Kohortenstudievom Tayebat-Archiv zitiertVolltext geprüft★ wichtige Studie A-SUP-06 Tiefenprüfung
Nahrungsergänzungsmittel und Sterblichkeit bei älteren Frauen
Dietary supplements and mortality rate in older women: the Iowa Women's Health Study.
Kurzüberblick
Mursu J et al.. Arch Intern Med 2011 · PMID 21987192 · DOI 10.1001/archinternmed.2011.445
Mehrere Präparate gingen mit etwas mehr Todesfällen einher; Calcium mit weniger.
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Teilweise · Methodische Qualität: niedrig
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Sterblichkeit unter Präparaten.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Kohortenstudie.
- Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?
38.772 Frauen.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
Kleine Zusammenhänge in beide Richtungen.
- Wie groß war der beobachtete Effekt?
HR 1,06 (MV), 0,91 (Ca).
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Kein Beweis für einen Schaden.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Confounding.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Stützt teilweise; widerspricht der Calcium-Behauptung.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Mäßig.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Kausalität.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- Mursu J, Robien K, Harnack LJ, Park K, Jacobs DR
- Fachzeitschrift
- Arch Intern Med
- Jahr
- 2011
- Identifikator
- PMID 21987192 DOI 10.1001/archinternmed.2011.445 · PMC4114071
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed E-utilities efetch, 2026-10-25
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- Volltext
- Interessenkonflikte und Finanzierung
NCI-Förderung R01 CA39742; Academy of Finland, Finnish Cultural Foundation, Fulbright; die Förderer spielten keine Rolle. Ein Autor ist unbezahltes Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der California Walnut Commission; die übrigen keine.
2. Forschungsfrage
Sind Vitamin-/Mineralstoffpräparate bei älteren Frauen mit der Gesamtsterblichkeit verbunden?
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Kohortenstudie – Prospektive Kohortenstudie (Iowa Women's Health Study)
- Population
Postmenopausale Frauen im Alter von 55-69 im Jahr 1986 (Mittel 61,6 J.), 99 % weiß, Iowa
- Land
USA
- Zeitraum
1986-2008 (mittlere Nachbeobachtung 19,0 Jahre); Supplementeinnahme 1986, 1997, 2004 angegeben
- Stichprobengröße
38.772 Frauen (15.594 Todesfälle, 40,2 %); Intervallanalysen mit 29.230 (ab 1997) und 19.124 (ab 2004)
- Ein- und Ausschlusskriterien
IWHS-Teilnehmerinnen, die den Fragebogen von 1986 einschließlich FFQ und Supplementeinnahme ausreichend ausgefüllt hatten
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
Selbst angegebene Einnahme von 15 Supplementen (Multivitamine, Vitamin A, Beta-Carotin, B6, Folsäure, B-Komplex, C, D, E, Eisen, Calcium, Kupfer, Magnesium, Selen, Zink); Dosis bei einigen
- Vergleichsgruppe
Nichtanwenderinnen des jeweiligen Supplements
- Endpunkte
Gesamtsterblichkeit (State Health Registry of Iowa, National Death Index); ursachenspezifische Sterblichkeit (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, andere)
- Statistische Methoden
Cox-Modelle: Modell 1 Alter+Energie, Modell 2 + Lebensstil-/klinische Faktoren, Modell 3 + Ernährungsfaktoren; Analysen kürzerer Intervalle; Dosis-Wirkungs-Beziehung; Ausschluss von Herz-Kreislauf-Erkrankungen/Diabetes/Krebs zu Studienbeginn; 15 primäre Tests (die Autoren merken an, dass die Bonferroni-Schwelle P=0,0033 nicht angewendet wurde)
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
HRs in Modell 3 vs. Nichtanwenderinnen: Multivitamine 1,06 (1,02-1,10), B6 1,10 (1,01-1,21), Folsäure 1,15 (1,00-1,32), Eisen 1,10 (1,03-1,17), Magnesium 1,08 (1,01-1,15), Zink 1,08 (1,01-1,15), Kupfer 1,45 (1,20-1,75); Calcium 0,91 (0,88-0,94). In nach Alter/Energie adjustierten Modellen waren B-Komplex, Vitamin C, D, E und Calcium mit geringerer Sterblichkeit verbunden; die Adjustierung für den Lebensstil kehrte mehrere Zusammenhänge um oder schwächte sie ab. Intervallanalysen: Eisen HRs 1,20, 1,43, 1,56; Calcium 0,89, 0,90, 0,88; Folsäure nur im letzten Intervall signifikant. Eisen: Dosis-Wirkungs-Beziehung und HR 1,60 (1,04-2,46), wenn bei allen drei Befragungen angegeben; der inverse Zusammenhang bei Calcium ging bei der höchsten Dosis verloren.
- Absolute Risiken
Absolute Risikoanstiege über ~19 Jahre (Berechnung der Autoren): Multivitamine 2,4 %, B6 4,1 %, Folsäure 5,9 %, Eisen 3,9 %, Magnesium 3,6 %, Zink 3,0 %, Kupfer 18,0 %; Calcium absolute Risikoreduktion 3,8 %
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Mehrere häufig verwendete Supplemente könnten bei älteren Frauen mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden sein, am stärksten Eisen, während Calcium mit einem geringeren Risiko verbunden war; die Autoren erklären, dass aus diesen Beobachtungsdaten keine kausale Aussage ratsam ist, und sehen wenig Rechtfertigung für eine weit verbreitete Einnahme von Supplementen ohne medizinischen Grund.
6. Stärken
- Große Kohorte mit langer Nachbeobachtung und hoher Erfassung der Sterblichkeit
- Wiederholte Expositionserfassung (drei Befragungen) und Intervallanalysen
- Sensitivitätsanalysen unter Ausschluss chronischer Erkrankungen zu Studienbeginn; Dosis-Wirkungs-Beziehung für Eisen
7. Schwächen
- Beobachtend; Confounding durch die Indikation und umgekehrte Kausalität (z. B. Eisen wegen krankheitsbedingter Anämie) möglich
- Selbst angegebene Supplementeinnahme; Supplement-Fragebogen nicht gesondert validiert
- 15 Supplemente ohne Korrektur für multiples Testen geprüft; mehrere HRs (B6, Folsäure, Magnesium, Zink) würden die eigene Bonferroni-Schwelle der Autoren von P=0,0033 nicht erreichen
- Zusammenhänge empfindlich gegenüber der Modellspezifikation (Richtung änderte sich mit Adjustierung für den Lebensstil)
- Nur weiße ältere Frauen; keine Daten zum Ernährungsstatus
- In dieser Studie keine Daten zu Folsäure mit B12 und Krebs
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- ROBINS-E
- Art der Einschätzung
- strukturierte Einschätzung nach Volltext durch eine prüfende Instanz (keine formale Doppelbewertung)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- hoch
- Begründung
Strukturierte ROBINS-E-Einschätzung durch eine einzelne Person anhand des Volltexts; nicht formal (erfordert zwei unabhängige Begutachtende und ein Protokoll).
| Domäne | Urteil | Begründung |
|---|---|---|
| Confounding | hoch | Supplement-Anwenderinnen unterscheiden sich systematisch (gesünderer Lebensstil); die Richtung der Zusammenhänge änderte sich mit der Adjustierung; der Anwendungsgrund (z. B. Eisen, B-Vitamine) wurde nicht erfasst. |
| Messung der Exposition | einige Bedenken | Selbstangabe ohne Dosis bei mehreren Supplementen; zu drei Zeitpunkten wiederholt. |
| Auswahl der Teilnehmenden | niedrig | Bevölkerungsbasierte Kohorte; wenige Ausschlüsse. |
| Interventionen nach der Exposition | einige Bedenken | Die Supplementeinnahme änderte sich im Zeitverlauf deutlich (63 % auf 85 %). |
| Fehlende Daten | niedrig | Verknüpfung mit Sterbedaten vollständig; Fragebogenrücklauf nahm im Zeitverlauf ab, aber Todesfälle wurden erfasst. |
| Messung des Endpunkts | niedrig | Tod jeglicher Ursache aus Registern. |
| Auswahl des berichteten Ergebnisses | hoch | Viele Expositionen und Modelle; keine Korrektur für multiples Testen; Schwerpunkt auf Modell 3, in dem mehrere Zusammenhänge erst nach Adjustierung Signifikanz erreichen. |
Volltextprüfung (25. Oktober 2026): Ergänzt: Modellabhängigkeit (inverse Zusammenhänge in minimalen Modellen kehrten sich nach Adjustierung für den Lebensstil um), die eigene Bonferroni-Schwelle der Autoren (P=0,0033), die mehrere HRs nicht erreichen würden, Intervall- und Dosis-Wirkungs-Ergebnisse für Eisen und Calcium, absolute Risikoanstiege über ~19 Jahre, Finanzierung/Interessenkonflikte; ROBINS-E-Domänen (Gesamtbewertung unverändert: hoch).
9. Bewertung der statistischen Interpretation
Kleine Hazard Ratios (1,06-1,15 für die meisten Supplemente) mit unteren KI-Grenzen nahe 1, ohne Korrektur für multiples Testen und mit modellabhängiger Richtung; nur Eisen (konsistent, dosisabhängig) und Calcium (invers) sind in diesem Datensatz relativ robust. Nur hypothesengenerierend.
10. Relevanz für die konkrete Aussage
C-SUP-06; C-SUP-04 (inverser Zusammenhang für Calcium).
11. Unabhängige Gegenbefunde
Macpherson 2013 (A-SUP-26), Metaanalyse von RCTs: RR 0,98.
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Hoch: Biologie und Studienpopulationen sind mit europäischen Erwachsenen vergleichbar.
13. Methodisches Gesamturteil
Hypothesengenerierend; durch RCT-Evidenz zu Multivitaminpräparaten widerlegt.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | niedrig |
| Biasrisiko | hoch |
| Präzision der Ergebnisse | moderat |
| Direkte Relevanz | direkt |
| Reproduzierbarkeit | nicht repliziert |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | inkonsistent |
| Regionale Übertragbarkeit | moderat |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert |
14. Offene Fragen
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Calciumpräparate ohne Vitamin D erhöhten das Herzinfarktrisiko um etwa 31 %, und die Zugabe von Vitamin D beseitige diesen Schaden nicht. – Studien mit gemischten oder unklaren Ergebnissen
- Multivitamine, Eisen, Folsäure, B6, Magnesium, Zink und Kupferpräparate erhöhten die Sterblichkeit, und Folsäure (mit B12) erhöhe Krebs. – Studien, die die Behauptung unterstützen
Verwendung durch das Tayebat-Archiv
Hinweis: Laut Archiv wurden die Studien von den Archivbetreibern zusammengestellt. Ob Dr. Elawady selbst diese Studie angeführt hat, ist nicht belegt.
- Aussage des Archivs zur Studie
Über 22 Jahre waren Multivitamine, Eisen, Folsäure, B6, Magnesium, Zink und Kupfer mit höherer Sterblichkeit verbunden.
- A. Was wurde tatsächlich untersucht?
Einnahme von Präparaten vs. Sterblichkeit.
- B. Was haben die Autorinnen und Autoren festgestellt?
Kleine HRs über 1 für Multivitamine, B6, Folsäure, Eisen, Magnesium, Zink, Kupfer (mehrere nicht robust gegenüber einer Korrektur für multiples Testen); Eisen am konsistentesten; Calcium HR 0,91 (invers).
- C. Welche Schlussfolgerungen ziehen sie selbst?
Könnten mit erhöhter Sterblichkeit verbunden sein.
- D. Welche Aussage leitet das Archiv daraus ab?
Zusammengefasst als Präparate, die „mit höherer Sterblichkeit verbunden“ sind, und als Teil eines „eindeutigen Schadens“.
- E. Ist diese Ableitung wissenschaftlich gerechtfertigt?
Teilweise: Die Zusammenhänge sind korrekt aufgeführt, aber beobachtend, nicht für 15 Tests korrigiert und nach Aussage der Autoren ausdrücklich nicht kausal; das Archiv lässt den inversen Zusammenhang bei Calcium weg, der seiner Calcium-Behauptung widerspricht; die Studie befasst sich nicht mit Folsäure/B12 und Krebs.
- Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv)
- teilweise zutreffend, jedoch überinterpretiert