Kohortenstudieunabhängige GegenprüfungAbstract geprüft I-ODD-111 Standardprüfung
Die meisten Beinamputationen in einer schwedischen Region betrafen Menschen ohne Diabetes
Incidence of lower-limb amputation in the diabetic and nondiabetic general population: a 10-year population-based cohort study of initial unilateral and contralateral amputations and reamputations.
Kurzüberblick
Johannesson A et al.. Diabetes Care 2009 · PMID 19001192 · DOI 10.2337/dc08-1639
157 von 290 Amputierten hatten keinen Diabetes; Risiko mit Diabetes 8-mal höher.
Unterstützt die Studie die konkrete Behauptung? Nein · Methodische Qualität: moderat
Verständliche Zusammenfassung
Studie einfach erklärt
- Was wollten die Forschenden herausfinden?
Amputationsraten mit und ohne Diabetes vergleichen.
- Wie wurde die Studie durchgeführt?
Regionales Register über 10 Jahre.
- Wie viele Menschen, Tiere oder Proben wurden untersucht?
290 Amputierte.
- Was wurde tatsächlich festgestellt?
Amputationen kommen auch bei Menschen ohne Diabetes vor; Diabetes erhöht die Rate um das Achtfache.
- Wie groß war der beobachtete Effekt?
Etwa 195 vs. 23 pro 100.000 Personenjahre.
- Was bedeuten die Ergebnisse im Alltag?
Amputationen werden durch Gefäßerkrankungen und Diabetes verursacht, nicht nur durch Medikamente.
- Welche Einschränkungen hat die Studie?
Medikamentenanwendung nicht untersucht.
- Was sagt sie über Elawadys konkrete Behauptung aus?
Widerlegt „nur“.
- Gelten die Ergebnisse auch für Deutschland und Europa?
Hoch.
- Was lässt sich aus dieser Studie ausdrücklich nicht schließen?
Wirkungen einzelner Medikamente.
Wissenschaftliche Detailprüfung
1. Vollständige Quellenangabe
- Autorinnen und Autoren
- Johannesson A et al.
- Fachzeitschrift
- Diabetes Care
- Jahr
- 2009
- Identifikator
- PMID 19001192 DOI 10.2337/dc08-1639
- Verifizierung
- verifiziert – PubMed efetch 2026-10-26; Crossref works API 2026-10-26
- Zurückgezogen
- nein
- Korrekturen
- keine
- Geprüfter Umfang
- nur Abstract
- Interessenkonflikte und Finanzierung
Im Abstract nicht angegeben.
2. Forschungsfrage
Wie unterscheidet sich die Inzidenz vaskulärer Amputationen der unteren Gliedmaße zwischen Menschen mit und ohne Diabetes?
3. Studiendesign und Population
- Studiendesign
- Kohortenstudie – Bevölkerungsbasierte Kohorte (10-jährige Erfassung aller vaskulären Amputationen der unteren Gliedmaße in einer schwedischen Region)
- Population
Allgemeinbevölkerung im Alter von >=45 Jahren in einer repräsentativen schwedischen Region
- Land
Schweden
- Zeitraum
1997-2006
- Stichprobengröße
290 Amputierte (133 mit Diabetes, 157 ohne)
- Ein- und Ausschlusskriterien
Alle vaskulären Amputationen auf Höhe des Mittelfußes oder proximal davon
4. Methoden und Endpunkte
- Exposition / Intervention
Diabetesstatus
- Vergleichsgruppe
Kein Diabetes
- Endpunkte
Erste einseitige Amputation, Amputation der Gegenseite, Reamputation
- Statistische Methoden
Inzidenz pro 100.000 Personenjahre mit 95-%-KI
5. Tatsächliche Ergebnisse
- Ergebnisse
Erste Amputation pro 100.000 Personenjahre: Frauen mit Diabetes 192 (145-241), Männer mit Diabetes 197 (152-244), Frauen ohne Diabetes 22 (17-26), Männer ohne Diabetes 24 (19-29). 157 von 290 Amputierten hatten keinen Diabetes.
- Absolute Risiken
Etwa 2 pro 1.000 Personenjahre mit Diabetes vs. etwa 0,2 pro 1.000 ohne.
- Schlussfolgerung der Autorinnen und Autoren
Die Inzidenz vaskulärer Amputationen ist bei Menschen mit Diabetes im Alter von >=45 achtmal höher als bei Menschen ohne Diabetes.
6. Stärken
- Vollständige Erfassung der Bevölkerung
7. Schwächen
- Einzelne Region
- Behandlung des Diabetes nicht analysiert
8. Risiko systematischer Verzerrungen
- Orientierendes Instrument
- ROBINS-E
- Art der Einschätzung
- vereinfachte Einschätzung (nur Abstract)
- Formale Vollbewertung
- nein
- Gesamturteil Biasrisiko
- niedrig
- Begründung
Beschreibende Inzidenzstudie.
9. Bewertung der statistischen Interpretation
54 % der Amputierten hatten keinen Diabetes (stats/C-ODD-06.py).
10. Relevanz für die konkrete Aussage
Widerlegt „Beinamputationen kommen nur bei Menschen vor, die Diabetesmedikamente und Insulin einnehmen“: Mehr als die Hälfte der Amputierten hatte überhaupt keinen Diabetes; der Diabetes selbst (Gefäßerkrankung, Neuropathie) ist der Haupttreiber.
11. Unabhängige Gegenbefunde
Canagliflozin erhöhte in CANVAS die Amputationen an Zehen/Mittelfuß (A-ODD-09).
12. Übertragbarkeit auf Deutschland und Europa
Hoch (Bevölkerung der EU).
13. Methodisches Gesamturteil
Widerspricht direkt der Formulierung „nur“.
| Mehrdimensionale Bewertung | |
|---|---|
| Authentizität der Quelle | verifiziert |
| Methodische Qualität | moderat |
| Biasrisiko | niedrig |
| Präzision der Ergebnisse | moderat |
| Direkte Relevanz | indirekt |
| Reproduzierbarkeit | teilweise repliziert |
| Konsistenz mit der Gesamtevidenz | konsistent |
| Regionale Übertragbarkeit | moderat |
| Angemessenheit der Interpretation (durch das Archiv) | nicht anwendbar |
14. Offene Fragen
Keine.
15. Verknüpfte Faktenchecks
- Glukosesenkende Medikamente schadeten insgesamt und gehörten zu den „verbotenen“ Dingen; Dapagliflozin (Forxiga) gehöre zu den „schmutzigsten“ Medikamenten und töte das Gehirn; Beinamputationen beträfen nur Menschen, die Diabetesmedikamente und Insulin nehmen. – Studien, die der Behauptung widersprechen oder sie einschränken