Randomisierte kontrollierte Studieunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-UPF-01 Tiefenprüfung

Hochverarbeitete vs. gering verarbeitete gesunde Ernährung in England

Ultraprocessed or minimally processed diets following healthy dietary guidelines on weight and cardiometabolic health: a randomized, crossover trial.

Kurzüberblick

Dicken SJ et al.. Nat Med 2025 · PMID 40760353 · DOI 10.1038/s41591-025-03842-0

Beide Ernährungsformen führten zu Gewichtsabnahme, mit gering verarbeiteten Lebensmitteln aber etwa doppelt so stark.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Ja · Methodische Qualität: hoch

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Wirkung von UPF vs. MPF im Rahmen nationaler Ernährungsleitlinien auf das Gewicht.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Randomisierte kontrollierte 2x2-Crossover-Fütterungsstudie, 8 Wochen pro Ernährungsform, ad libitum.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

55 randomisiert; 50 ITT; Erwachsene mit BMI 25–<40 und gewohntem UPF-Anteil >=50 % der kcal

Was wurde tatsächlich festgestellt?

MPF -2,06 % (-2,99 bis -1,13); UPF -1,05 % (-1,98 bis -0,13); Differenz -1,01 % (-1,87 bis -0,14), P=0,024; Cohens d -0,48. Leichte gastrointestinale Nebenwirkungen bei beiden häufig.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

-2,06 % vs. -1,05 % Gewicht

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Der Verarbeitungsgrad kann auch bei gesunder Ernährung eine Rolle spielen.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Etwa 50 Personen, überwiegend Frauen und Beschäftigte im Gesundheitswesen, 8 Wochen pro Ernährungsweise; der Unterschied zwischen den Ernährungsweisen betrug etwa 1 kg; Ausstiege gab es nur bei der minimal verarbeiteten Ernährung; die Reihenfolge der Ernährungsweisen beeinflusste das Ergebnis.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt C-UPF-02 (repliziert die Richtung von Hall 2019).

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Hoch (England).

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Sie kann keine Langzeiteffekte auf Gewicht oder Krankheiten zeigen, und auch nicht, dass UPF schädlich sind, wenn eine Ernährung ansonsten gesunden Empfehlungen folgt (beide Ernährungsweisen führten zu Gewichtsverlust).

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Dicken SJ et al.
Fachzeitschrift
Nat Med
Jahr
2025
Identifikator
PMID 40760353 DOI 10.1038/s41591-025-03842-0
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Finanziert vom NIHR UCLH Biomedical Research Centre und dem Rosetrees Trust; Geldgeber nicht beteiligt. Interessenkonflikte: Der Erstautor erhält Tantiemen für ein im Selbstverlag erschienenes Buch, das UPF erwähnt, sowie Beraterhonorare; der Seniorautor R.L.B. wurde ab Mai 2023 Angestellter und Aktionär von Eli Lilly und berichtet Honorare von Novo Nordisk und anderen; ein weiterer Autor erhält Tantiemen für ein Buch über UPF sowie Honorare für Rundfunkauftritte; K.D. Hall (Autor von A-UPF-01) ist Mitautor.

2. Forschungsfrage

Wirkung von UPF vs. MPF im Rahmen nationaler Ernährungsleitlinien auf das Gewicht.

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Randomisierte kontrollierte Studie – Monozentrische, gemeindebasierte randomisierte kontrollierte 2x2-Crossover-Ernährungsstudie (UPDATE; NCT05627570): zwei 8-wöchige Ad-libitum-Ernährungsweisen nach dem britischen Eatwell Guide, eine minimal verarbeitet (MPF) und eine hochverarbeitet (UPF), getrennt durch eine 4-wöchige Auswaschphase; alle Lebensmittel wurden kostenlos nach Hause geliefert.
Population

Erwachsene in England mit BMI >=25 bis <40 kg/m2 und gewohnheitsmäßiger UPF-Aufnahme >=50 % der Energie (Mittelwert 67,4 %); mittleres Alter 43,2 Jahre; 90,9 % Frauen; überwiegend NHS-Personal (z. B. 43,6 % Pflegekräfte); mittlerer BMI 32,7

Land

England

Zeitraum

Rekrutierung vom 3. April 2023 bis 7. Mai 2024

Stichprobengröße

135 gescreent; 55 randomisiert (28 erst MPF, dann UPF; 27 erst UPF, dann MPF); 50 Intention-to-treat; 43 per Protokoll

Ein- und Ausschlusskriterien

BMI >=25 bis <40 kg/m2 und gewohnheitsmäßiger UPF-Anteil >=50 % kcal/Tag; Personen mit Ernährungseinschränkungen (z. B. vegan, halal, koscher) ausgeschlossen.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

UPF-Ernährung nach dem Eatwell Guide (ernährungsphysiologisch verbesserte, rezeptierte UPF aus britischen Supermärkten; höhere Energiedichte)

Vergleichsgruppe

MPF-Ernährung nach dem Eatwell Guide

Endpunkte

Primär: Unterschied innerhalb der Teilnehmenden in der prozentualen Gewichtsänderung vom Ausgangswert bis Woche 8; sekundär: Körperzusammensetzung (Bioimpedanz), Blutdruck, Herzfrequenz, Blutfette, Glukose, HbA1c, CRP, Heißhunger, Appetit, unerwünschte Ereignisse

Statistische Methoden

Gemischte Modelle, adjustiert für Randomisierungsarm und Nachtschichtstatus, mit Interaktion Ernährung × Arm und zufälligem Effekt für Teilnehmende; ITT primär; Sensitivitätsanalysen (PP, Messwiederholungen, inverse Wahrscheinlichkeitsgewichtung, multiple Imputation, nur erste Periode); Power (0,9) für eine Differenz von 2,7 % bei n=44; sekundäre Endpunkte nicht für multiple Vergleiche adjustiert.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Gewichtsänderung nach 8 Wochen: MPF -2,06 % (-2,99 bis -1,13); UPF -1,05 % (-1,98 bis -0,13); Differenz -1,01 % (-1,87 bis -0,14), P=0,024; Cohens d -0,48 (-0,91 bis -0,06). Gewicht: -0,96 kg (s.e. 0,40) größerer Verlust bei MPF; Fettmasse -0,98 kg (s.e. 0,32), auch Körperfettanteil und viszerale Fettbewertung zugunsten von MPF. Triglyzeride sanken bei MPF stärker (-0,25 mmol/L), während LDL-C bei UPF stärker sank (Differenz 0,25 mmol/L zugunsten von UPF); Blutdruck, HbA1c, Glukose, CRP zwischen den Ernährungsweisen nicht unterschiedlich. Heißhunger verbesserte sich bei MPF stärker. Signifikanter Reihenfolgeeffekt; Differenz nur in der ersten Periode -1,86 % (s.e. 0,72). Selbst berichtete Energieaufnahme bei MPF um 327,3 kcal/Tag niedriger als bei UPF. Adhärenz 84,5 % (MPF) und 91,2 % (UPF). Unerwünschte Ereignisse meist leichte Magen-Darm-Beschwerden, zwischen den Ernährungsweisen nicht unterschiedlich (P=0,088).

Absolute Risiken

nicht zutreffend (kurzfristige Studie; absolute Gewichtsunterschiede berichtet: ~1 kg über 8 Wochen)

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Beide leitlinienbasierten Ernährungsweisen führten zu Gewichtsverlust, mit signifikant größerem Gewichts- und Fettverlust bei der MPF-Ernährung; zusätzlich zu bestehenden Ernährungsempfehlungen könnten Empfehlungen zur Lebensmittelverarbeitung nötig sein.

6. Stärken

  • Randomisiertes Crossover mit 8-wöchigen Perioden und Auswaschphase
  • Vorab registriert; ITT als Primäranalyse; unabhängige Statistikerin bzw. unabhängiger Statistiker hat die Primäranalyse überprüft
  • Alltagsnahe Lieferung beider leitlinienkonformer Ernährungsweisen; Teilnehmende gegenüber den Bezeichnungen der Ernährungsweisen und dem primären Endpunkt verblindet
  • Mehrere vorab festgelegte Sensitivitätsanalysen konsistent

7. Schwächen

  • Kleine Stichprobe (50 ITT, 43 PP), 91 % Frauen, überwiegend Personal im Gesundheitswesen
  • Beobachtete Differenz (1,01 %) viel kleiner als die 2,7 %, für die die Studie gepowert war; P=0,024 mit KI nahe null
  • Signifikanter Reihenfolgeeffekt (Carry-over)
  • Alle Ausstiege (n=10) erfolgten während der MPF-Ernährung; MPF-Ernährung bei Geschmack und Bequemlichkeit schlechter bewertet
  • Freilebend: Adhärenz aus teilweise zurückgegebenen Ernährungstagebüchern; Energieaufnahme selbst berichtet
  • Forschende nicht verblindet; Teilnehmende kannten die Art der Lebensmittel, wenn auch nicht die Bezeichnungen
  • Sekundäre Endpunkte nicht für Multiplizität adjustiert; LDL-C zugunsten von UPF
  • Interessenkonflikte der Autorinnen und Autoren umfassen Buchtantiemen zu UPF

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
RoB 2 (crossover trial)
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Strukturierte Einschätzung durch eine einzelne begutachtende Person anhand des Volltexts; eine vollständige formale RoB-2-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende und das Studienprotokoll.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
D1 RandomisierungsprozessniedrigComputergenerierte Blockrandomisierung (Sealed Envelope), stratifiziert; ausgewogene Ausgangswerte.
D2 Abweichungen von den beabsichtigten Interventionen (inkl. Perioden- und Carry-over-Effekte)einige BedenkenOffene Ernährungsweisen; signifikanter Reihenfolgeeffekt trotz 4-wöchiger Auswaschphase; Adhärenz in den zweiten Perioden und bei MPF geringer.
D3 Fehlende Endpunktdateneinige Bedenken5 von 55 nicht in der ITT- und 12 nicht in der PP-Analyse; Ausstiege konzentriert in den MPF-Perioden; Ergebnisse robust gegenüber multipler Imputation und IPW.
D4 Messung des EndpunktsniedrigObjektives Gewicht; Teilnehmende gegenüber dem primären Endpunkt verblindet; Bioimpedanz für die Körperzusammensetzung.
D5 Auswahl des berichteten ErgebnissesniedrigRegistrierter primärer Endpunkt und Analyse wie geplant berichtet.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Primäres Ergebnis bestätigt. Ergänzt: Rekrutierungszeitraum, Population (91 % Frauen, überwiegend NHS-Personal), 4-wöchige Auswaschphase, ITT 50/PP 43, Ausstiege nur während MPF, signifikanter Reihenfolgeeffekt, Power-Ziel 2,7 %, Ergebnisse zu Körperzusammensetzung und Blutfetten (LDL-C zugunsten von UPF), selbst berichtete Energieaufnahme, detaillierte Interessenkonflikte (inkl. Anstellung des Seniorautors bei Eli Lilly, Buchtantiemen) und öffentliche Finanzierung. RoB 2 auf Domänenebene (gesamt some_concerns, unverändert).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Moderater standardisierter Effekt (d -0,48) mit einem KI nahe null; absolute Differenz ~1 kg über 8 Wochen. Auch die UPF-Ernährung führte, da leitlinienkonform, zu Gewichtsverlust; die Effekte auf kardiometabolische Marker waren klein und uneinheitlich (Triglyzeride zugunsten von MPF, LDL-C zugunsten von UPF).

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Stützt C-UPF-02 (repliziert die Richtung von Hall 2019).

11. Unabhängige Gegenbefunde

Beide Ernährungsweisen führten zu Gewichtsverlust; LDL-C sank bei der UPF-Ernährung stärker.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Hoch (England).

13. Methodisches Gesamturteil

Wichtige alltagsnahe Replikation der Richtung von A-UPF-01: Innerhalb nationaler Ernährungsempfehlungen führte eine minimal verarbeitete Ernährung über 8 Wochen zu etwa 1 % mehr Gewichtsverlust als eine hochverarbeitete Ernährung; mäßig, kurzfristig und mit Ausstiegen und Reihenfolgeeffekten.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitäthoch
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Längere Dauer; Mechanismen (Energiedichte, Schmackhaftigkeit); Übertragbarkeit auf Männer und Personen mit geringem UPF-Konsum.

15. Verknüpfte Faktenchecks