Randomisierte kontrollierte Studieunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-INTA-08 Tiefenprüfung

Können kurze Fastenperioden die Wirkung der Chemotherapie unterstützen?

Fasting mimicking diet as an adjunct to neoadjuvant chemotherapy for breast cancer in the multicentre randomized phase 2 DIRECT trial.

Kurzüberblick

de Groot S et al.. Nature communications 2020 · PMID 32576828 · DOI 10.1038/s41467-020-16138-3

Bei 131 Frauen mit Brustkrebs verringerte eine Fasten imitierende Diät rund um die Chemotherapie weder schwere Nebenwirkungen, noch führte sie häufiger zum vollständigen Verschwinden des Tumors (die Hauptendpunkte); ein Schrumpfen des Tumors in der Bildgebung war häufiger, dies war aber ein sekundäres Ergebnis.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Fasten imitierende Ernährung zusammen mit Chemotherapie

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Randomisierte Phase-2-Studie

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

131 Frauen, HER2-negativer Brustkrebs

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Mehr Ansprechen des Tumors mit FMD; kein Unterschied in der Toxizität

Wie groß war der beobachtete Effekt?

pCR 10,8 % vs. 12,7 % (kein Unterschied); radiologisches Ansprechen OR 3,17 (1,06-9,45); pathologisches Ansprechen OR 4,11 (per Protocol)

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Fasten könnte unter ärztlicher Aufsicht zu einem unterstützenden Mittel während der Chemotherapie werden

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Phase 2; Hauptendpunkte nicht verbessert; Nutzen nur in sekundären und Per-Protocol-Analysen; schlechte Adhärenz; der leitende Autor hält Kapitalbeteiligungen am Hersteller der Diät

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Stützt die Forschung zu Fasten als Ergänzung, nicht Fasten anstelle der Behandlung

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Hoch

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Dass Fasten allein Krebs behandelt

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
de Groot S et al.
Fachzeitschrift
Nature communications
Jahr
2020
Identifikator
PMID 32576828 DOI 10.1038/s41467-020-16138-3
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Finanziert durch Pink Ribbon (2012.WO31.C155) und Amgen (20139098). Konkurrierende Interessen: V.D. Longo hält Kapitalbeteiligungen an L-Nutra (Hersteller der FMD); H. Pijl hält Anteile an einem Unternehmen, das in L-Nutra investiert hat; die übrigen Autorinnen und Autoren keine.

2. Forschungsfrage

Verringert eine Fasten imitierende Ernährung (FMD) rund um eine neoadjuvante Chemotherapie die Toxizität und verbessert sie das Ansprechen bei Brustkrebs?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Randomisierte kontrollierte Studie – Multizentrische, offene (Pathologie verblindet beurteilt), randomisierte Phase-2-Studie (geplant als Phase II/III; Phase III auf Empfehlung des DSMB aufgegeben), DIRECT, NCT02126449
Population

Frauen >=18 Jahre mit HER2-negativem Brustkrebs im Stadium II/III unter neoadjuvanter Chemotherapie mit AC-T oder FEC-T in 11 niederländischen Zentren; BMI >19 kg/m2, kein Diabetes, WHO 0-2, ausreichende Organfunktion; medianes Alter 49-51 Jahre, medianer BMI etwa 26

Land

Niederlande (11 Zentren)

Zeitraum

Randomisierung Februar 2014 bis Januar 2018

Stichprobengröße

131 randomisiert; 129 analysiert (65 FMD, 64 normale Ernährung)

Ein- und Ausschlusskriterien

Histologisch bestätigter HER2-negativer Brustkrebs im Stadium II/III; ausreichende Knochenmark-, Leber-, Nieren- und Herzfunktion; BMI >19; kein Diabetes; keine Allergie gegen Bestandteile der FMD. 1 Rückzug, 1 nicht geeignet (Lebermetastasen).

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

4-tägige pflanzenbasierte, eiweißarme Fasten imitierende Diät (Xentigen; Suppen, Brühen, Tee; ~1200 kcal an Tag 1, ~200 kcal an Tag 2-4) an den 3 Tagen vor und am Tag jedes Chemotherapiezyklus; im FMD-Arm wurde während der AC/FEC-Zyklen auf Dexamethason verzichtet

Vergleichsgruppe

Normale Ernährung mit Standard-Prämedikation mit Dexamethason

Endpunkte

Primär (Phase II): Toxizität Grad III/IV (CTCAE 4.03); geplanter primärer Endpunkt Phase III: pathologische Komplettremission (pCR). Sekundär: radiologisches Ansprechen (RECIST 1.1), pathologisches Ansprechen nach Miller und Payne, Lebensqualität (EORTC QLQ-C30), Belastung (Distress), Stoffwechselmarker, gamma-H2AX-DNA-Schäden in PBMCs (Nebenstudie)

Statistische Methoden

Teststärke: 128 Patientinnen, um eine Verringerung der Toxizität Grad III/IV um 50 % zu erkennen (Power 80 %, Alpha 3,06 %). Logistische Regression (univariat und adjustiert für die Stratifizierungsfaktoren) für das Ansprechen; ITT und Per Protocol (FMD bei >=der Hälfte der Zyklen eingehalten vs. protokolltreue Kontrollen); Armitage-Trendtest; gemischte Modelle für die Lebensqualität.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Toxizität Grad III/IV nicht unterschiedlich (ITT im Text: 75,4 % FMD vs. 65,6 % Kontrolle; Tabelle 2: 47,7 % vs. 56,3 %, P=0,331); Abbruch der Chemotherapie 27,7 % vs. 23,8 % (P=0,580). pCR 10,8 % vs. 12,7 % (OR 0,830, 0,282-2,442, P=0,735). Radiologisches komplettes/partielles Ansprechen ITT: OR 2,886 (1,012-8,227, P=0,047) univariat; OR 3,168 (1,062-9,446, P=0,039) adjustiert; stabile/fortschreitende Erkrankung 11,3 % vs. 26,9 %. Per Protocol Miller-Payne 4/5: OR 3,194 (1,115-9,152) univariat, 4,109 (1,297-13,02, P=0,016) adjustiert. Lebensqualität nicht unterschiedlich (P=0,841). Geringerer chemotherapiebedingter Anstieg von gamma-H2AX in T-Lymphozyten mit FMD (P=0,045). Adhärenz: 81,5 % schlossen den ersten FMD-Zyklus ab, 33,8 % >=4 Zyklen, 20,0 % alle Zyklen; 7,8 % der Kontrollgruppe fasteten aus eigenem Antrieb.

Absolute Risiken

pCR 10,8 % (FMD) vs. 12,7 % (Kontrolle); radiologisch stabile oder fortschreitende Erkrankung 11,3 % vs. 26,9 %; Toxizität Grad III/IV widersprüchlich berichtet (75,4 % vs. 65,6 % im Text; 47,7 % vs. 56,3 % in Tabelle 2).

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

FMD-Zyklen scheinen als Ergänzung zur neoadjuvanten Chemotherapie bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium sicher und wirksam zu sein; die Befunde ermutigen dazu, Fasten/FMD in der Krebstherapie weiter zu erforschen.

6. Stärken

  • Randomisiert, zentrale Zuteilung mit stratifizierter Blockrandomisierung
  • Verblindete zentrale pathologische Begutachtung
  • ITT- und PP-Analysen berichtet; Stoffwechselmarker dokumentieren die Wirkung der Diät
  • Klinisch relevante Population und Standardchemotherapie

7. Schwächen

  • Primärer Endpunkt (Toxizität Grad III/IV) nicht erreicht; pCR (geplanter primärer Endpunkt der Phase III) nicht unterschiedlich
  • Die positiven Befunde betreffen sekundäre Endpunkte mit P-Werten nahe 0,05 und breiten KIs; pathologischer Nutzen nur in der Per-Protocol-Analyse (Selektionsbias von den Autorinnen und Autoren eingeräumt)
  • Offen (open label); Begleitintervention unterscheidet sich designbedingt (Verzicht auf Dexamethason im FMD-Arm)
  • Schlechte Adhärenz (20 % alle Zyklen); 7,8 % der Kontrollgruppe fasteten
  • Phase III wegen niedriger pCR-Rate und schlechter Adhärenz aufgegeben
  • Ungleichgewicht: triple-negative Tumoren im FMD-Arm doppelt so häufig
  • Widersprüchliche Toxizitätszahlen zwischen Text und Tabelle
  • Finanzieller Interessenkonflikt: Der Seniorautor hält Kapitalbeteiligungen am FMD-Hersteller; Kofinanzierung durch die Industrie (Amgen)
  • Überleben noch nicht berichtet; untergewichtige Patientinnen und Diabetes ausgeschlossen

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
RoB 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
hoch
Begründung

Nach Volltextprüfung von some_concerns auf high angehoben (primäre Endpunkte ohne Effekt, Betonung sekundärer/Per-Protocol-Ergebnisse, Unterschied bei einer Begleitintervention auf Designebene). Finanzieller Interessenkonflikt des Seniorautors mit dem FMD-Hersteller vermerkt (keine RoB-2-Domäne). Vereinfachte Beurteilung durch eine einzelne Person; eine formale RoB-2-Bewertung erfordert zwei unabhängige Begutachtende sowie Studienprotokoll/SAP.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
D1 RandomisierungsprozessniedrigZentrale webbasierte Blockrandomisierung mit variierenden Blockgrößen, stratifiziert nach Stadium, ER, BMI, Therapieschema; Ausgangsmerkmale überwiegend ausgeglichen (Ungleichgewicht bei triple-negativen Tumoren zufällig).
D2 Abweichungen von den vorgesehenen Interventioneneinige BedenkenOffen (open label); schlechte Adhärenz bei der FMD (20 % alle Zyklen) und teilweises Fasten in der Kontrollgruppe; der vom Protokoll vorgeschriebene Verzicht auf Dexamethason im FMD-Arm bedeutet, dass FMD ohne Dexamethason mit normaler Ernährung mit Dexamethason verglichen wird. ITT für den Effekt der Zuteilung verwendet.
D3 fehlende Endpunktdatenniedrig129/131 für die Hauptendpunkte analysiert; Daten zur Lebensqualität unvollständig (57 und 54).
D4 Messung des Endpunktseinige BedenkenPathologie zentral und verblindet gegenüber der Zuteilung begutachtet; Verblindung der radiologischen Beurteilung und der Toxizitätseinstufung durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte nicht angegeben (offen).
D5 Auswahl des berichteten ErgebnisseshochPrimärer Toxizitätsendpunkt und pCR ohne Effekt; Betonung des sekundären radiologischen Ansprechens und der Per-Protocol-Ergebnisse nach Miller-Payne, mehrere Analysen (univariat/multivariat, ITT/PP, Trend); interne Widersprüche bei den Toxizitätszahlen.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Zeitraum, Eignungskriterien, Zusammensetzung der FMD, primärer Endpunkt (Toxizität, nicht erreicht) und pCR (ohne Effekt), KIs, Adhärenz, vorzeitiger Abbruch der Phase III, Unterschied bei der Begleitintervention Dexamethason, Widersprüche bei der Toxizität, Finanzierung (Pink Ribbon, Amgen) und Interessenkonflikte (Kapitalbeteiligung an L-Nutra). RoB-2-Gesamtbewertung von some_concerns auf high angehoben; Laienzusammenfassungen korrigiert, sodass sie die fehlenden Effekte bei den Hauptendpunkten nennen.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Kein Effekt auf die primäre Toxizität oder die pCR. Sekundäres radiologisches Ansprechen OR 3,17 mit KI 1,06-9,45 (unpräzise, P=0,039); das pathologische Ansprechen per Protocol mit OR 4,11 ist anfällig für Selektionsbias. Die Ergebnisse sind hypothesengenerierend.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Die beste randomisierte Evidenz zu fastenähnlichen Ernährungsformen bei Krebs; nur zusammen mit Chemotherapie bei gut ernährten Patientinnen getestet.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Ein systematischer Review (I-INTA-10) fand insgesamt keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Behandlungsergebnisse.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Hoch.

13. Methodisches Gesamturteil

Phase-2-Studie ohne Effekt bei den primären Endpunkten und mit unpräzisen sekundären Signalen; stützt weitere Forschung zur ärztlich begleiteten FMD als Ergänzung zur Chemotherapie, nicht aber Fasten als Krebsbehandlung oder als Ersatz für eine Therapie.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikohoch
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzindirekt
Reproduzierbarkeitnicht repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzunbekannt
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Bestätigung in Phase 3; 5-Jahres-Überleben (angekündigt); ob der Nutzen auch ohne den Unterschied beim Dexamethason bestehen bleibt; Sicherheit bei untergewichtigen Patientinnen oder Patientinnen mit Diabetes.

15. Verknüpfte Faktenchecks