null- und inverse Zusammenhänge

7. Schwächen

  • Evidenz von SSB dominiert (58/73 Metaanalysen); wenige Daten zu festen Zuckern, Honig oder Zucker in Lebensmitteln
  • Überwiegend beobachtend; fast alle Endpunkte von niedriger oder sehr niedriger Qualität; keine Evidenz der Klasse I
  • RCTs mit isoenergetischem Ersatz ausgeschlossen, daher könnten die Effekte eher überschüssige Energie als den Zucker an sich widerspiegeln
  • Original-AMSTAR (nicht AMSTAR 2); nur Englisch
  • Pro Endpunkt die neueste Metaanalyse beibehalten; Überschneidung der Primärstudien
  • Empfehlungen (<25 g/Tag; <1 SSB/Woche) gehen über die bewertete Evidenz hinaus
  • Interne Unstimmigkeit: Die Dosis-Wirkungs-Beziehung für Gicht wird im Abstract für SSB, im Ergebnisteil aber für künstlich gesüßte Getränke berichtet

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
AMSTAR 2 (umbrella review), ROBIS-oriented
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Geändert von low: gut durchgeführter Review, aber nur englischsprachige Suche, teilweise Bewertung des Publikationsbias und Empfehlungen, die stärker sind als die bewertete Evidenz. Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne begutachtende Person; eine vollständige formale AMSTAR-2-/ROBIS-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Item 2 (kritisch) Protokoll registriertniedrigPROSPERO CRD42022300982.
Item 4 (kritisch) umfassende Sucheeinige BedenkenVier Datenbanken plus Literaturverzeichnisse; auf Englisch beschränkt.
Items 5–6 doppelte Auswahl und DatenextraktionniedrigZwei unabhängige Begutachtende mit Schlichtung durch eine dritte Autorin bzw. einen dritten Autor.
Item 7 (kritisch) Ausschluss von Studien begründeteinige BedenkenFlussdiagramm mit Gründen; Liste auf Studienebene im Haupttext nicht ersichtlich.
Item 9 (kritisch) Bewertung des Biasrisikoseinige BedenkenAMSTAR (Originalversion) für eingeschlossene Metaanalysen sowie GRADE; Confounding in den Primärstudien nicht direkt bewertet.
Item 11 (kritisch) angemessene Syntheseeinige BedenkenNeuanalyse, wo die Daten es erlaubten; heterogene Expositionsmaße; manche Endpunkte aus einzelnen Metaanalysen.
Item 13 (kritisch) Biasrisiko bei der Interpretation berücksichtigteinige BedenkenGRADE niedrig/sehr niedrig wird eingeräumt, dennoch werden feste Empfehlungen zur Aufnahme gegeben.
Item 15 (kritisch) Publikationsbiaseinige BedenkenEgger-Test nur für 23 % der Endpunkte möglich; bei mehreren Bias festgestellt.
Item 16 InteressenkonflikteniedrigÖffentliche Finanzierung; keine relevanten Interessenkonflikte.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Hauptergebnisse bestätigt. Ergänzt: Suche bis Januar 2022, PROSPERO, 58/73 Metaanalysen zu SSB, Ausschluss isoenergetischer RCTs und Beschränkung auf Englisch, kein Endpunkt mit hoher Qualität/Klasse I, inverse Zusammenhänge für Saccharose (T2D RR 0,92), Gicht RR 1,35 (keine Verdopplung), T2D RR 1,27 pro Portion, Befunde zum Publikationsbias, Finanzierung/Interessenkonflikte, interne Unstimmigkeit zu Gicht (SSB vs. ASB). AMSTAR 2 gesamt von low auf some_concerns geändert.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Viele mäßige Zusammenhänge, fast alle mit niedriger oder sehr niedriger Evidenzsicherheit; die robustesten Befunde betreffen SSB und Gewichtszunahme/ektopes Fett. Zucker in fester Form (Saccharose) war nicht durchgängig schädlich und zeigte einige inverse Zusammenhänge, was die Verallgemeinerung der SSB-Ergebnisse auf allen Zucker begrenzt. Überschneidung mit anderen Reviews (z. B. stammen die zahnbezogenen Endpunkte aus A-SOD-19).

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Stützt C-SOD-01/03/05; widerspricht C-SUG-01.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Keine.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Hoch.

13. Methodisches Gesamturteil

Umfassende Übersicht, die einen Schaden durch hohe Zuckeraufnahme stützt, vor allem über zuckergesüßte Getränke und kardiometabolische Endpunkte; Evidenzsicherheit überwiegend niedrig; zeigt nicht, dass jede Form oder Menge von Zucker schädlich ist.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitäthoch
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Kausalität für viele Endpunkte.

15. Verknüpfte Faktenchecks