Randomisierte kontrollierte Studieunabhängige GegenprüfungAbstract geprüft I-UPF-120 Tiefenprüfung

Lebensmittelfarbstoffe, Natriumbenzoat und das Verhalten von Kindern

Food additives and hyperactive behaviour in 3-year-old and 8/9-year-old children in the community: a randomised, double-blinded, placebo-controlled trial.

Kurzüberblick

McCann D et al.. Lancet 2007 · PMID 17825405 · DOI 10.1016/S0140-6736(07)61306-3

In einer verblindeten Studie erhöhten Getränke mit künstlichen Farbstoffen plus dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat das hyperaktive Verhalten bei Kindern leicht.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Zusatzstoffe auf das Verhalten von Kindern testen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Doppelblinde placebokontrollierte Crossover-Studie.

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

297 Kinder.

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Kleine Zunahme der Hyperaktivität.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

Effektgrößen 0,12–0,32.

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Manche Zusatzstoffmischungen können empfindliche Kinder beeinflussen.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Benzoat und Farbstoffe nicht getrennt.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Schränkt C-UPF-11 ein.

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Übertragbar.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kann nicht zeigen, dass Benzoat allein schädlich ist.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
McCann D et al.
Fachzeitschrift
Lancet
Jahr
2007
Identifikator
PMID 17825405 DOI 10.1016/S0140-6736(07)61306-3
Verifizierung
verifiziert – PubMed efetch 2026-10-26; Crossref works API 2026-10-26
Zurückgezogen
nein
Korrekturen

ErratumIn: Lancet. 2007 Nov 3;370(9598):1542 (Erratum-Hinweis; keine Zurückziehung)

Geprüfter Umfang
nur Abstract
Interessenkonflikte und Finanzierung

Keine COI-Erklärung im PubMed-Datensatz

2. Forschungsfrage

Beeinflussen künstliche Lebensmittelfarbstoffe und Natriumbenzoat das hyperaktive Verhalten von Kindern aus der Allgemeinbevölkerung?

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Randomisierte kontrollierte Studie – Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie
Population

Kinder im Alter von 3 Jahren und von 8/9 Jahren

Land

Vereinigtes Königreich (Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung; Ort im Abstract nicht näher angegeben)

Zeitraum

Im Abstract nicht angegeben

Stichprobengröße

153 3-Jährige und 144 8-/9-Jährige

Ein- und Ausschlusskriterien

Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Getränk mit Natriumbenzoat plus Farbstoffmischung A oder B

Vergleichsgruppe

Placebogetränk

Endpunkte

Globaler Hyperaktivitäts-Aggregatwert (GHA)

Statistische Methoden

Per-Protocol-Analyse; Effektgrößen

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

3-Jährige: Mischung A vs. Placebo Effektgröße 0,20 (0,01–0,39), P=0,044; nicht Mischung B; eingeschränkte Analyse 0,32 (0,05–0,60). 8-/9-Jährige (>=85 % Verzehr, keine fehlenden Daten): Mischung A 0,12 (0,02–0,23), P=0,023; Mischung B 0,17 (0,07–0,28), P=0,001.

Absolute Risiken

Nicht zutreffend (kontinuierlicher Endpunkt)

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Künstliche Farbstoffe oder Natriumbenzoat (oder beides) führen in der Allgemeinbevölkerung zu mehr Hyperaktivität bei Kindern.

6. Stärken

  • Doppelblindes placebokontrolliertes Crossover
  • Kinder aus der Allgemeinbevölkerung

7. Schwächen

  • Benzoat lässt sich nicht von den Farbstoffen trennen
  • Kleine Effektgrößen; Per-Protocol-Analyse
  • Erratum veröffentlicht (Lancet 2007;370:1542)

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
RoB 2
Art der Einschätzung
vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

Per-Protocol; Mischungen.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Kleine standardisierte Effekte (0,12–0,32).

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Randomisierte Evidenz, dass eine Mischung mit Natriumbenzoat das Verhalten von Kindern beeinflussen kann; widerspricht ‚belanglos‘ für Kinder, wobei die eigene Rolle von Benzoat unklar ist.

11. Unabhängige Gegenbefunde

Der Effekt lässt sich nicht allein Benzoat zuschreiben; die EFSA hielt die Effekte für klein.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Übertragbar auf in der EU zugelassene Zusatzstoffe; behördliche Folgemaßnahmen hier nicht geprüft.

13. Methodisches Gesamturteil

Schränkt eine pauschale Aussage für Kinder ein; zeigt keinen Schaden durch Benzoat allein.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitteilweise repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzgemischt
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)nicht anwendbar

14. Offene Fragen

Wirkung von Benzoat allein.

15. Verknüpfte Faktenchecks