Kohortenstudieunabhängige GegenprüfungAbstract geprüft I-SUP-107 Standardprüfung
Multivitaminpräparate und Tod bei 390.000 US-Amerikanerinnen und -Amerikanern
Multivitamin Use and Mortality Risk in 3 Prospective US Cohorts.
Kurzüberblick
Loftfield E et al.. JAMA Netw Open 2024 · PMID 38922615 · DOI 10.1001/jamanetworkopen.2024.18729
Menschen, die Multivitaminpräparate nahmen, lebten nicht länger; ihr Sterberisiko war etwa 4 % höher, was eher widerspiegeln könnte, wer Nahrungsergänzungsmittel nimmt, als die Präparate selbst.
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Sehen, ob Anwendende von Multivitaminpräparaten länger leben.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Drei große Kohortenstudien zusammengefasst.
- Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?
390.124 Erwachsene.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
Kein Überlebensvorteil; leicht um 4 % höheres Sterberisiko.
- Wie groß war der beobachtete Effekt?
HR 1,04 (1,02–1,07).
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Multivitaminpräparate helfen gesunden Menschen nicht, länger zu leben.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Beobachtend; Selbstauskunft.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Stützt C-SUP-01; nur schwach relevant für die Schadensbehauptung in C-SUP-06.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Übertragbar.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Kann nicht beweisen, dass Multivitaminpräparate schaden.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- Loftfield E et al.
- Fachzeitschrift
- JAMA Netw Open
- Jahr
- 2024
- Identifikator
- PMID 38922615 DOI 10.1001/jamanetworkopen.2024.18729 · PMC11208972
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed efetch 2026-10-26; Crossref works API 2026-10-26
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- nur Abstract
- Interessenkonflikte und Finanzierung
Keine COI-Erklärung im PubMed-Datensatz; Förderung angegeben: Intramural NIH HHS
2. Forschungsfrage
Ist die Einnahme von Multivitaminpräparaten mit der Sterblichkeit verbunden, wenn man den Healthy-User-Bias und die umgekehrte Kausalität berücksichtigt?
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Kohortenstudie – Gepoolte Analyse von 3 prospektiven Kohortenstudien (NIH-AARP, PLCO, Agricultural Health Study)
- Population
Erwachsene in den USA ohne Krebs oder andere chronische Erkrankungen zu Studienbeginn
- Land
USA
- Zeitraum
Studienbeginn 1993–2001; Nachbeobachtung bis zu 27 Jahre
- Stichprobengröße
390.124 Teilnehmende; 164.762 Todesfälle
- Ein- und Ausschlusskriterien
Keine Krebserkrankung oder andere chronische Erkrankung in der Vorgeschichte
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
Selbstberichtete Multivitamin-Einnahme (Studienbeginn und Nachbeobachtung)
- Vergleichsgruppe
Nicht-Anwendende
- Endpunkte
Gesamtsterblichkeit und ursachenspezifische Sterblichkeit
- Statistische Methoden
Multivariable Cox-Modelle; zeitabhängige Analysen
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
Tägliche MV-Einnahme war nicht mit geringerer Sterblichkeit verbunden: multivariable HR 1,04 (1,02–1,07) in der ersten und 1,04 (0,99–1,08) in der zweiten Hälfte der Nachbeobachtung; ähnliche HR für die wichtigsten Todesursachen.
- Absolute Risiken
im Abstract nicht angegeben
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Die MV-Einnahme war nicht mit einem Überlebensvorteil verbunden.
6. Stärken
- Sehr groß
- Lange Nachbeobachtung
- Berücksichtigung des Healthy-User-Bias
7. Schwächen
- Beobachtend; selbstberichtete Exposition
- Residual Confounding (verbleibende Störfaktoren) in beide Richtungen möglich
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- ROBINS-E
- Art der Einschätzung
- vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- einige Bedenken
- Begründung
Beobachtete Exposition; Confounding.
9. Bewertung der statistischen Interpretation
Die HR 1,04 ist klein; ein leichter Überschuss könnte auf umgekehrte Kausalität zurückgehen (kranke Menschen beginnen mit Nahrungsergänzung); randomisierte Daten (COSMOS, PHS II) zeigen keine Wirkung auf die Sterblichkeit.
10. Relevanz für die konkrete Aussage
Kein Überlebensvorteil von Multivitaminpräparaten in einer sehr großen Kohorte; die kleine positive HR ähnelt dem Signal aus Iowa, ist aber viel schwächer.
11. Unabhängige Gegenbefunde
RCTs zeigen keinen Anstieg.
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Übertragbar.
13. Methodisches Gesamturteil
Stützt ‚kein Nutzen‘; schwache und nicht kausale Evidenz für ‚Schaden‘.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | moderat |
| Biasrisiko | einige Bedenken |
| Präzision der Ergebnisse | hoch |
| Direkte Relevanz | direkt |
| Reproduzierbarkeit | teilweise repliziert |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | gemischt |
| Regionale Übertragbarkeit | hoch |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | nicht anwendbar |
14. Offene Fragen
Keine wesentlichen.
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Als beliebte orale Nahrungsergänzungsmittel (Calcium, Beta-Carotin, Vitamin E, Omega-3, Multivitamine, Glucosamin, Selen, Vitamin A) in großen, langfristigen placebokontrollierten Studien geprüft wurden, hätten die meisten die versprochene Krankheitsvorbeugung nicht erbracht. – Studien, die die Behauptung unterstützen
- Multivitamine, Eisen, Folsäure, B6, Magnesium, Zink und Kupferpräparate erhöhten die Sterblichkeit, und Folsäure (mit B12) erhöhe Krebs. – Studien mit gemischten oder unklaren Ergebnissen