Randomisierte kontrollierte Studievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft A-ODD-02 Tiefenprüfung

Rosiglitazon und Herzinsuffizienz (RECORD)

Heart failure events with rosiglitazone in type 2 diabetes: data from the RECORD clinical trial.

Kurzüberblick

Komajda M et al.. Eur Heart J 2010 · PMID 20118174 · DOI 10.1093/eurheartj/ehp604

Herzinsuffizienz verdoppelte sich unter Rosiglitazon (2,6 zusätzliche Fälle pro 1.000 Patientenjahre). Die Herztodesfälle insgesamt nahmen aber nicht zu.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Ja · Methodische Qualität: hoch

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Herzinsuffizienzrisiko unter Rosiglitazon

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Analyse von Herzinsuffizienz-Ereignissen in einer offenen RCT (RECORD)

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

4.447; Typ-2-Diabetes unter Metformin oder SU, HbA1c 7,9 %

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Herzinsuffizienz HR 2,10.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

HR 2,10 (1,35–3,27)

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Bei Herzinsuffizienz vermeiden.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Offen (open-label); vom Hersteller (GSK) gesponsert und ausgewertet; relativ wenige Herzinsuffizienz-Ereignisse (90).

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt C-ODD-09.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Europäische Studie.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Eine erhöhte kardiovaskuläre Gesamtsterblichkeit.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Komajda M, McMurray JJ, Beck-Nielsen H, Gomis R, Hanefeld M, Pocock SJ, Curtis PS, Jones NP, Home PD
Fachzeitschrift
Eur Heart J
Jahr
2010
Identifikator
PMID 20118174 DOI 10.1093/eurheartj/ehp604 · PMC2848325
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

RECORD wurde von GlaxoSmithKline (Hersteller von Rosiglitazon) gesponsert; die Analyse führte der Statistiker des Sponsors durch; GSK zahlte die Open-Access-Gebühren; zwei Autorinnen bzw. Autoren sind Angestellte und Aktionäre von GSK; alle anderen Autorinnen und Autoren erhalten Mittel von Pharmaunternehmen, darunter GSK.

2. Forschungsfrage

Herzinsuffizienzrisiko unter Rosiglitazon

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Randomisierte kontrollierte Studie – Sekundäranalyse der Herzinsuffizienz-Ereignisse in RECORD (NCT00379769), einer multizentrischen, offenen, randomisierten Nichtunterlegenheitsstudie mit verblindeter Endpunkt-Adjudikation; ITT plus Per-Protocol-Sensitivitätsanalyse; schrittweises multivariables Modell der Prädiktoren für Herzinsuffizienz.
Population

Typ-2-Diabetes, Alter 40–75, BMI >25 kg/m2, HbA1c >7,0–<=9,0 % unter Metformin- oder Sulfonylharnstoff-Monotherapie in Maximaldosis; ausgeschlossen: frühere Herzinsuffizienz, kürzliches schweres kardiovaskuläres Ereignis, eingeschränkte Nierenfunktion, unkontrollierter Bluthochdruck.

Land

364 Zentren in 25 Ländern in Europa und Australasien

Zeitraum

Rekrutierung April 2001 – April 2003; mittlere Nachbeobachtung 5,5 Jahre (12.338 vs. 12.272 Personenjahre).

Stichprobengröße

4.447 randomisiert und behandelt: zusätzliches Rosiglitazon 2.220 (1.117 mit Metformin, 1.103 mit Sulfonylharnstoff); Metformin+Sulfonylharnstoff 2.227.

Ein- und Ausschlusskriterien

Wie im Abstract beschrieben; Details im Abstract nicht verfügbar.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Zusätzliches Rosiglitazon 4–8 mg/Tag zu Metformin oder Sulfonylharnstoff.

Vergleichsgruppe

Metformin plus Sulfonylharnstoff (Glimepirid, Gliclazid oder Glibenclamid).

Endpunkte

Adjudizierte Krankenhausaufnahme oder Tod wegen Herzinsuffizienz (vordefinierte Kriterien auf ESC-Basis, CEC gegenüber der Zuteilung verblindet); Endpunkte nach Herzinsuffizienz; Ausgangsprädiktoren für Herzinsuffizienz.

Statistische Methoden

Cox-Regression, stratifiziert nach Hintergrundmedikation (ITT); Per-Protocol-Sensitivitätsanalyse (unter Zweifachtherapie + 30 Tage); schrittweise multivariable Regression von 30 vorab festgelegten Ausgangsvariablen; Analyse durch den Statistiker des Sponsors gemäß Vereinbarung mit dem Lenkungsausschuss.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Herzinsuffizienz-Ereignisse 61 (2,7 %) vs. 29 (1,3 %), HR 2,10 (95-%-KI 1,35–3,27; P=0,0010); Überschuss 2,6 (1,1–4,1) pro 1.000 Personenjahre. Per-Protocol-HR 1,91 (1,15–3,19). Todesfälle durch Herzinsuffizienz 10 vs. 2 (4 Erstereignisse tödlich). Kardiovaskulärer Tod oder kardiovaskuläre Krankenhausaufnahme HR 0,99 (0,85–1,16); kardiovaskuläre Todesfälle 60 vs. 71. Frühere ischämische Herzkrankheit: RR 2,16 (0,94–4,94); ohne frühere ischämische Herzkrankheit: 2,10 (1,25–3,51). Unabhängige Prädiktoren: Rosiglitazon HR 2,33 (1,46–3,70), Alter 1,10/Jahr, Mikro-/Makroalbuminurie 3,09, BMI 1,11 pro kg/m2, systolischer Blutdruck 1,02 pro mmHg. Anwendung von Schleifendiuretika nach 5 Jahren 11,3 % vs. 7,2 %.

Absolute Risiken

Herzinsuffizienz-Ereignisse 2,7 % vs. 1,3 % über 5,5 Jahre; Überschuss 2,6 (1,1–4,1) Herzinsuffizienz-Ereignisse pro 1.000 Personenjahre.

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Bestätigt ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz-Ereignisse unter Rosiglitazon; es sollte bei Personen, die eine symptomatische Herzinsuffizienz entwickeln, nicht fortgesetzt werden; engmaschige Überwachung auf Herzinsuffizienz bei älteren, adipösen, albuminurischen oder hypertensiven Patientinnen und Patienten; Herzinsuffizienz-Ereignisse unter Rosiglitazon sind nicht alle harmlos.

6. Stärken

  • Randomisierter Vergleich mit ~25.000 Personenjahren
  • Herzinsuffizienz von einem verblindeten Komitee anhand vordefinierter objektiver Kriterien adjudiziert
  • Übereinstimmende ITT- und Per-Protocol-Ergebnisse

7. Schwächen

  • Offenes Design (von Prüfärztinnen und Prüfärzten erkannte Ereignisse können durch das Wissen um Flüssigkeitsretention unter TZD beeinflusst sein, obwohl die Adjudikation verblindet war)
  • Der Sponsor (GSK) wertete die Daten aus; Autorinnen und Autoren mit umfangreichen Verbindungen zur Industrie
  • Wenige Herzinsuffizienz-Ereignisse (90) begrenzen Prädiktor- und Subgruppenanalysen; schrittweise Auswahl
  • Nur ~61 %/51 % schlossen unter der randomisierten Behandlung ab (88 %/83 % der Personenzeit)
  • Population ohne frühere Herzinsuffizienz und eingeschränkte Nierenfunktion – das absolute Risiko bei Patientinnen und Patienten mit höherem Risiko ist wahrscheinlich größer

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
RoB 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

An RoB 2 orientierte Einschätzung durch eine einzelne Gutachterin bzw. einen einzelnen Gutachter auf Basis des Volltexts; eine formale Bewertung erfordert zwei unabhängige Gutachtende und das Protokoll. Gesamtbewertung unverändert (some_concerns). Offene, vom Sponsor ausgewertete Studie, aber ein Bias würde erwartungsgemäß das Medikament des Sponsors begünstigen, sodass das Herzinsuffizienz-Signal durch den Einfluss des Sponsors kaum überschätzt sein dürfte.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
D1 RandomisierungsprozessniedrigZentrale telefonische Randomisierung mit permutierten Blöcken, stratifiziert nach Hintergrundtherapie.
D2 Abweichungen von den vorgesehenen Interventioneneinige BedenkenOffen (open-label); unterschiedliche Rescue-Therapie und Therapieabbrüche; ITT-Analyse verwendet.
D3 fehlende EndpunktdatenniedrigLange Nachbeobachtung mit Ereigniserfassung über den Therapieabbruch hinaus (ITT).
D4 Messung des Endpunktseinige BedenkenVerblindete CEC-Adjudikation mit objektiven Kriterien, aber Ereigniserkennung durch nicht verblindete Prüfärztinnen und Prüfärzte.
D5 Auswahl des berichteten ErgebnissesniedrigHerzinsuffizienz war eine vorab festgelegte Komponente; registrierte Studie; konsistent mit der Primärpublikation.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ein-/Ausschlusskriterien, Arme nach Hintergrundtherapie, Ereigniszahlen (61 vs. 29), Per-Protocol-HR 1,91, Subgruppe mit ischämischer Herzkrankheit, Prädiktorenmodell und Anwendung von Schleifendiuretika ergänzt; Interessenkonflikte/Finanzierung ergänzt (GSK als Sponsor, Statistiker des Sponsors, GSK-Angestellte als Autoren); RoB-2-Domänen ergänzt, Gesamtbewertung unverändert (some_concerns).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Klare Verdopplung des relativen Herzinsuffizienz-Risikos mit moderatem absolutem Überschuss (2,6/1.000 Personenjahre) und einem Überschuss an Todesfällen durch Herzinsuffizienz (10 vs. 2), während kardiovaskuläre Sterblichkeit/Krankenhausaufnahmen insgesamt nicht erhöht waren.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Stützt C-ODD-09.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Dieselbe Studie: kein Anstieg der kardiovaskulären Sterblichkeit.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Europäische Studie.

13. Methodisches Gesamturteil

Robuste randomisierte Evidenz, dass Rosiglitazon Herzinsuffizienz-Ereignisse etwa verdoppelt (kleiner absoluter Überschuss); in RECORD kein Anstieg des kardiovaskulären Todes oder der kardiovaskulären Krankenhausaufnahmen insgesamt.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitäthoch
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)im Wesentlichen korrekt, aber unvollständig

14. Offene Fragen

Keine über die genannten hinaus.

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

Darstellung: RECORD bestätigte eine Verdopplung der Herzinsuffizienz-Ereignisse (HR 2,10).

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

Herzinsuffizienzrisiko unter Rosiglitazon

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

Herzinsuffizienz HR 2,10 (1,35–3,27), 61 vs. 29 Ereignisse; Überschuss 2,6 pro 1.000 Personenjahre; Todesfälle durch Herzinsuffizienz 10 vs. 2; kardiovaskulärer Tod/Krankenhausaufnahme HR 0,99; kardiovaskuläre Todesfälle 60 vs. 71.

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Bestätigt ein erhöhtes Herzinsuffizienzrisiko; Rosiglitazon bei symptomatischer Herzinsuffizienz absetzen.

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

Als Beweis für Schäden durch Thiazolidindione verwendet.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Für die Herzinsuffizienz-Aussage gerechtfertigt (Verdopplung bestätigt); das Archiv verschweigt den kleinen absoluten Überschuss und dass kardiovaskuläre Sterblichkeit/Krankenhausaufnahmen insgesamt nicht erhöht waren.

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
im Wesentlichen korrekt, aber unvollständig