Narrativer Übersichtsartikelunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-SUP-10 Tiefenprüfung
Welche Nahrungsergänzungsmittel schaden der Leber?
Liver injury from herbal and dietary supplements.
Kurzüberblick
Navarro VJ et al.. Hepatology 2017 · PMID 27677775 · DOI 10.1002/hep.28813
Vor allem Bodybuilding-Steroide, Grüntee-Extrakt und Produkte mit mehreren Inhaltsstoffen.
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Leberschäden durch Nahrungsergänzungsmittel.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Review.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
Im US-amerikanischen DILIN-Register wurden 16-20 % der arzneimittelbedingten Leberschäden HDS zugeschrieben, vor allem anabolen Steroiden, Grüntee-Extrakt und Produkten mit mehreren Inhaltsstoffen; einfache Vitamine/Mineralstoffe waren 6 von 85 Fällen ohne Steroide.
- Wie groß war der beobachtete Effekt?
Etwa 3 Fälle von HDS-bedingten Leberschäden pro 100.000 Personen pro Jahr (Schätzung aus Island)
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Riskante Produktarten meiden.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Narrativ.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Stützt teilweise; schränkt die Verallgemeinerung ein.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Übertragbar.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Dass alle Supplemente oder übliche Vitamine, Molkenprotein, Kreatin oder Omega-3 der Leber schaden; wie hoch das Risiko für die einzelne anwendende Person ist.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- Navarro VJ et al.
- Fachzeitschrift
- Hepatology
- Jahr
- 2017
- Identifikator
- PMID 27677775 DOI 10.1002/hep.28813
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- Volltext
- Interessenkonflikte und Finanzierung
Die Autoren berichten keine kommerziellen Interessenkonflikte. Symposium finanziert durch NIDDK/NIH mit der AASLD, mit Unterstützung von NIH ODS, NCCIH, NIEHS, USDA, CDC und dem National Center for Natural Products Research (University of Mississippi).
2. Forschungsfrage
Leberschäden durch pflanzliche und andere Nahrungsergänzungsmittel
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Narrativer Übersichtsartikel – Narrativer Übersichtsartikel / Workshop-Zusammenfassung eines Forschungssymposiums von AASLD und NIH (Bethesda, 4.-5. Mai 2015), hauptsächlich gestützt auf die US-amerikanische DILIN Prospective Study und andere Register
- Population
US-Fälle von Lebertoxizität
- Land
USA
- Zeitraum
Symposium Mai 2015; DILIN-Daten 2004-2014; veröffentlicht 2017
- Stichprobengröße
Keine Primärstudie. Zitierte DILIN-Daten: 130 HDS-bedingte Fälle in den ersten 8 Jahren (45 Bodybuilding/anabole Steroide; 85 weitere HDS-Fälle, 116 Produkten zugeschrieben)
- Ein- und Ausschlusskriterien
Nicht anwendbar (narrativer Übersichtsartikel; keine systematische Suche oder Auswahlkriterien berichtet)
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
HDS
- Vergleichsgruppe
Keiner
- Endpunkte
Anteil der Hepatotoxizitätsfälle, die HDS zugeschrieben werden, beteiligte Produktarten, klinischer Phänotyp, Diagnose, Regulierung
- Statistische Methoden
Narrativ
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
DILIN: HDS machten insgesamt 16 % der DILI-Fälle aus, mit Anstieg von 7 % (2004-2005) auf 19 % (2010-2012) und 20 % (2013-2014). Von 130 HDS-Fällen waren mindestens 45 Bodybuilding-Mittel (Phänotyp anaboler Steroide). Von den 85 HDS-Fällen ohne Steroide: 14 (16 %) einzelne/mehrere benannte pflanzliche Produkte, 7 (8 %) traditionelle pflanzliche Mischungen, 6 (7 %) einfache Vitamine/Mineralstoffe/Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Niacin, Multivitamine, Levocarnitin), 58 (68 %) Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren Inhaltsstoffen (MINS); grüner Tee war in 24 Fällen der vermutete Auslöser. Von 97 geprüften Produkten enthielten 49 Grüntee-Catechine, 29 davon ohne entsprechende Kennzeichnung. Spanien: HDS-Anteil 2 % (2006) bis 13 % (2010-2013); Asien 2,5 % (Indien) bis 73 % (Korea). Ausbruch durch OxyELITE Pro: 36 Fälle auf Hawaii, 1 Todesfall, 2 Transplantationen.
- Absolute Risiken
Keine bevölkerungsbasierte Schätzung für die USA. Beste zitierte Schätzung (Island 2011-2012): Gesamtinzidenz arzneimittelinduzierter Leberschäden (DILI) 19 pro 100.000 Personen, davon 16 % HDS zugeschrieben, also etwa 3 pro 100.000 Personen für HDS-bedingte akute Leberschäden. Die Letalität ist unbekannt, da die Zahl der Anwendenden unbekannt ist.
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Leberschäden durch HDS sind ein wachsendes Problem; Prioritäten sind bessere Epidemiologie, genaue Identifizierung schädlicher Produkte, chemische/toxikologische Prüfung der Inhaltsstoffe und eine strengere Regulierung (Registrierung, vollständige Angabe der Inhaltsstoffe, Meldung unerwünschter Ereignisse, keine unbewiesenen Struktur-/Funktionsaussagen).
6. Stärken
- Zusammenfassung eines Expertensymposiums auf Grundlage des prospektiven, adjudizierten DILIN-Registers
- Detaillierte Aufschlüsselung der beteiligten Produktkategorien
- Transparente Angaben zu Finanzierung und Interessenkonflikten
7. Schwächen
- Narrativer Übersichtsartikel ohne systematische Methoden für Suche, Auswahl oder Bewertung
- Nur Anteile aus Fallserien/Registern; kein Nenner der Anwendenden, daher kein Risiko pro Anwendendem
- Kausalität bei Produkten mit mehreren Inhaltsstoffen oft unsicher; Verunreinigungen und falsche Kennzeichnung häufig
- Anteile aus Zuweisungsregistern unterliegen Zuweisungs- und Meldeverzerrungen
- Fokus auf die USA
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- none (narrative review; no standard tool fits)
- Art der Einschätzung
- strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- nicht beurteilbar
- Begründung
Narrativer Übersichtsartikel; kein Standardinstrument zur Biasrisikobewertung ist anwendbar. Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; eine formale Bewertung würde zwei unabhängige Begutachtende und ein Protokoll erfordern.
| Domäne | Urteil | Begründung |
|---|---|---|
| Suche und Auswahl der Evidenz | hoch | Keine systematische Suche und keine Auswahlkriterien; der Inhalt spiegelt Vorträge des Symposiums wider. |
| Validität der zugrunde liegenden Daten (DILIN-Register) | einige Bedenken | Prospektives Register mit Adjudikation, aber zuweisungsbasierte Fallserie ohne Nenner der Anwendenden; die Kausalitätsbewertung für HDS gilt eingestandenermaßen als unzuverlässig. |
| Zuordnung der Kausalität zu bestimmten Inhaltsstoffen | hoch | 68 % der Fälle ohne Steroide gingen auf MINS mit unbekanntem Verursacher zurück; in geprüften Produkten wurden nicht deklarierte Inhaltsstoffe gefunden. |
| Interpretation | niedrig | Die Autoren benennen ausdrücklich das Fehlen bevölkerungsbasierter Häufigkeitsschätzungen und verallgemeinern nicht auf alle Supplemente. |
Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: DILIN-Fallzahlen und Aufschlüsselung nach Produktkategorien (einfache Vitamine/Mineralstoffe 6/85 = 7 %), Zeittrend 7 %->20 %, bevölkerungsbezogene Inzidenz in Island (~3/100.000), Finanzierung/Interessenkonflikte; strukturierte Biaseinschätzung für narrative Übersichtsarbeiten ergänzt (Gesamtbewertung nicht bewertbar).
9. Bewertung der statistischen Interpretation
Die Zahlen sind Anteile von Leberschadensfällen, die HDS zugeschrieben werden, nicht das Risiko unter Anwendenden. Die bevölkerungsbezogene Inzidenzschätzung (etwa 3 pro 100.000 Personen, Island) zeigt, dass HDS-bedingte Leberschäden absolut gesehen selten sind; einfache Vitamine/Mineralstoffe machten nur 6 von 85 HDS-Fällen ohne Steroide aus.
10. Relevanz für die konkrete Aussage
11. Unabhängige Gegenbefunde
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Ähnliche Produkte werden in Europa verkauft; das spanische Register zeigt einen steigenden HDS-Anteil (13 % in 2010-2013). Die EU-Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln unterscheidet sich vom US-amerikanischen DSHEA.
13. Methodisches Gesamturteil
Glaubwürdige Expertenzusammenfassung, die ein produktspezifisches Leberrisiko stützt (anabole Steroide, Grüntee-Extrakt, Produkte mit mehreren Inhaltsstoffen, verfälschte Produkte); sie stützt nicht die Vorstellung, dass alle Supplemente der Leber schaden oder dass die Leberwerte nach jedem Supplement steigen.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | moderat |
| Biasrisiko | nicht beurteilbar |
| Präzision der Ergebnisse | nicht anwendbar |
| Direkte Relevanz | direkt |
| Reproduzierbarkeit | repliziert |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | konsistent |
| Regionale Übertragbarkeit | hoch |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | nicht anwendbar |
14. Offene Fragen
Risiko pro Anwendendem für bestimmte Produktklassen; verantwortliche Inhaltsstoffe in MINS; Ausmaß von Verfälschungen bei in der EU vermarkteten Produkten.
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Alle oralen Nahrungsergänzungsmittel (einschließlich Molkenprotein, Kollagen, Kreatin und Omega-3) seien unnötig und schadeten der Leber; nach jedem Präparat seien die Leberwerte erhöht. – Studien mit gemischten oder unklaren Ergebnissen