Kohortenstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft A-INS-05 Tiefenprüfung

Schwedische Studie zu Glargin und Krebs

Insulin glargine use and short-term incidence of malignancies-a population-based follow-up study in Sweden.

Kurzüberblick

Jonasson JM et al.. Diabetologia 2009 · PMID 19588120 · DOI 10.1007/s00125-009-1444-2

Die Krebsraten insgesamt waren gleich. Frauen, die nur Glargin anwendeten, hatten mehr Brustkrebs (25 Fälle). Laut den Autorinnen und Autoren kann das Zufall sein.

Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: moderat

Originalpublikation

Verständliche Zusammenfassung

Studie einfach erklärt
Was wollten die Forschenden herausfinden?

Kurzfristige Krebsinzidenz bei Glargin-Nutzenden (von der EASD angefordert)

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Landesweite registerbasierte Kohortenstudie

Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?

114.841; Insulinnutzende in Schweden

Was wurde tatsächlich festgestellt?

Jeglicher Krebs RR 1,07 (n. s.); Brust RR 1,99 bei Nutzerinnen von ausschließlich Glargin.

Wie groß war der beobachtete Effekt?

Alle Krebsarten RR 1,07 (0,91–1,27); Brustkrebs RR 1,99 bei Frauen mit Glargin allein (5,0 vs. 2,6 pro 1.000 Personenjahre).

Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?

Kein klares Krebsrisiko insgesamt.

Welche Einschränkungen hat die Studie?

Nur 2 Jahre Nachbeobachtung; das Brustkrebs-Signal beruht auf 25 Fällen in einem von vielen Vergleichen; keine Dosis-Wirkungs-Beziehung; viele fehlende Daten zu BMI/Rauchen.

Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?

Schränkt C-INS-06 ein (insgesamt kein Effekt).

Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?

Schwedische Daten; direkt relevant.

Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?

Kausalität.

Wissenschaftliche Detailprüfung

1. Vollständige Quellenangabe

Autorinnen und Autoren
Jonasson JM, Ljung R, Talbäck M, Haglund B, Gudbjörnsdòttir S, Steineck G
Fachzeitschrift
Diabetologia
Jahr
2009
Identifikator
PMID 19588120 DOI 10.1007/s00125-009-1444-2
Verifizierung
verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
Zurückgezogen
nein
Korrekturen
keine
Geprüfter Umfang
Volltext
Interessenkonflikte und Finanzierung

Keine Angaben zu Finanzierung oder Interessenkonflikten im verfügbaren Volltext; die Studie wurde auf Anfrage der EASD von Forschenden schwedischer Universitäten und des Nationalen Amts für Gesundheit und Soziales (Socialstyrelsen) durchgeführt.

2. Forschungsfrage

Kurzfristige Krebsinzidenz bei Glargin-Nutzenden (von der EASD angefordert)

3. Studiendesign und Population

Studiendesign
Kohortenstudie – Landesweite Studie mit fester Kohorte durch Verknüpfung von sieben schwedischen Bevölkerungsregistern (Arzneimittelverordnungs-, Krebs-, Todesursachen-, nationales Diabetes-, Patienten-, medizinisches Geburten- und Bildungsregister); auf Anfrage der EASD durchgeführt.
Population

Alle Einwohnerinnen und Einwohner im Alter von 35–84 Jahren mit >=1 zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2005 abgegebenen Insulinverordnung, die am 1. Januar 2006 lebten; 61 % als Typ 2, 15 % als Typ 1, 23 % mit unbekanntem Diabetestyp klassifiziert.

Land

Schweden

Zeitraum

Expositionsfenster Juli–Dezember 2005; Nachbeobachtung 1. Januar 2006 – 31. Dezember 2007 (2 Jahre).

Stichprobengröße

114.841: Glargin allein 5.970 (5,2 %), Glargin plus andere Insuline 20.316 (17,7 %), nur andere Insuline 88.555 (77,1 %). Brustkrebsanalysen: 47.776 Frauen.

Ein- und Ausschlusskriterien

Personen mit einem früheren Eintrag der jeweiligen Endpunkt-Krebserkrankung (seit 1958) wurden aus der jeweiligen Analyse ausgeschlossen; Verlust in der Nachbeobachtung definiert als keine abgegebene Verordnung im Jahr 2008.

4. Methoden und Endpunkte

Exposition / Intervention

Glargin allein oder Glargin mit anderen Insulinen, klassifiziert anhand der in der zweiten Jahreshälfte 2005 abgegebenen Verordnungen (in der Hauptanalyse keine Angaben zu Dosis oder Dauer).

Vergleichsgruppe

Anwendende anderer Insuline als Glargin.

Endpunkte

Alle bösartigen Tumoren (inkl. einiger gutartiger/präkanzeröser Läsionen gemäß den Routinen des Krebsregisters), alle bösartigen Tumoren plus In-situ, Brust-, Prostata- und gastrointestinales Adenokarzinom; außerdem Sterblichkeit und akuter Myokardinfarkt.

Statistische Methoden

Poisson-Regression (Inzidenzratenverhältnisse, als RR berichtet) mit Personenjahren als Offset; Adjustierung für Alter, Geschlecht, BMI, Rauchen, Alter bei Diabetesbeginn, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Alter bei erster Geburt, Östrogen, Metformin, Bildung; fehlende Werte als eigene Kategorie; Sensitivitätsanalysen (Latenz, erweitertes Expositionsfenster, negative Binomialverteilung).

5. Tatsächliche Ergebnisse

Ergebnisse

Glargin allein vs. andere Insuline (adjustiert für Alter, Geschlecht): alle bösartigen Tumoren RR 1,07 (95-%-KI 0,91–1,27) [multivariabel 1,06 (0,90–1,25)]; Brustkrebs 1,99 (1,31–3,03) [unadjustiert 1,91 (1,25–2,89); multivariabel 1,97 (1,29–3,00)]; Prostata 1,27 (0,89–1,82); Magen-Darm-Trakt 0,93 (0,61–1,40). Glargin kombiniert mit anderen Insulinen: alle bösartigen Tumoren 0,95 (0,85–1,07), Brust 1,10 (0,77–1,56). Brustkrebs mit 1 Jahr Latenz: 2,22 (1,24–3,99); jegliche Glargin-Anwendung zusammengefasst: 1,40 (1,04–1,89). Kein signifikanter Trend mit der Anzahl definierter Tagesdosen (Daten nicht gezeigt). Frauen mit Glargin allein: Sterblichkeitsverhältnis 0,83 (0,71–0,96), AMI 0,77 (0,59–1,00).

Absolute Risiken

Inzidenz pro 1.000 Personenjahre, Glargin allein vs. andere Insuline: alle bösartigen Tumoren 14,4 vs. 14,8; Brustkrebs 5,0 (25 Fälle) vs. 2,6 (183 Fälle); Prostata 5,3 vs. 4,7; Magen-Darm-Trakt 2,1 vs. 2,6.

Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren

Frauen, die nur Glargin anwendeten, hatten 2006–2007 eine erhöhte Brustkrebs-Inzidenzrate; dies kann eine zufällige Schwankung sein; keine signifikanten Ergebnisse für andere Lokalisationen oder alle bösartigen Tumoren; es lassen sich keine endgültigen Schlüsse zur Kausalität ziehen; Daten aus anderen Settings sind erforderlich.

6. Stärken

  • Vollständige landesweite Register mit hoher Vollständigkeit des Krebsregisters
  • Design mit fester Kohorte, das umgekehrte Kausalität vermeidet
  • Adjustierung für BMI, Rauchen und reproduktive Faktoren (soweit verfügbar); mehrere Sensitivitätsanalysen
  • Absolute Inzidenzraten berichtet

7. Schwächen

  • Nur 2 Jahre Nachbeobachtung; Glargin seit 2003 auf dem schwedischen Markt, unplausibel kurze Latenz für Karzinogenese (Autorinnen und Autoren)
  • Brustkrebs-Signal beruht auf 25 Fällen in einer von mehreren Subgruppen und Lokalisationen; keine Korrektur für multiple Vergleiche
  • Keine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit definierten Tagesdosen; Signal fehlt bei Anwendenden von Glargin plus anderem Insulin
  • BMI und Rauchen fehlen bei etwa der Hälfte der Teilnehmenden (als Kategorie „fehlend“ behandelt); keine Daten zu Alkohol, Genetik, Vorsorgeuntersuchungen
  • Exposition nur anhand von 6 Monaten Verordnungen klassifiziert (Fehlklassifikation)
  • Vergleichsgruppe älter mit höherer Sterblichkeit – Channelling möglich

8. Risiko systematischer Verzerrungen

Orientierendes Instrument
ROBINS-E
Art der Einschätzung
strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
Formale Vollbewertung
nein
Gesamturteil Biasrisiko
einige Bedenken
Begründung

An ROBINS-E orientierte Einschätzung durch eine einzelne Gutachterin bzw. einen einzelnen Gutachter auf Basis des Volltexts; eine formale Bewertung erfordert zwei unabhängige Gutachtende. Geändert von „high“ (Abstract) zu „some_concerns“: Der Volltext zeigt ein gutes registerbasiertes Design und eine gute Adjustierung; das Hauptproblem sind Zufall/multiples Testen und eine sehr kurze Nachbeobachtung, was die Autorinnen und Autoren selbst betonen.

8. Risiko systematischer Verzerrungen
DomäneUrteilBegründung
Confoundingeinige BedenkenDie Adjustierung für die wichtigsten gemessenen Faktoren veränderte die Schätzer kaum, aber BMI/Rauchen fehlten bei ~50 %; Alkohol, Vorsorgeuntersuchungen und genetische Faktoren nicht gemessen; Gruppen unterscheiden sich in Alter und Diabetestyp.
Messung der Expositioneinige BedenkenExposition aus Verordnungen in einem 6-Monats-Fenster; in der Hauptanalyse keine Daten zu Dauer oder kumulativer Dosis.
Auswahl der TeilnehmendenniedrigLandesweiter, bevölkerungsbezogener Einschluss aller Insulinanwendenden, die die Alterskriterien erfüllten.
Interventionen nach Expositioneinige BedenkenWechsel zu oder weg von Glargin während der Nachbeobachtung nicht erfasst.
Fehlende Dateneinige BedenkenHoher Anteil fehlender Kovariaten, als eigene Kategorie behandelt; Verlust in der Nachbeobachtung als gering berichtet.
Messung des EndpunktsniedrigKrebsregister mit hoher Vollständigkeit; histologische Definition für lokalisationsspezifische Endpunkte.
Auswahl des berichteten ErgebnisseshochMehrere Lokalisationen und zwei Expositionsgruppen getestet; der einzige positive Befund wird im Abstract hervorgehoben; keine Korrektur für multiples Testen.

Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Gruppengrößen, absolute Inzidenzraten pro 1.000 PJ, Ergebnisse der kombinierten Gruppe und Sensitivitätsergebnisse (Latenz RR 2,22, jegliche Glargin-Anwendung 1,40, kein DDD-Trend), Sterblichkeit/AMI ergänzt; keine Angabe zu Interessenkonflikten/Finanzierung gefunden; Bias insgesamt high -> some_concerns (Registerdesign solide, Hauptproblem Zufall/Multiplizität); methodological_quality low -> moderate; interpretation_adequacy für die Verwendung im Archiv auf partly_overinterpreted gesetzt.

9. Bewertung der statistischen Interpretation

Die Krebsinzidenz insgesamt war praktisch gleich (14,4 vs. 14,8 pro 1.000 Personenjahre). Das Brustkrebs-RR von etwa 2 beruht auf 25 Fällen, wird bei Anwendenden von Glargin plus anderem Insulin nicht repliziert, zeigt keine Dosis-Wirkungs-Beziehung und tritt innerhalb von 2 Jahren auf – Muster, die eher mit Zufall oder Confounding als mit Kausalität vereinbar sind, wie die Autorinnen und Autoren angeben.

10. Relevanz für die konkrete Aussage

Schränkt C-INS-06 ein: kein insgesamt erhöhtes oder dosisabhängiges Krebsrisiko; isoliertes Brustkrebs-Signal in einer Subgruppe.

11. Unabhängige Gegenbefunde

I-INS-05, I-INS-06.

12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa

Schwedische Daten; direkt relevant.

13. Methodisches Gesamturteil

Insgesamt Nullbefund für Krebs mit einem einzelnen, unbestätigten Brustkrebs-Signal in einer Subgruppe, das die Autorinnen und Autoren selbst für möglicherweise zufällig halten; stützt keinen dosisabhängigen Krebseffekt von Glargin.

Mehrdimensionale Bewertung
Mehrdimensionale Bewertung
Authentizität der Quelleverifiziert
Methodische Qualitätmoderat
Biasrisikoeinige Bedenken
Präzision der Ergebnisseniedrig
Direkte Relevanzdirekt
Reproduzierbarkeitnicht repliziert
Konsistenz mit der Gesamtevidenzinkonsistent
Regionale Übertragbarkeithoch
Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert

14. Offene Fragen

Keine über die genannten hinaus.

15. Verknüpfte Faktenchecks

Verwendung durch das Tayebat-Archiv

Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.

Aussage des Archivs zur Studie

In der Literaturliste des Archivs zu „insulin-injections“ ohne eigene Interpretation aufgeführt; dient als allgemeine Stütze für die Behauptung, dass eine Intensivierung der Insulintherapie schadet.

A. Was wurde tatsächlich untersucht?

Kurzfristige Krebsinzidenz bei Glargin-Nutzenden (von der EASD angefordert)

B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?

Alle bösartigen Tumoren RR 1,07 (0,91–1,27); Brustkrebs RR 1,99 (1,31–3,03) nur bei Frauen mit Glargin allein (25 Fälle), nicht bei Anwendenden von Glargin plus anderem Insulin (1,10); kein Dosistrend; 2 Jahre Nachbeobachtung.

C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?

Frauen, die nur Glargin verwendeten, hatten eine höhere Brustkrebsinzidenz; dies kann eine zufällige Schwankung sein; keine abschließende Schlussfolgerung zur Kausalität.

D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?

Implizite Stütze für Bedenken wegen Glargin und Krebs.

E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?

Nur teilweise: Bösartige Tumoren insgesamt waren nicht erhöht, der Brustkrebsbefund trat nur in einer Subgruppe ohne Dosis-Wirkungs-Beziehung auf, und die Autorinnen und Autoren bezeichnen ihn ausdrücklich als möglicherweise zufällig und lehnen jeden kausalen Schluss ab.

Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert