Kohortenstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft★ wichtige Studie A-PPI-12 Tiefenprüfung

PPI und Todesfälle bei US-Veteranen

Estimates of all cause mortality and cause specific mortality associated with proton pump inhibitors among US veterans: cohort study.

Kurzüberblick

Xie Y et al.. BMJ 2019 · PMID 31147311 · DOI 10.1136/bmj.l1580

Bei PPI-Anwendenden gab es schätzungsweise 45 Todesfälle pro 1.000 mehr über etwa 10 Jahre als bei Anwendenden von H2-Blockern.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Sterblichkeit unter PPI.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Veteranenkohorte.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

214.467 Neuanwendende.

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Zusammenhang mit leicht erhöhter Sterblichkeit.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

45,20/1.000 über 10 Jahre.

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

PPI nur einnehmen, wenn sie nötig sind.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Confounding; spezielle Bevölkerungsgruppe.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt teilweise.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Mäßig.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Dass PPI Todesfälle verursachen.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Xie Y, Bowe B, Yan Y, Xian H, Li T, Al-Aly Z
Fachzeitschrift
BMJ
Jahr
2019
Identifikator
PMID 31147311 DOI 10.1136/bmj.l1580 · PMC6538974
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Konkurrierende Interessen: Alle Autorinnen und Autoren haben das einheitliche ICMJE-Offenlegungsformular unter www.icmje.org/coi_disclosure.pdf ausgefüllt und erklären: keine Unterstützung durch eine Organisation für die eingereichte Arbeit; keine finanziellen Beziehungen zu Organisationen, die in den vorangegangenen drei Jahren ein Interesse an der eingereichten Arbeit haben könnten; keine anderen Beziehungen oder Aktivitäten, die die eingereichte Arbeit beeinflusst haben könnten.

2. Forschungsfrage

Gesamtsterblichkeit und ursachenspezifische Sterblichkeit im Zusammenhang mit PPI

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Longitudinale Neuanwender-Kohorte mit aktivem Komparator, US Department of Veterans Affairs
Population

Neuanwendende von PPI oder H2-Blockern

Land

USA

Zeitraum

Kohorteneintritt 2002–2004; Nachbeobachtung bis zu 10 Jahre

Stichprobengröße

157.625 PPI; 56.842 H2-Blocker

Ein- und Ausschlusskriterien

Neuanwendende mit >90 Tagen Versorgung in den ersten 180 Tagen

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Neue PPI-Anwendung

Vergleichsgruppe

Neue H2-Blocker-Anwendung

Endpunkte

Tod jeglicher Ursache und ursachenspezifischer Tod (zurechenbare Todesfälle pro 1.000)

Statistische Methoden

IPTW, Two-Stage Residual Inclusion, kumulative Inzidenz nach 10 Jahren, Negativkontroll-Endpunkte

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

45,20 zusätzliche Todesfälle (28,20–61,40) pro 1.000 PPI-Anwendende; Kreislauf 17,47; Neubildungen 12,94; Infektionen 4,20; Urogenitaltrakt 6,25; CVD 15,48; CKD 4,19; bei Anwendenden ohne dokumentierte Indikation: CVD 22,91, CKD 4,74, Krebs des oberen GI-Trakts 3,12. Kein Überschuss bei Negativkontroll-Endpunkten.

Absolute Risiken

45,20 zusätzliche Todesfälle pro 1.000 Anwendende über bis zu 10 Jahre (kumulative Schätzung; Volltext).

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Die Einnahme von PPI ist mit einem kleinen Überschuss an ursachenspezifischer Sterblichkeit verbunden; erhöhte Wachsamkeit könnte angebracht sein.

6. Stärken

  • Aktiver Komparator, Neuanwender-Design
  • Negativkontroll-Endpunkte
  • Große Stichprobe

7. Schwächen

  • Ältere, weiße, männliche Veteranen
  • Residual Confounding und Channeling Bias von den Autorinnen und Autoren eingeräumt
  • Beobachtungsstudie

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Die Autorinnen und Autoren räumen ein, dass Channeling Bias und Residual Confounding möglicherweise nicht ausgeschaltet wurden (Volltext).

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Absoluter Überschuss aus adjustierter kumulativer Inzidenz geschätzt; anfällig für Confounding.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

C-PPI-01.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Brown 2021 (I-PPI-02) weist auf Residual Confounding hin; COMPASS (I-PPI-01) kein Unterschied bei der Sterblichkeit.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Mäßig: Die Veteranenpopulation unterscheidet sich von der europäischen Allgemeinbevölkerung.

13. Methodisches Gesamturteil

Methodisch anspruchsvoll, aber beobachtend; die Zahl 45/1.000 sollte nicht als nachgewiesene, durch das Medikament verursachte Todesfälle gelesen werden.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnissemoderat
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeitmoderat
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert

14. Offene Fragen

Würden RCT-Daten mit längerer Nachbeobachtung einen Effekt auf die Sterblichkeit zeigen?

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

US-Veteranenkohorte: 45 zusätzliche Todesfälle pro 1.000 PPI-Anwendende durch Herz-Kreislauf-, Nieren- und Krebserkrankungen des oberen GI-Trakts (Begleittext: fünf Jahre lang beobachtet).

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

Sterblichkeit bei Neuanwendenden von PPI vs. H2-Blockern.

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

45,20 zusätzliche Todesfälle/1.000; abgestuft nach Dauer.

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Zusammenhang; Wachsamkeit angebracht.

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

Als durch PPI verursachte Todesfälle dargestellt; der Begleittext nennt fünf Jahre.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Teilweise: Die Zahl stimmt, ist aber kumulativ über bis zu 10 Jahre, die Bevölkerungsgruppe ist speziell, Kausalität ist nicht belegt.

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert