Metaanalyseunabhängige GegenprüfungVolltext geprüft★ wichtige Studie I-INTB-21 Tiefenprüfung

Schon eine Zigarette am Tag schadet dem Herzen

Low cigarette consumption and risk of coronary heart disease and stroke: meta-analysis of 141 cohort studies in 55 study reports.

Kurzüberblick

Hackshaw A et al.. BMJ 2018 · PMID 29367388 · DOI 10.1136/bmj.j5855

Eine Zigarette am Tag bringt etwa die Hälfte des Herzkrankheitsrisikos von 20 am Tag mit sich.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Das Risiko leichten Rauchens beziffern

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Metaanalyse

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

141 Kohortenstudien in 55 Berichten (Millionen Teilnehmende)

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Großes Zusatzrisiko schon bei 1/Tag

Wie groß war der beobachtete Effekt?

KHK RR 1,48–2,19 bei 1/Tag

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Für die Blutgefäße von Herz und Gehirn gibt es keine sichere Rauchmenge.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Beobachtungsdaten; eine Datenbank, nur Englisch; kein Protokoll; aus zusammengefassten Daten modelliert

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Widerspricht „Zigaretten sind nützlich/nicht schädlich“.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Hoch

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Hackshaw A et al.
Fachzeitschrift
BMJ
Jahr
2018
Identifikator
PMID 29367388 DOI 10.1136/bmj.j5855
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen

Korrekturen (Errata) veröffentlicht (PubMed ErratumIn PMIDs 29643098, 30487298)

Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

ICMJE: keine Unterstützung durch eine Organisation für die eingereichte Arbeit; keine relevanten finanziellen Beziehungen (Volltext).

2. Forschungsfrage

Wie hoch ist das Risiko für koronare Herzkrankheit und Schlaganfall durch leichtes Rauchen?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Metaanalyse – Systematischer Review und Metaanalyse prospektiver Kohorten
Population

Allgemein gesunde Erwachsene in prospektiven Kohorten (reine Hochrisikokohorten ausgeschlossen); für KHK bei Männern etwa 3,07 Millionen Teilnehmende und >75.000 Fälle; Schlaganfall bei Männern etwa 3,53 Millionen und >73.000 Fälle; KHK bei Frauen etwa 2,56 Millionen und >36.000 Fälle; Schlaganfall bei Frauen etwa 3,78 Millionen und 62.000 Fälle

Land

Multinational

Zeitraum

Medline, englischsprachige Artikel 1946 bis Mai 2015

Stichprobengröße

55 Publikationen mit 141 Kohortenstudien (z. B. 26 Berichte zu KHK bei Männern, 18 zu KHK bei Frauen, 17 zu Schlaganfall bei Männern, 10 zu Schlaganfall bei Frauen in Analysen innerhalb der Studien)

Ein- und Ausschlusskriterien

Prospektive Kohorten mit >=50 CVD-Ereignissen, HRs/RRs gegenüber Nie-Rauchenden mindestens nach Alter adjustiert (oder altersspezifische Inzidenz), >=3 Raucherkategorien, allgemein gesunde Populationen, geschlechtsspezifische oder nach Alter und Geschlecht adjustierte Ergebnisse. Sechs Studien, die mit zunehmendem Konsum ein sinkendes Risiko zeigten, wurden ausgeschlossen (Begründung im Anhang).

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

1, 5 oder 20 Zigaretten/Tag

Vergleichsgruppe

Niemals Rauchende

Endpunkte

Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall

Statistische Methoden

MOOSE; je Studie log-lineare, varianzgewichtete Regression des log RR auf Zigaretten/Tag (Kategoriemittelpunkte anhand von Carboxyhämoglobin/Cotinin angepasst), Vorhersage des RR bei 1, 5 und 20 Zigaretten/Tag; Verhältnis der Zusatz-RRs (RR1-1)/(RR20-1) gegenüber erwarteten ~5 %; Random-Effects-Metaregression und Random-Effects-Metaanalyse (RevMan); Subgruppen nach Adjustierung für mehrere Störfaktoren, Alter, Geschlecht; Newcastle-Ottawa für eine Teilmenge; Sensitivitätsanalysen für Nachbeobachtung bis 1995 und mögliche frühere Rauchende in der Referenzgruppe.

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

KHK Männer: RR 1,48 (1,30–1,69) bei 1 Zigarette/Tag, 1,58 (1,39–1,80) bei 5/Tag, 2,04 (1,86–2,24) bei 20/Tag; 1 Zigarette/Tag trug 46 % (IQR 24–56 %) des Zusatzrisikos von 20/Tag; mehrfach adjustierte Studien 1,74 vs. 2,27 (53 %). KHK Frauen: 1,57 und 2,84 (31 %); mehrfach adjustiert 2,19 und 3,95 (38 %). Schlaganfall Männer: 1,25 (1,13–1,38) und 1,64 (1,48–1,82) (41 %); adjustiert 1,30 und 1,56 (64 %). Schlaganfall Frauen: 1,31 (1,13–1,52) und 2,16 (1,69–2,75) (34 %); adjustiert 1,46 und 2,42 (36 %). KHK-Studien „guter Qualität“ (NOS) bei Männern: RR 1,62 (1,45–1,82) bei 1/Tag. Bei Linearität erwartet: ~5 %.

Absolute Risiken

im Volltext nicht angegeben (nur relative Risiken; die Autoren zitieren, dass 15–20 % der CVD-Ereignisse dem Rauchen zuzuschreiben sein könnten)

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Wer nur etwa eine Zigarette pro Tag raucht, trägt etwa die Hälfte des Zusatzrisikos für KHK und Schlaganfall von 20 Zigaretten pro Tag; für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es kein sicheres Maß an Rauchen; Rauchende sollten aufhören, statt nur zu reduzieren.

6. Stärken

  • Sehr große Evidenzbasis (141 Kohorten, Millionen Teilnehmende)
  • Nur prospektive Designs; drei sich ergänzende Analyseansätze mit übereinstimmenden Ergebnissen
  • Sensitivitätsanalysen zur Adjustierung für Störfaktoren, Verunreinigung der Referenzgruppe, Nachbeobachtungszeitraum und Studienqualität
  • Übereinstimmend mit einem externen Dosis-Wirkungs-Modell (CPS-II) und Daten zum Passivrauchen

7. Schwächen

  • Eine einzige Datenbank (Medline), nur Englisch; kein registriertes Protokoll
  • Nur aggregierte Daten; log-lineare Modellierung von Kategoriemittelpunkten; Korrelation innerhalb der Studien nicht vollständig modelliert
  • Der Ausschluss von sechs Studien mit umgekehrtem Dosistrend könnte zu einem steileren Risiko bei niedriger Dosis verzerren
  • Studienqualität nur für eine Teilmenge formal bewertet (NOS)
  • Beobachtungsdaten: Residual Confounding, Fehlklassifikation des Rauchens (die Autoren argumentieren, dass Verzerrungen den Effekt hauptsächlich abschwächen würden); nur Rauchen zu Studienbeginn erfasst
  • Keine absoluten Risiken

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
AMSTAR 2
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
hoch
Begründung

Von some_concerns heraufgesetzt (die ROBINS-E-Einstufung wurde durch AMSTAR 2 ersetzt, das passende Instrument für eine Metaanalyse): Nach strengem AMSTAR 2 ist das Vertrauen kritisch niedrig (kein Protokoll, Suche nur in Medline, keine systematische Bewertung des Biasrisikos). Der Kernbefund (nichtlineares, hohes zusätzliches CVD-Risiko bei geringem Konsum) ist dennoch über die Methoden hinweg robust und stimmt mit einem etablierten ursächlichen Zusammenhang, der CPS-II-Modellierung und der Evidenz zum Passivrauchen überein. Vereinfachte Bewertung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; eine formale AMSTAR-2/ROBIS-Bewertung erfordert zwei unabhängige Bewertende.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Item 2 (kritisch) ProtokollhochKein Protokoll und keine Registrierung berichtet.
Item 4 (kritisch) umfassende LiteratursuchehochNur Medline, nur englischsprachig; Literaturverzeichnisse geprüft.
Items 5–6 doppelte Auswahl und Datenextraktioneinige BedenkenAbstracts von zwei Autoren geprüft; Unabhängigkeit der Extraktion nicht beschrieben.
Item 7 (kritisch) ausgeschlossene Studieneinige BedenkenFlussdiagramm und Begründung für sechs ausgeschlossene Studien im Anhang.
Item 9 (kritisch) Biasrisiko der EinzelstudienhochKeine systematische Bewertung des Biasrisikos; NOS nur nachträglich auf 26 Studien zu KHK bei Männern angewendet.
Item 11 (kritisch) metaanalytische Methodeneinige BedenkenPragmatische log-lineare Modellierung zusammengefasster Daten; drei Ansätze übereinstimmend; Korrelation innerhalb der Studien nicht modelliert.
Item 13 (kritisch) Biasrisiko bei der InterpretationniedrigConfounding, Fehlklassifikation und Verunreinigung der Referenzgruppe mit Sensitivitätsanalysen diskutiert.
Item 14 HeterogenitätniedrigNach Adjustierungsgrad, Alter und Geschlecht untersucht.
Item 15 (kritisch) Publikationsbiaseinige BedenkenKein formaler Test auf Small-Study-Effekte; Mindestzahl von 50 Ereignissen, um Small-Study-Bias zu begrenzen.
Item 16 Interessenkonflikte des ReviewsniedrigKeine Finanzierung und keine Interessenkonflikte angegeben.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Einschlusskriterien, Gesamtzahlen von Teilnehmenden/Fällen, KIs für die Haupt-RRs, Anteile des Zusatzrisikos mit IQRs, Ergebnisse der adjustierten Studien und der NOS-Subgruppe, Modellierungsmethode und von den Autoren genannte Einschränkungen, Interessenkonflikte. Instrument von ROBINS-E auf AMSTAR 2 korrigiert; Biasrisiko insgesamt von some_concerns auf hoch angehoben (kritisch niedriges Vertrauen in den Review), mit dem Hinweis, dass die Schlussfolgerung robust ist.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Relative Risiken gegenüber Nie-Rauchenden; etwa 40–50 % des KHK-/Schlaganfall-Zusatzrisikos von 20 Zigaretten/Tag liegen bereits bei 1 Zigarette/Tag vor – weit über den bei Linearität erwarteten ~5 %. In Studien, die für mehrere Störfaktoren adjustiert sind, fallen die Schätzungen höher aus.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Widerspricht der Behauptung, Rauchen sei harmlos oder habe nichts mit Arteriosklerose zu tun.

11. Unabhängige Gegenbefunde

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Hoch.

13. Methodisches Gesamturteil

Methodisch eingeschränkte Durchführung des Reviews, aber die Hauptschlussfolgerung ist robust und stimmt mit der breiteren Evidenz zur Kausalität überein: Schon leichtes Rauchen erhöht das kardiovaskuläre Risiko erheblich; es gibt kein sicheres Maß.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikohoch
Präzision der Ergebnissehoch
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitrepliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

15. Verknüpfte Faktenchecks